Die Rocoto-Seite

Blüte auf einer Rocoto-Pflanze

Blüte einer Rocoto-Pflanze.

Als Rocotos bezeichnet man die Früchte der Art Capsicum pubescens. Seit Frühsommer1999 habe ich einige Rocoto-Pflanzen unter meiner Obhut (vielen Dank, Heike) und kann mich nur wundern, wie sehr sie sich von den anderen Arten Capsicum annuum,frutescens und chinense unterscheiden.

Blüten

Während die drei oben erwähnten Arten recht unscheinbare, weiße, grünlich-weiße oder etwas cremefarbene Blüten haben, sind die Blütenblätter der Rocotos tief-violett. Die Krone hat einen Durchmesser von 1,5-2cm. Die Blüten sitzen einzeln in den Blattachseln.

Jedes Blütenblatt hat am Grunde einen gelben Fleck (eine Honigdrüse?), welcher durchscheinend ist und ergo sowohl von innen als auch von außen zu sehen ist. Von außen wirkt er aber nicht besonders gelb, sondern eher gelblich-weiß. Jeder Fleck ist außerdem umgeben von einer weißlichen Halo. Außerdem glänzt er, verglichen mit den Blütenblättern. Diesen Punkt teilt der Rocoto übrigens mit den Aji-Sorten (Capsicum baccatum), bei denen der Fleck aber eher etwas bräunlich ist.

Die Kelchblätter der Rocotoblüten enden in einer vielleicht 2mm lang ausgezogenen Spitze. Sie sind wie der Rest der Pflanze dicht und kurz behaart.

Rocoto-Blüte von vorne Rocoto-Blüte von hinten

Rocoto-Blüten von vorne und von der Seite.

Früchte

Rocoto-Samen

Die dunkelbraunen Samen einer Rocoto-Pflanze.

Von denen gibt es hier leider keine Bilder. Zwar sind bei mir letztes Jahr noch einige reif geworden, ich habe es aber versäumt, sie zu photographieren. Deshalb hier nur die altbekannte Beschreibung.

Bei mir waren die reifen Chilies rot. Gelbe Sorten gibt es wohl auch. Von der Form her ca. eiförmig, allerdings nicht so groß wie in den Beschreibungen, die ich gefunden habe, sondern nur ca. 3,4-4cm lang und 2,5cm breit. Im Inneren der Früchte befanden sich die dunkelbraunen Samen.

Das Fruchtfleisch war deutlich dicker als bei anderen Chilies (Cayenne, Thai), so daß die Früchte, wenn man sie einfach liegenließ, anfingen zu schimmeln, und nicht trockneten.

Was den Geschmack und die Schärfe angeht, so habe ich unterschiedlichste Angaben gefunden, die ich selber alle nicht so richtig nachvollziehen kann. In [And] steht, daß die Schärfe von Rocotos, ausgedrückt in Scoville-Einheiten, zwar nicht so groß ist, daß sie aber beim Essen wegen der anderen Zusammensetzung der Capsaicinoide andere Bereiche des Mundes reizen und dadurch schärfer wirken, als sie sind. Ich selber hatte genau den entgegengesetzen Eindruck. Ansonsten ist es überraschend, daß Früchte, die dickfleischig wie kleine Paprikas sind, überhaupt so scharf sein können.

Habitus

Beim Rocoto handelt es sich um eine wuchskräftige, sich stark und sparrig verzweigende und ausdauernde (perennierende) Pflanze. Von kräftigen, nach oben wachsenden Trieben gehen praktisch von jeder Blattachsel aus waagerecht zur Seite wachsende Triebe aus. (Im Bild halbwegs gut zu erkennen.)

Eine allein stehende Pflanze wächst recht kompakt und buschig. In der Nähe von anderen Pflanzen bekommt der Rocoto schnell wachsende, ausladende Triebe mit Knotenabständen von bis zu 20cm, welche sich über die andere Pflanze drüberlegen und sie überwuchern. (Diese Wuchsform ist typisch für "Spreizklimmer" wie z.B. die Brombeere.) Hiervon habe ich leider auch kein Bild gemacht.

Im Mai ausgesäte Rocotos waren bei mir am Ende des Jahres ca. 70-80cm hoch. Ich hatte das Gefühl, daß sie besonders gut wachsen, wenn zumindest die Nächte noch einigermaßen kühl sind.

Auch von der Farbe her unterscheiden sich die Rocotos von den anderen Chilie-Arten: Die Blätter und Stengel sind nicht leuchtend grün, sondern mittel- bis dunkelgrün und mit einem leichten Blaustich. Die gesamte Pflanze ist kurz behaart.

ein Rocoto-Gebüsch auf meinem Balkon

Habitus einer Rocoto-Pflanze.

by Michael Becker, 5/2000. Letzte Änderung: 5/2000.