Studienjahre

Die Ausbildung von adeligen Söhnen erfolgte zu dieser Zeit hauptsächlich an geistlichen Dom- und Stiftsschulen. Hier bekamen die Schüler auch finanzielle Zuwendungen ähnlich den heutigen Stipendien, nämlich die "Pfründen". Die Pfründen konnten sie ihr Leben lang behalten, sofern sie einen geistlichen Beruf wählten, ansonsten konnten sie immer noch auf sie verzichten. Am Würzburger Dom gab es z.B. 54 solcher Pfründen. Aus 20 dieser wurden die Mitglieder des Domkapitels, die Domherren, bezahlt, die restlichen waren geringer und für die sog. "Domschüler" gedacht. Da freigewordene Pfründen reihum von den Domherren weiterverteilt wurden, war es gang und gebe, mit ihnen Verwandte und Bekannte zu versorgen. Im Würzburger Domstift wurden nur Schüler aus adeligen Familien aufgenommen.

Man konnte auch Pfründen von mehreren Schulen beziehen und auf diese Weise Geld anhäufen. Man mußte aber in jedem Fall gewisse Pflichten erfüllen. So bestand z.B. die "Residenzpflicht", die vorschrieb, daß man an demjenigen Ort, an dem man eine Pfründe erhalten wollte, auch zumindest ein oder ein halbes Jahr zubringen mußte. Spätere Ortswechsel durften dann nur mit Genehmigung des zuständigen Domkapitels erfolgen.

Peter Echter verschaffte seinem Sohn Julius im Oktober 1554 zunächst eine Pfründe am Kollegialstift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, wohin Julius einen Monat später übersiedelte. Einige Monate später gelang es ihm, für seinen Sohn auch eine Pfründe am Domstift in Würzburg zu bekommen. Julius ging wegen der Residenzpflicht erst im Dezember 1557 nach Würzburg.

Im Oktober 1558 bekam Julius Echter auch eine Pfründe am Erzstift in Mainz. Bis er allerdings die Genehmigung erhielt, Würzburg zu verlassen, war es Mai 1559. Bei allen weiteren Ortswechseln kontaktierte Julius Echter immer wieder den Würzburger Domstift und mußte die Genehmigungen, die übrigens nicht garantiert waren, abwarten.

Unklarheiten gibt es darüber, ob und wie lange Julius in Köln war. In Mainz und Köln hatten die Jesuiten Schulen eingerichtet, die der Gegenreformation dienen sollten, und die bald regen Zulauf bekamen. Julius und sein älterer Bruder Adolf scheinen vom Herbst 1559 bis 1561 eine solche Schule besucht zu haben.

Danach hat Julius zusammen mit seinem jüngeren Brüdern an verschiedenen europäischen Orten studiert. Zunächst gingen sie im Sommer 1561 nach Löwen (Belgien), dann im September 1563 an die neu gegründete Universität Duai (Belgien). Belgien und die Niederlande waren damals von Spanien besetzt. In Erwartung der kommenden Kämpfe verließen inzwischen schon viele Leute die Universitäten. Auch die beiden Brüder brachen ihre Studien in Duai vorzeitig ab und gingen nach Paris, von wo sie im April 1566 ihre Zeugnisse nach Würzburg senden.

Auch in Frankreich kündigten sich bereits die Hugenottenunruhen an und Paris war schon kein besonders sicheres Pflaster. Julius und Sebastian siedelten im September 1566 nach Angers (an der Loire) über. Im Herbst 1567 reisten sie dann durch das von den Aufständen durchwütete Frankreich nach Pavia (bei Mailand). Seinen Abschluß machte Julius Echter schließlich in Rom.

Am 15.10.1569 überreichte er dem Domkapitel in Würzburg seine Zeugnisse und wurde als ordentliches Mitglied des Domkapitels aufgenommen.

Die Auswahl der Universitäten durch die beiden Brüder (oder ihren Vater) zeigt zunächst einmal die Angst vor dem Protestantismus - die Universität Löwen galt als Hochburg des Katholizismus. Auch die Universität Duai wurde als "Bollwerk für die katholische Religion" gegründet. Angers galt ebenfalls als "unverdächtig". Weiterhin zeigt die Auswahl, daß die beiden Brüder besonders an Rechtsfragen interessiert waren. Die Universitäten Angers und Pavia galten als gut in weltlichem und geistlichem Recht.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 11/1998.