Blüten- und Fruchtaufbau, Bestäubungsverhältnisse

Diese Datei richtet sich nach [Hos].

Blütenaufbau

Die gestielten Capsicum-Blüten sitzen zumeist einzeln in der Verzweigungspunkten der Pflanze. Sie sind verwachsenblättrig und fünfzählig.

Der Kelch ist glockenförmig. Die einzelnen Kelchblätter sind häufig bis auf kleine Zähnchen reduziert. Der Kelch wird von der Frucht weit überragt. Die Blütenblätter haben einen zarten Mittelnerv.

Der Griffel ist lang und schmal. Der Stempel ist undeutlich in zwei Hälften geteilt. Das Karpell ist zweifächrig (nur bei den wildwachsenden Arten) und synkarp (durch echte Scheidewände gegliedert). Die Samenanlage befinden sich an der Achse des Karpells. Die Staubbeutel sind längs durch tiefe Einschnitte in zwei Teile geteilt. Sie neigen zusammen, so daß aus ihrer Mitte der Griffel herausragt.

Ansonsten sieht man an dem Blütendiagramm rechts eine Charakteristik der Solanaceae an: Der zweifächrige Fruchtknoten durchbricht die Achsensymmetrie der Blüte und liegt schräg.

Capsicum-Blüten

Capsicum-Blüten.

Bestäubungsbiologie

Der Großteil der Blüten öffnet sich um ca. 5Uhr morgens. Nach dem ersten Öffnen der Blüten ist zunächst einmal nur die Narbe empfängnisbereit. Erst ein oder mehrere Tage später entlassen die Staubblätter die Pollen.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Selbstbefruchtung kommt vor, ist aber nicht die Regel. Aus diesem Grund kommt es auch bei wilden Pflanzen sehr häufig zu Kreuz-Bestäubungen, abhängig von den Umständen (Insektenvorkommen, Windrichtungen etc.). Um die Reinheit einer Chili-Sorte auf Dauer zu erhalten, gilt eine räumliche Isolation von 500m als ausreichend. Bastardbildungen können aber auch "durch Handarbeit" verhindert werden, indem man z.B. die Chili-Beete durch feine Gaze-Netze für Insekten voneinander abtrennt, oder die Blüten künstlich befruchtet, bevor sich die Blütenknospe geöffnet hat.

Die Frucht

Schnitt durch zwei Capsicum-Früchte

Schnitt durch zwei Capsicum-Früchte.

Botanisch gesehen sind Chilies Beeren, und keine Schoten. (Beeren sind Früchte, die aus einem Fruchtknoten hervorgegangen sind, bei Reife nicht zerfallen, und deren Fruchtwand bei Reife als ganzes fleischig wird. Das letztere unterscheidet sie von Steinfrüchten, wo ein Teil der Fruchtwand hart wird. Schoten öffnen sich zur Fruchtreife und entlassen die Samen.) Die Samen sind dabei nicht in Fruchtfleisch gehüllt: Die Frucht ist hohl. Die in jeder Frucht zahlreich vorhandenen Samen sitzen an der Achse.

In Form, Farbe und Geschmack variieren die Früchte ganz erheblich. Die Farbe ist zunächst grün (bei manchen Sorten auch gelb oder orange), bei Reife dann orange, rot oder purpurn.

Nach der Bestäubung entwickeln sich die Früchte zunächst sehr schnell und erreichen nach einigen Wochen ihre endgültige Größe. Danach passiert lange nichts mehr: Die Früchte bleiben grün und ausgewachsen an der Pflanze hängen. Wie lange dieser Zustand andauert, hängt von der Sorte und vom Klima ab. Schließlich werden die Früchte innerhalb von ein oder zwei Wochen rot.

Die reifen Früchte verlieren dann langsam ihre Feuchtigkeit. Einige Sorten, insbesondere Zierpaprikas, besitzen eine Wachshülle, die die Austrockung stark verzögern kann, so daß die Chilies noch lange frisch aussehen.

Die Größe und das Gewicht der Früchte der gezüchteten Sorten schwankt erheblich: Von 1cm und 2-3g bis zu einer Länge von 30cm und Gewichten von 300g (bei einigen Hybrid-Gemüse-Paprikas) kommt alles vor. Der Anteil am Fruchtfleisch schwankt zwischen 35% (z.B. bei getrockneten Thai-Chilis) und 80% (Gemüsepaprika) des Gesamtgewichtes.

Die rote Farbe der Früchte wird durch Carotinoide verursacht. Das wichtigste darunter ist das rote Capsanthin, welches ca. 35% des gesamten Pigmentgehaltes ausmacht. Andere wichtige Pigmente sind Capsolubin (6,4%) und Zeaxanthin (2,3%).

Samen

Die Samen sind zusammengedrückt rund, mit einer kleinen Spitze. Ihr Durchmesser beträgt 3-4mm, ihr Gewicht ca. 6mg.

by Michael Becker, 2/1999. Letzte Änderung: 2/1999.