Gefährdungsfaktoren für die Zauneidechse

Natürliche Feinde, Schwanzautotomie

Natürliche Feinde der Zauneidechsen (wie auch der anderen Eidechsen) gibt es viele. Es sind im wesentlichen alle Raubtiere geeigneter Größe. In Mitteleuropa z.B. Fuchs, Wiesel, Hermelin, Bussard, Turmfalke und andere Greifvogelarten. Oft wird die Glattnatter (Coronella austriaca), ein mehr oder weniger spezialisierter Eidechsenfresser, als Hauptfeind angeben, doch scheint wegen deren Seltenheit zweifelhaft, daß ihr mehr Zauneidechsen zum Opfer fallen als anderen Räubern.

Als Raubtiere kommen in Siedlungsgebieten noch Hunde und Katzen dazu. Speziell Katzen können Kleinpopulationen in Gartengebieten vollständig auslöschen.

Bei einem Angriff durch ein Raubtier können die Eidechsen ihren Schwanz abwerfen. Vom 6. Wirbel an hat jeder Schwanzwirbel eine vorgebildete Bruchstelle. Im Binde- und Muskelgewebe gibt es ebenfalls eingebaute Schwachstellen. Durch ein relativ autonomes Nervensystem schlängelt sich der abgeworfene Schwanz oft heftig und wird daher als Beute ergriffen.

Der Schwanz wächst mehr oder weniger gut wieder nach. Hat der nachgewachsene Schwanz die Länge des ursprünglichen erreicht, so kann man ihn häufig nicht mehr von einem solchen unterscheiden. Beim nachgewachsenen Schwanz ist das Stützelement allerdings lediglich ein ungegliederter Knorpelstab. Diese Fähigkeit, den Schwanz abzuwerfen, nennt man (Schwanz-)Autotomie.

Der Mensch

Die Zauneidechse braucht offene, wenig bewirtschaftete Flächen wie z.B. aufgelassene Felder, Lichtungen oder Feuerschneisen in Wäldern, Ruderalstellen etc.. Solche Habitate hat der Mensch bis vor einigen Jahrzehnten noch in großem Maßstab erzeugt. Dies hat sich jedoch inzwischen stark geändert: Felder werden entweder intensiv bewirtschaftet, oder man läßt sie verbuschen oder forstet sie auf. Auch Rodungen werden sofort wieder dicht aufgeforstet. Ruderalstellen in Städten werden entweder bebaut, oder zu parkähnlichen Anlagen mit hohem Vegetationsdeckungsgrad umgebaut. Steigender Ausflugsverkehr in die von Zauneidechsen bewohnten Gebiete kann zur Schrumpfung der Populationen führen, insbesondere, wenn es sich dabei um instabile Lebensräume wie Sanddünen oder Heide handelt.

Dies hat dazu geführt, daß die Zauneidechse an der atlantischen Grenze ihres Verbreitungsgebietes (England, Holland, Norddeutschland) inzwischen als gefährdet gelten kann. Speziell in England gibt es durch die Fragmentierung geeigneter Lebensräume inzwischen nur noch einzelne und isolierte Populationen, deren Überleben zweifelhaft erscheint. In England gehört die Zauneidechse (wie auch in Deutschland?) zu den geschützten Arten. Das Töten, Verletzen oder Fangen ist ohne behördliche Genehmigung ebenso verboten, wie der Handel mit oder der Besitz von Zauneidechsen

In Deutschland findet die Zauneidechse jedoch immer noch genügend Lebensräume. Insbesondere Bahndämme eignen sich nach wie vor sehr gut. Die von der Bahn gespritzten Herbizide scheinen den Eidechsen, soweit beobachtet, nicht zu schaden.

by Michael Becker, 7/1998. Letzte Änderung: 3/2001.