Verbreitung und Lebensraum der Zauneidechse

Geographische Verbreitung

Hinter der Waldeidechse (Lacerta vivipara Jacquin), die aus namensgebenden Gründen viel weiter in den Norden vordringt, besiedelt die Zauneidechse von den Echten Eidechsen, also in der Familie Lacertidae, das größte Areal.

Im Westen endet das Areal in Südengland und in Frankreich, wo es allerdings nicht bis an die Atlantikküste heranreicht. Eine isolierte Population gibt es den Hochlagen der Pyrenäen. Im Norden erstreckt sich das Areal bis nach Südschweden, wo es sporadische Populationen gibt. Die Nordseeinseln sind teilweise bewohnt, teilweise aber auch nicht. Sie Südgrenze in Mitteleuropa bilden die Alpen, wo die Zauneidechse bis nach Südkärnten vorgedrungen ist. In Italien wurde sich dagegen bislang nicht nachgewiesen.

Weiter erstreckt sich das Verbreitungsgebiet dann in die Gebirge des ehemaligen Jugoslawiens bis nach Makedonien. Es reicht allerdings nirgendwo an die Adriaküste heran. In Albanien wurde die Zauneidechse in der letzten Zeit nicht nachgewiesen, dafür aber in Griechenland. Im europäischen Teil der Türkei wiederum nicht.

Das Territorium erstreckt sich dann sehr weit nach Osten. Der ganze europäische Teil der ehemaligen SSR gehört dazu. Die Nordgrenze verläuft zwischen 60° und 62° nördlicher Breite. Der nördlichste Punkt wird bei St.Petersburg erreicht. Im Süden ist die Zauneidechse praktisch überall an der Nordküste des Schwarzen Meeres (Ausnahme: Südküste der Krim) anzutreffen. Im Kaukasus gibt es mehrere isolierte Populationen. Dort erreicht sie nocheinmal von Osten her die Türkei. Nach Osten erstreckt sich das Areal dann bis zum Baikal-See, wobei vermutlich auch der Nordwesten Chinas erreicht wird.

Dieses Territorium teilen sich die 9 Unterarten auf. An den Grenzen der Verbreitungsgebiete der Unterarten kommt es manchmal zu Mischpopulationen.

Verbreitung der Unterarten von Lacerta agilis

ssp. agilis ssp. argus ssp. bosnica ssp. chersonensis  
ssp. exigua ssp. grusinica ssp. boemica ssp. brevicaudata ssp. iorensis

Von den neun Unterarten kommen also alleine vier ausschließlich im Kaukasus vor.

Lebensräume

Wie das Verbreitungsgebiet schon sehr deutlich zeigt, braucht die Zauneidechse ein gemäßigtes kontinentales Klima. In eher atlantisch geprägtem Klima reagiert sie empfindlicher auf Umweltschwankungen, so daß sich z.B. in England anthropogene Veränderungen ihres Lebensraums verheerend auswirken, während sie andernorts ein typischer Kulturfolger ist.

Die Zauneidechse ist ein Waldsteppenbewohner. Je nach Sonnenexposition und geographischer Breite muß der Boden eine mehr oder weniger dichte Krautschicht aufweisen. Nötig sind in jedem Fall vereinzelt stehende Bäume oder Buschwerk und Strukturelemente wie Steine, Baumstümpfe etc. auf denen sich die Echsen sonnen können. Dies ist der Grund, weshalb die Zauneidechse in echten Steppen nicht mehr vorkommt. Sie bevorzugt im Allgemeinen festen, lehmigen oder steinigen Boden.

In den Randzonen ihres Verbreitungsgebietes bevorzugt sie andere Lebensräume. Im Süden meidet sie das Tiefland und kommt nur in den Bergen vor. Im mehr atlantisch geprägten Westen (England und Westfrankreich) bewohnt sie fast ausschließlich leicht erwärmbare, sandige Böden auf Dünen und in Heiden. Daher hat sie auch ihren englischen Namen "sand lizard", ebenso den holländischen ("Zandhagedis") und den schwedischen ("Sandödla").

In West- und Mitteleuropa war die Zauneidechse ein Kulturfolger: Durch ausgedehnte Rodungen, durch den Bau von Straßen, Dämmen oder Eisenbahnlinien, in aufgelassenen Kiesgruben oder Steinbrüchen wurden ihr immer weitere Lebensräume eröffnet. Heutzutage haben die Populationen vermutlich wegen einer zu starken anthropogenen Überformung dieser Lebensräume jedoch aufgehört zu wachsen oder werden sogar wieder kleiner.

Da Westeuropa, wie die Verbreitungskarte zeigt, nicht sommerwarm genug ist, kommt die Zauneidechse hier hauptsächlich an sonnenexponierten Hängen vor. Große Populationen gibt es z.B. entlang des gesamten Rheintals.

Winterquartier

Einen großen Teil des Jahres (5-7 Monate) verbringen die Zauneidechsen in einem Winterquartier. Wieviel Zeit sie dort verbringen, hängt vom Klima ihres Lebensraumes ab. In Mitteleuropa dauert die Winterruhe von September/Oktober bis März/April. Während dieser ganzen Zeit tritt so gut wie kein Gewichtsverlust auf.

Wie genau die Winterquartiere in freier Wildbahn beschaffen sind, ist nicht genau bekannt. In Heidegebieten fand man Tiere unter einer ca. 10cm tiefen Spreuschicht. Ansonsten verkriechen sie sich vermutlich unter Steinen und Spreu.

In offenem Gelände scheinen die Tiere dort zu überwintern, wo sie sich auch sommers aufhalten. In waldreicheren Gebieten dagegen mag dies auch anders sein.

Lacerta agilis ssp. argus, Männchen. (bei Magdeburg)

Lacerta agilis ssp. argus, Männchen, (bei Magdeburg).

by Michael Becker, 7/1998. Letzte Änderung: 3/2001.