Bild der Woche / 23.6.2005

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Hier sieht man die Ranke einer Zweihäusigen Zaunrübe (Bryonia dioica), die an einem Straßenrand in Heidelberg wuchs. Bei dieser Art sind die Ranken besönders schön ausgebildet. In der Mitte der Ranke liegt ein sogenannter "Umkehrpunkt", an dem sich die Drehrichtung der Spirale umkehrt (englisch: tendril perversion). Eine solchen Punkt gibt es bei allen Ranken, und zwar immer ungefähr in der Mitte.

Um zu verstehen, wie der Umkehrpunkt entsteht, muß man sich das Wachstum einer Ranke anschauen. Hat eine noch wachsende Ranke einen potentiellen Halt gefunden, beginnt an der morphologischen Oberseite, der Dorsalseite, ein Streckungswachstum. Hierdurch entsteht in der Ranke eine inhärente Spannung, ähnlich wie in einem Telefonkabel, die eine Krümmung und damit das Einrollen der Ranke bewirkt. Da aber bereits beide Rankenenden festen Halt haben und sich nicht mehr um die Rankenachse drehen können, müssen beim Einrollen Umkehrpunkte entstehen, und zwar so, daß in jeder Drehrichtung gleich viele Windungen verlaufen. Es kann in einer Ranke einen oder auch mehrere Umkehrpunkte geben. (Vergleiche Botanik-Online: Rankenbewegungen und Tendril perversion strikes Kazmierz.)

(Bild vom Mai 2005 in Heidelberg.)

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by Michael Becker, 6/2005. Letzte Änderung: 6/2005.