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Ein Plädoyer für private Homepages


Begriffsdefinitionen in diesem Text

Bevor ich sage, warum private Homepages wichtig für das Internet sind, muß ich erklären, was ich unter "privaten" und "kommerziellen" Homepages verstehe.

Unter einer "privaten Homepage" verstehe ich eine Homepage, die von einer Person oder eine Gruppe von Personen in ihrer Freizeit und unentgeltlich erstellt wurden, und zwar nicht in der Absicht, Geld damit zu verdienen. Außer den Seiten von Privatpersonen zählen hierzu also auch viele Homepages von Vereinen, Fan-Clubs usw..

Unter einer "kommerziellen Homepage" verstehe ich eine Homepage, die von einem Unternehmen oder im Auftrag eines Unternehmens erstellt wurde. Auf die vermutlichen Gründe, warum Unternehmen die mehr oder weniger kostenintensive Erstellung und Wartung von solchen Seiten auf sich nehmen, werde ich unten kurz eingehen.

Abgesehen von diesen beiden hier gegensätzlich dargestellten Typen von Seiten gibt es natürlich auch noch andere, beispielsweise die teilweise recht großen Seiten von non-profit-Organisationen oder von Universitäten. Diese werden im folgenden Text nicht behandelt. Obwohl sie meiner Meinung nach einen großen und wichtigen Teil des Internets ausmachen, halte ich dies nicht für nötig, da sie bei vielem im folgenden Gesagten irgendwo in der Mitte zwischen privaten und kommerziellen Homepages stehen, manchmal mehr bei den einen, manchmal mehr bei den anderen, je nach Ausprägung der Organisation.


Ziele von kommerziellen Seiten

Was bringt Unternehmen, die ja letztendlich nur existieren können, wenn sie finanziellen Gewinn machen, dazu, Seiten ins Netz zu stellen?

Zum einen wäre da natürlich die Möglichkeit, Umsatz zu machen oder Service zu betreiben. Zu dieser Art von Seiten kann man beispielsweise Updates und Patches für Software, Wegbeschreibungen und Buchungsmöglichkeiten von Hotels, Produktbeschreibungen, aber auch z.B. Bannerwerbung zählen.

Abgesehen davon gibt es aber auch Unternehmen, die Informationsangebote, welche für alle Internetbenutzer frei verfügbar sind, ins Netz stellen, und die unmittelbar nichts mit den eigenen Produkten zu tun haben. Beispielsweise könnte eine Firma, die Gartengeräte herstellt, eine Datenbank mit Pflegetips zu Gartenpflanzen oder ähnlichem ins Netz stellen, eine Softwarefirma könnte Einführungen zu speziellen Computerthemen oder die allseits beliebten Tips und Tricks zu Windows.xx anbieten. Nachrichtenmagazine und Zeitungen beispielsweise sind häufig mit aktuellen Meldungen und Hintergrundberichten vertreten.

Durch solche Angebote werden Besucher auf die Seite geholt, und wenn ihnen das Angebot gefällt, behalten sie vielleicht den Namen der Firma im Kopf und das Unternehmen bekommt Sympathiepunkte. Im Grunde genommen handelt es sich also um eine Art indirekte Werbung. Das klingt negativ, ist aber durchaus nicht so gemeint, schließlich hat der Besucher der Seite von ihr einen Nutzen, ohne dafür eine Gegenleistung bringen zu müssen.


Typische Themen von privaten und kommerziellen Seiten

Der große Unterschied zwischen privaten Homepages und kommerziellen ist, daß sich erstere nicht rechnen müssen. Zwar freut sich der Autor über eine große Anzahl von Besuchern, im Grunde genommen ist diese jedoch völlig irrelevant. Für kommerzielle Seiten dagegen besteht ein Zwang, genügend Besucher anzulocken.

Aus diesem Grund gibt es für private Homepages die Möglichkeit, auch sehr spezielle Themengebiete mit nur wenigen potentiellen Interessenten darzustellen. Typischerweise sind dies mehr oder weniger ausgefallene Hobbys, Fan-Seiten, spezialisierte Link-Listen und ähnliches.

Andererseits haben Privatleute das Problem, daß sie keine sehr wartungsintensiven Seiten erstellen können und über längere Zeit am Laufen halten können, da dies eine Vollzeitbeschäftigung wäre.

Kommerzielle Anbieter dagegen müssen Themen von mehr oder weniger allgemeinem Interesse ins Netz stellen, und haben u.U. die Möglichkeit, diese besser zu warten. Typische Themen sind deshalb beispielsweise die bereits oben erwähnten aktuellen Meldungen aus diversen Themenbereichen, Hintergrundberichte und Essays, Börsenkurse, Computer-Tips, Kochrezepte, Berichte über die neuesten Modetrends und ähnliches.

Natürlich gibt es, was die Themengebiete angeht, viele Überschneidungen. Ich werde noch darauf zurückkommen.


Private Homepages sind das Charakteristikum des Internets

Das Internet ist (soweit mir bekannt) das einzige Medium, in welchem Privatleute in größerem Umfang die Möglichkeit haben, sich und ihre Interessengebiete vorzustellen. Hat man also sehr spezielle Fragen oder Interessen, so findet man im Internet dazu eher Informationen oder Gleichgesinnte, als anderswo. Und zwar findet man solche speziellen Sachen eher auf privaten Seiten.

Würden diese fehlen, würden im Internet im wesentlichen dieselben Informationen zu finden sein, die es auch in Zeitschriften, Zeitungen und anderen "traditionellen" Medien gibt. Es bestände nur für wenige Leute eine Veranlassung, Zeit und Geld für eine Recherche im Internet aufzuwenden. Gerade die Existenz von Informationen zu speziellen Gebieten unterscheidet das Internet von anderen Medien.

Auf diese Weise sorgen private Homepages dafür, daß es überhaupt eine gewisse nicht kleine Anzahl von Benutzern gibt, aus denen sich auch die Besucher von kommerziellen Seiten rekrutieren. Natürlich gibt es auch viele Leute, die überhaupt keine besonderen Interessen haben, aber das sind dann auch häufig die, die eben keine Internetbenutzer sind.


Private Homepages sorgen für Konkurrenz

Wie schon erwähnt, gibt es zwischen den Themenbereichen von privaten und kommerziellen Seiten Überschneidungen. Anleitungen für den Betrieb von Computern oder für die Pflege von Zimmerpflanzen können sowohl von Unternehmen wie Privatpersonen ins Netz gestellt werden. Da auch Privatpersonen in der Regel versuchen, ihre Seiten informativ und ansprechend zu gestalten, konkurrieren solche themenverwandten Seiten um Besucher.

Unternehmen, die sich einer solchen Konkurrenzsituation ausgesetzt sehen, müssen also versuchen, die Qualität ihrer Seiten und den Nutzen für den Besucher hoch zu halten. Und sie werden gezwungen, ihr Informationsangebot kostenlos zu halten. (Selbstverständlich wird dasselbe auch durch die Konkurrenz zwischen mehreren kommerziellen Seiten erreicht.)


Homepage     Computerstoff by Michael Becker, 5/2001. Letzte Änderung: 5/2001.