Eigener Anbau von Chilies

Chilies werden ausschließlich in Ländern mit heißerem Klima kommerziell gezogen. Man kann aber auch bei uns durchaus zum Chili-Selbstversorger werden, sofern man einen halbwegs sonnigen Balkon oder einen Garten besitzt. Zwei oder drei Kästen mit Chili-Pflanzen reichen, um sich selbst und einige Freunde mit Chilies zu versorgen.

Zwar werden viele Sorten lange nicht so groß, wie sie in geeigneterem Klima werden, aber auch hier können sie höllisch scharf werden. Außerdem sehen viele der Pflanzen äußerst dekorativ aus.

Die Vermehrung der Pflanzen erfolgt durch Aussaat. Eigentlich muß man nur wissen, daß die Pflanzen viel Sonne und Wärme brauchen, und daß man sie im Februar im Zimmer aussäen muß. Alles andere läuft dann wie bei allen anderen Pflanzen auch.

Woher die Samen nehmen?

In Garten- und Pflanzen-Geschäften in Deutschland gibt es einige Samen (und im Frühling auch Jungpflanzen) zu kaufen. Allerdings beschränkt sich das Angebot auf diverse Arten von Gemüsepaprika, auf Peperoni, und auf Cayenne-Chilies. Cayenne ist immerhin, wenn man eine scharfe Sorte ziehen will, für hiesiges Klima keine schlechte Wahl.

Samen exotischerer Sorten bekommt man bei Saat-Spezialversandhändlern, oder in Saatgeschäften im Ausland. Die auf den Packungen angegebene Dauer bis zur Reife gilt für heißere Klimate. Als Pauschalregel kann man sagen, daß bis zu 70 Tage in Deutschland unproblematisch sind. 80 Tage gehen noch. Und bei 90 Tagen muß man schon sehr früh aussäen und im Zimmer nachreifen lassen.

Die einfachste Möglichkeit, an Samen zu kommen, ist es, sich im Urlaub oder in Asien-Läden getrocknete oder frische Chilies zu kaufen. Die Keimfähigkeit von getrockneten Chilies kann allerdings stark schwanken, da diese manchmal mit Gamma-Strahlung desinfiziert wurden, wodurch die Samen abetötet werden. Eine solche Bestrahlung ist in Deutschland verboten, aber bei im Ausland abgefüllten Packungen ist sie nicht selten.

Eine weitere Methode, um an Samen zu kommen, ist es, zu tauschen. Es gibt inzwischen auch hier einige Chili-Fans. Das Internet ist gut dazu geeignet, Tauschpartner zu finden.

Hat man erst mal Chilies gezogen, so kann man Samen aus eigener Ernte verwenden. Man sollte einfach Samen aus vollständig ausgereiften Chilies nehmen, alles gut trocknen lassen, und die Samen dann trocken und kühl aufbewahren. Darüber, ob man die Samen besser in der Frucht läßt, oder herausnimmt, habe ich verschiedene Angaben gefunden. Will man die Samen selbstgezogener Pflanzen verwenden, und zieht man mehrere Chili-Sorten, so sollte man aufpassen, daß es nicht zu Kreuzungen kommt (s. im Abschnitt über Blüte und Bestäubung).

Aussaat und Keimung

Die Chili-Samen brauchen zum Keimen eine relativ hohe Temperatur (mindestens 20°C). Deshalb muß man die Pflanzen im Zimmer aussäen. Ein elektrisch geheiztes kleines Anzuchthäuschen kann die Keimdauer erheblich verringern, ist aber nicht unbedingt nötig. (Ich selber besitze keines.) Auch eine Styroporplatte zwischen der kalten Fensterbank und der Anzuchtschale kann die Keimdauer verringern.

Wann die Aussaat erfolgen sollte, kann man nicht pauschal sagen. Auf meiner Cayenne-Samen-Packung ist März-Mai angegeben. Die Samen keimten bei mir allerdings auch schon nach einer knappen Woche und die Pflanzen fingen sofort an, kräftig zu wachsen.

Einige exotischere Sorten wie Habaneros oder Chilpecins brauchten bei mir rund einen Monat zum Keimen und danach noch ewig, um in die Puschen zu kommen. Diese kann man also durchaus schon Anfang Februar aussäen.

Unklar scheint auch zu sein, ob Chilies Lichtkeimer sind (d.h. Pflanzen, deren Samen zum Keimen zumindest ein wenig Licht brauchen). Dies war auf meiner Cayenne-Packung angegeben, und tatsächlich keimten auch nur diejenigen Samen, die auf der Erdoberfläche lagen. Bei einigen Sorten, wie z.B. den Habaneros, scheinen meines Eindrucks nach aber fast ausschließlich diejenigen Samen, die ein Stück unter der Erde lagen, gekeimt zu sein. Nur allzu weit sollten sie nicht unter der Erde liegen, denn die Keimlinge sind relativ klein und zart.

Pikieren, Auspflanzen, Umtopfen

Je nachdem, wie dicht man ausgesät hat, muß man die jungen Pflanzen schließlich pikieren. Das Pikieren sollte erst erfolgen, wenn die Pflanzen mindestens drei oder vier echte Blätter haben.

ca. 4 Wochen alte Tabasco-Pflanze

Ca. 4 Wochen alte Tabasco-Pflanze.

Sobald die Pflanzen gut angewachsen sind, kann man sie ab und zu bei gutem Wetter mal einige Stunden nach draußen in die Sonne stellen. Ganz nach draußen sollte man sie aber erst stellen, wenn auch die Nachttemperaturen nicht mehr unter 5°C fallen. Dies ist hier meist Anfang Mai der Fall. Hier sollte man wirklich relativ vorsichtig sein. Selbst bei den eher robusten Sorten wie Cayenne bedeutet ein noch so kleiner Nachtfrost das endgültige Aus.

Chilies eignen sich gut für Blumenkästen oder -kübel. Mit Blumentöpfen dagegen habe ich selber keine so guten Erfahrungen gemacht: Die Pflanzen stellten alle nach einiger Zeit ihr Wachstum ein. Sie setzten zwar Früchte an, aber lange nicht so viele, wie die in den Blumenkästen.

Kästen und Kübel haben gegenüber dem Auspflanzen im Garten außerdem den Vorteil, daß man sie im Herbst, wenn die ersten Nachtfröste kommen, noch einige Wochen ins Haus stellen kann. Dies kann die Anzahl der reif gewordenen Chilies ganz erheblich erhöhen.

Prinzipiell ist es auch möglich, Chilies als Zimmerpflanzen zu halten. Die häufig verkauften "Zierpaprikas" gehören schließlich auch hierzu. Besonders beliebt scheinen als Zierpflanzen meines Eindrucks nach C.frutescens-Abarten zu sein. Zum Züchten von eßbaren Früchten scheint mir dies aber eher ungeeignet zu sein, da es in fast allen Wohnungen zu dunkel sein dürfte. Um eine halbwegs große Ernte zu bekommen, muß man also entweder ein sehr sonniges Fenster haben, oder künstlich beleuchten. Meines Eindrucks nach werden in Zimmer gezogene Früchte lange nicht so scharf und aromatisch wie Früchte, die im Freien gereift sind.

In welchem Abstand man die Pflanzen setzen sollte, hängt natürlich von deren erwarteter Größe ab. Bei den eher kleineren, scharfen Sorten wie Cayenne oder Thai hat sich bei mir ein Pflanzabstand von gut 35cm als vernünftig herausgestellt. Die größeren Gemüse-Paprikas sollten vermutlich weiter voneinander entfernt stehen. (Es liegen bei diesen aber keine persönlichen Erfahrungen vor.)

Beim Einsetzen in Töpfe, Kübel, oder beim Umpflanzen sollte man darauf achten, daß man ein Gefäß nimmt, welches den Wurzeln reichlich Volumen bietet. Chilies haben ein zwar weit verzweigtes, aber dünnes und zartes Wurzelgewebe. Aus diesem Grund lassen sie sich, wenn ein Pflanzgefäß zu klein geworden ist, nur schlecht umtopfen, ohne daß größere Teile des Wurzelwerkes beschädigt werden. Und dieses Problem wird natürlich um so schlimmer, je größer das alte Gefäß bereits ist.

Welcher Standort?

Bei der Auswahl des Standortes gibt es eigentlich nur eines zu beachten: Er sollte möglichst sonnig und warm sein, gerne z.B. vor einer sonnenbeschienenen Wand. Auch allzu zugige Orte mögen die Pflanzen nicht.

Die Anzahl der Sonnenstunden, der Temperatur und die Trockenheit haben einen deutlichen Einfluß auf die von den Früchten erreichte Schärfe. Als Grundregel gilt: Je heißer, sonniger und trockener es ist, desto schärfer und aromatischer werden die Früchte.

Blüte und Bestäubung

Thai-Chili-Blüte

Thai-Chili-Blüte.

Die meisten Chili-Pflanzen fangen schnell an, zu blühen - oft schon, wenn sie gerade mal 15cm hoch sind. Und sie blühen dann den ganzen Sommer über über und über. Die ersten Blüten fruchten allerdings nur selten. Bei mir wurden sie häufig sogar trotz Bestäubung abgeworfen.

Bei vielen Chili-Sorten scheint ein guter Teil der Blüten sich selber zu befruchten (Cayenne, Tabasco, Thai). Bei anderen (Habanero) haben ausschließlich diejenigen Blüten, die ich mit einem Pinsel befruchtet hatte, gefruchtet. Für normale blütenbestäubende Insekten (Bienen, Hummeln, Schwebfliegen) scheinen Chili-Blüten eher unattraktiv zu sein. Auf meinem Balkon wurden in voller Blüte stehende Blumenkästen völlig ignoriert, während sich an den daneben stehenden Lippenblütlern eine ganze Armada von Insekten gütlich tat. Dennoch scheint es Insekten zu geben, die Chili-Blüten anflogen. Bei mir besorgten das im Jahre 1998 z.B. Wespen.

Zieht man mehrere Chili-Arten auf engem Raum, so kann es zu Hybridbildung kommen. Dasselbe wird sicher passieren, wenn man im Wintergarten oder im Haus mehrere Sorten mit demselben Pinsel bestäubt. Für die Fruchtbildung ist das egal: Die Frucht besteht aus dem Gewebe der Mutterpflanze. Schärfe, Form, Farbe etc. richten sich also ausschließlich nach der Mutterpflanze.

Will man dagegen auch Samen für die Aufzucht in den nächsten Jahren gewinnen, so muß man Kreuzungen verhindern. Es sei denn, man kreuzt absichtlich, um z.B. eine Ausgangspopulation für die Zucht einer neuen Sorte zu bekommen. (In diesem Fall reicht es allerdings nicht, Einzelpflanzen zu kreuzen, sondern man muß, wie bei allen Panmixiesorten, zwei ganze Bestände kreuzen.)

Das Verhindern von Kreuz-Bestäubungen im Freiland ist problematisch. Im nicht-professionellen Bereich kann man Gaze-Netze über die Beete legen. Hierdurch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, daß die Insekten nach Besuch einer Blüte eine Blüte derselben Sorte besuchen. Will man nicht soviel Aufwand treiben, so reicht auch schon ein Abstand von einigen Metern. Auf diese Weise bekommt man zwar kein reinrassiges Erbgut mehr, aber für den Hausgebrauch reicht es.

Ernte

Irgendwann im August oder September sollten dann die ersten Chilies reif sein. Ab und zu habe ich gelesen, daß die Pflanzen reichlicher tragen, wenn man reife Chilies sofort aberntet, und nicht noch an der Pflanze hängen läßt.

Sollten die Chilies nicht mehr reif werden, bevor es kalt wird, hat man die Möglichkeit, die Pflanzen zwei oder drei Wochen ins Haus zu nehmen. Meistens werden die Früchte dort sehr schnell rot.

Überwinterung

Überwinterte Thai-Chili-Pflanze Ende März

Überwinterte Thai-Chili-Pflanze Ende März.

Irgendwann im November erfrieren schließlich die Pflanzen, die im Freien stehen. Man kann einige von ihnen aber auch ins Haus nehmen und versuchen zu überwintern.

Ich persönlich habe aber zumindest mit Pflanzen, die lange draußen standen, keine guten Erfahrungen gemacht: Sie wuchsen im Haus nicht weiter und warfen einen Teil ihrer Blätter ab. Immerhin starben sie nicht, so daß ich sie im Frühling wieder nach draußen stellen konnte. Vermutlich waren sie nur durch die plötzliche Umstellung von ca. 5°C auf 22°C geschwächt.

Einige (zwei Habaneros) hatte ich schon früher im Jahr ins Zimmer gestellt. Nach einer ein- oder zweimonatigen Gewöhnungsphase wuchs zumindest einer der beiden auch im Zimmer weiter und fing im Dezember an zu blühen.

Sorten der Art Capsicum frutescens scheinen besser überwintert werden zu können und tragen, nachdem sie sich im Frühling wieder an einen Standort im Freien gewöhnt haben, gut, während sich eine Überwinterung bei Sorten der Art Capsicum annuum kaum lohnt.

Ideal für mehrjährige Pflanzen ist ein heller kühler Ort.

Düngen, Schädlinge etc.

Über solche Sachen sage ich nicht viel. Chili-Pflanzen verhalten sich nicht anders als alle anderen Pflanzen auch. Sie sind, abgesehen davon, daß sie einen heißen, sonnigen Standort haben wollen, nicht besonders anspruchsvoll.

Und sie sind keine Spezialisten: Sie wollen keinen Sand, keinen Lehm, und keinen reinen Torf, sondern ganz normale Komposterde wie 99% aller anderen Pflanzen auch. Sie wollen im Sommer regelmäßig gegossen werden usw....

Allerdings sollte man beim Düngen höllisch aufpassen. Die Chilis gehören zu den schwachzehrenden Pflanzen und können auf Düngergaben sehr empfindlich reagieren. Und zwar welken sie dann, so daß es aussieht, als hätte man zu wenig gegossen. Mein Tip: Die Pflanzen nach dem endgültigen Setzen gar nicht mehr düngen.

by Michael Becker, 2/1999. Letzte Änderung: 8/2007.