Homepage     Computerstoff

Die Lieblings-Thesen der Web-Superdesigner

und warum ich mich nicht dran halte

Diese Polemik stammt von 1/1999. Viele Sachen sieht man inzwischen ganz anders. Ich habe den Text aber trotzdem online gelassen.


These: Web-Seiten sollten klein sein. "Bei Sites mit 'normalem Publikum' sollte man pro Seite (Text und Grafik) 35KByte als absolutes Maximum ansehen." (c't 2/99) In anderen style-guides habe ich sogar eine Obergrenze von 32KByte gefunden.

Kommentar: Interessanterweise überschreiten gerade "professionell designte" Web-Seiten diese 35-KByte-Grenze oft ganz erheblich.

Ich selber bin nicht der Meinung, daß man unter allen Umständen versuchen sollte, seine Seiten klein zu halten. IMHO kommt es darauf an, daß das Verhältnis zwischen Seiten-Größe und Informationsgehalt stimmt. Für gute Informationen, oder auch großes Vergnügen, bin ich durchaus bereit, das Laden mehrerer Hundert KByte abzuwarten.

Gerade die Designer von professionellen Seiten scheinen sich aber gerne in der Zusammenstellung grafischen Firlefanzes zu üben: Die Begrüßungsseiten vieler Unternehmen enthalten außer einem ca. 2KByte großen Begrüßungstext und 5 oder 6 links (Produkte, Kontakt usw.) keine weiteren Infos. Dafür gibt's dann noch das Firmenlogo und 10 weitere Grafiken (Hintergründe, Buttons, Leisten, eyecatcher etc.) mit einem Gesamtvolumen von was weiß ich.


These: Seiten sollten so klein sein, daß sie auf eine Bildschirmseite passen. Untersuchungen haben ergeben, daß nur 10% der Benutzer die Scrollleiste benutzen. Bei längeren Seiten sollten man interne links einbauen, die dem Benutzer das Navigieren innerhalb der Seite erlauben. Z.B. sind links auf den Anfang der Seite sinnvoll.

Kommentar: Ich weiß nicht, wer festgestellt haben will, daß 90% der Benutzer die Scrollleiste nicht benutzen. Ich benutze sie jedenfalls ständig. Die Top- und Bottom-Buttons vermeide ich normalerweise, um ständiges Nachladen zu verhindern, falls die Seite noch nicht vollständig geladen ist. Wenn wirklich 90% der Besucher die Scrollleiste nicht benutzen, liegt dies vermutlich daran, daß 90% der Besucher die Seite uninteressant finden.

Links zum Anfang oder zum Ende der Seite können sich die Designer von mir aus sparen. Dagegen habe ich allerdings auch nichts. Ich werde trotzdem die Scrollleiste benutzen, da ich mit ihr eine viel bessere Kontrolle darüber habe, was passiert.


These: Text mit langen Zeilen ist schwer zu lesen. Folglich sollte man Zeilen, die über die gesamte Browser-Breite laufen, vermeiden. Eine weitverbreitete Lösung dieses Problems ist es, zwei Frames zu machen - links am Bildrand einen mit einem Inhaltsverzeichnis, und rechts davon denjenigen, in dem der Inhalt angezeigt wird.

Kommentar: An der Frage nach der Breite von Zeilen scheiden sich ein wenig die Geister. Puristen sagen, daß der Benutzer, wenn ihm die Zeilen zu lang sind, ja das Browserfenster kleiner machen kann. "Progressivere Webdesigner" befürworten dagegen angeblich schmalere Textspalten.

Mir selber ist das relativ egal. Was ich nicht mag, sind Texte, für die ich horizontal scrollen muß. Die Lösung mit den zwei Frames finde ich akzeptabel, aber mehr auch nicht. Über die Vor- und Nachteile von Frames ist ja schon viel geschrieben worden. Mich selber stört vor allem, daß man, wenn Frames im Spiel sind, die Dateien nicht so einfach abspeichern kann, und links nicht so einfach in einem neuen Fenster öffnen kann, sondern zuerst immer "open frame in new window" anwählen muß.


These: Größere Texte sind anstrengend für die Augen des Besuchers. Man sollte sie deshalb durch Grafiken auflockern.

Kommentar: Schwachsinn! Dann wären ja nur Bilderbücher Bestseller. Das oben gesagte gilt vermutlich nur für Leute, die 1. legasthenisch veranlagt sind, und 2. eigentlich nichts besonderes wollen, sondern nur so zum Spaß ein bißchen herumsurfen.


These: Man sollte bei Bildern stets Anti-Aliasing benutzen.

Kommentar: Solche Bilder sehen dann besser aus, das gebe ich zu. Man sollte sich aber überlegen, ob sie so viel besser aussehen, daß es sich dafür lohnt, ein Schwarz-Weiß-Bild in ein Graustufen-Bild umzuwandeln und damit seine Größe zu verzehnfachen.


These: "Sorry - this page is under construction". Solche Seiten mit dem berühmten Baustellenschild sorgen nur für Frust und sind ein Zeichen dafür, daß der Besitzer der Homepage mit der Erstellung derselben überfordert ist.

Kommentar: Mich haben die Baustellenschilder nie sehr gestört. Bei privaten Homepages finde ich das durchaus verzeihlich. Vermutlich hat jeder angefangene, aber nie vollendete Projekte auf seiner Festplatte liegen. Zwar ist es unfein, diese ins Netz zu geben, aber was soll's? Die "under construction"-Seiten brauchen zwei Sekunden, um geladen zu werden.


These: Statt "Klicken Sie hier, um auf meine Homepage zu kommen", sollte man einfach sagen: "meine Homepage".

Kommentar: Das soll doch jeder machen, wie er will. Mir ist keine der beiden Möglichkeiten je negativ aufgefallen.

Ein Argument, das man manchmal gegen das "click here!" hört, ist, daß Leute, die keine Maus benutzen, ja nicht klicken würden. Aber auch diese Leute werden wohl wissen, was gemeint ist. Und das ist alles, worauf es ankommt.

Ebenso liest man manchmal, daß das Wörtchen "hier" keinen Informationsgehalt hat, und ein Surfer, um zu wissen, wohin der Link führt, erst den umgebenden Text lesen muß. Tja, das Leben ist manchmal wirklich hart.


Homepage     Computerstoff by Michael Becker, 1/1999. Letzte Änderung 2/1999