Wie Julius Echter Bischof wird

Als Julius Echter nach seiner Ausbildung an das Domkapitel in Würzburg kam, war sein Vorgänger Friedrich von Wirsberg Fürstbischof. Dieser hatte wegen der desolaten Situation des Bistums einige vorsichtige Reformen versucht, konnte sich jedoch gegen das Domkapitel nicht durchsetzen. Dieses stoppte die meisten seiner Vorhaben mit Hinweis auf die schlechte finanzielle Situation.

Julius Echter wurde am 22. April 1570 zum Domscholaster gewählt. Der Domscholaster (Domschulmeister) hatte, wie der Name sagt, die Domschulleitung inne und war damit für die geistliche und wissenschaftliche Ausbildung der meist adeligen Domschüler verantwortlich. Echters Vorgänger Egolf von Knöringen hatte dieses Amt niedergelegt.

Bereits im März desselben Jahres war die Stelle des Domdechanten frei geworden. Der Domdechant war der Geschäftsführer des Domkapitels - ein wegen der finanziellen Situation des Bistums und der schlechten Arbeitsmoral der Mitarbeiter offensichtlich keine besonders beliebte Stelle. Der damalige Amtsinhaber Erasmus Neustetter hatte dieses Amt niedergelegt. Zwar wählte das Domkapitel Egolf von Knöringen zu seinem Nachfolger, dieser nahm die Wahl jedoch nicht an. Bei der nächsten Abstimmung im August fiel die Wahl auf Julius Echter. Aber auch dieser wollte die Wahl zunächst nicht annehmen. Als man ihm aber zusagte, daß man ihm das Gehalt ab März nachzahlen würde und daß er 12 Wochen des Jahres in Mainz verbringen dürfe (damit er dort seine Residenzpflicht erfüllen konnte und die Pfründe nicht verlor), erklärte er sich bereit, das Amt für ein Jahr zu übernehmen.

Nach einem Jahr wollte J. Echter wie angekündigt von seinem Amt zurücktreten. Doch das Domkapitel überredete ihn, u.a. auch mit einer Gehaltserhöhung, das Amt weiterhin zu übernehmen. Ein Grund für das Beharren auf diese ganzen Gehaltserhöhungen war sicherlich auch, daß der Domdechant Repräsentationspflichten hatte, die er aus eigener Tasche zahlen mußte. Und da J. Echter noch recht jung war, hätte er auf das Vermögen seiner Familie zurückkommen müssen.

Am 12.11.1573 starb der alte Fürstbischof Friedrich von Wirsberg an einer Krankheit. Am 1.12.1573 wurde der neue Fürstbischof vom Domkapitel gewählt. Man erwartete allgemein, daß ein Mitglied des bayerischen Herrscherhauses zum Nachfolger gewählt werden würde, die Wahl von Julius Echter (mit 11 von 21 Stimmen, wogegen der zweite nur 6 Stimmen erhielt), war offensichtlich eine ziemliche Überraschung. Die meisten Bürger Würzburgs und des Bistums kannten diesen Menschen überhaupt noch nicht, zumal er bisher nicht wie die meisten anderen Mitglieder des Domkapitels, durch irgendwelche Geschichten aufgefallen war.

Der Hauptgrund, warum das Domkapitel ihn gewählt haben dürfte, war sicherlich, daß man ihn als "stillen, feinen Herrn" einschätzte, der seine Pflichten, wie er als Domdechant bewiesen hatte, sorgfältig erfüllte, die Mitglieder des Domkapitels nicht damit behelligte, und von dem keine großen Neuerungen zu erwarten waren. Eine, wie sich später herausstellte, völlige Fehleinschätzung.

Auch die katholische Kirche war höchst zufrieden mit der Wahl Julius Echters, denn er galt als frommer, sittenstrenger und linientreuer Mensch. Man erhoffte sich von ihm eine entschiedene Gegenreformation in seiner Diözese, deren Einwohner bereits zu mehr als zur Hälfte protestantisch waren.

Bereits am 4.12.1573 ließ sich J. Echter von der Bevölkerung Würzburgs huldigen und trat sein Amt an. Den Empfang der Priester- und Bischofsweihe verschob er jedoch zur Enttäuschung der Kirche bis Pfingsten 1575.

Da er wegen der allgemeinen Situation des Bistums in den ersten Jahren seiner Regierung die Gegenreformation nicht in Angriff nehmen konnte, galt er während dieser Zeit auch bei den protestantischen Fürsten als liberal, während die katholische Kirche ihn zur Erfüllung seiner Versprechen ermahnte.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 11/1998.