Die Reformation der Verwaltung

Die erste Aufgabe, die Julius Echter als Fürstbischof offensichtlich anpackte, war, die bereits beschriebenen Mißstände in der eigenen Verwaltung zu beseitigen: Bereits im Jahre 1574 erließ er eine neue Kanzleiordnung.

In einem allgemeinen Teil werden grundsätzliche Aufgaben und Aufbau der Kanzlei beschrieben. In einem speziellen Teil wird dann auf die einzelnen Aufgaben der Mitarbeiter eingegangen. J. Echter schrieb darin detailliert fest, wer für was verantwortlich war, zu welchen Zeiten gearbeitet werden mußte (7-10Uhr vormittags und 1-4Uhr nachmittags), wer für welche Akten zuständig war und wer das Recht hatte, bestimmte Akten einzusehen. Auch (aus heutiger Sicht) Selbstverständlichkeiten, wie daß es den Beamten verboten ist, von einer Seite Geschenke anzunehmen, wurden darin festgeschrieben, ebenso wie die Strafen bei Mißachtung.

Weiterhin enthielt die neue Kanzleiordnung einen großen Katalog von Gebühren, die der Staat verlangte (Beispielsweise für die Bearbeitung eines Antrags auf Marktfreiheit). Auch Detailfragen, wie z.B. wer für das Heizen und den Holzvorrat in der Kanzlei, und den Zustand der Türen, Fenster etc. verantwortlich sei, wurden geregelt.

Den grundsätzlichen Aufbau seiner Verwaltung änderte J. Echter dabei nicht. Die detailliert geregelten Verantwortlichkeiten und die Kontrollen, die der Fürstbischof (angeblich oft unangemeldet und persönlich) durchführte, reichten aber aus, ihre Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen.

Der große Detailreichtum seiner Kanzleiordnung, seine persönlichen Kontrollen, ebenso wie die Penibilität einiger seiner Gesetze führten dazu, daß J. Echter bei vielen Leuten als kleinlich galt.

Allein diese Maßnahmen in seiner Verwaltung dürften dazu geführt haben, daß sich die finanzielle Situation des Bistums etwas entspannte. Schon kurze Zeit nach dem Amtsantritt von J. Echter war das Bistum wohl sogar in der Lage, Schulden tilgen zu können, und das obwohl er bereits zu Beginn seiner Amtsführung die Landessteuern für seine Untertanen gesenkt hatte. Die finanzielle Situation blieb indes auf viele Jahre zumindest noch gespannt.

Die alten Mitarbeiter seiner Kanzlei wurden im Laufe der nächste Jahre nach und nach gegen solche eingetauscht, die wie er selber streng katholisch waren. Auf diese Weise konnte er schließlich 1585 seine harte Linie in der Gegenreformation durchsetzen, ohne auch noch auf allzu großen Widerstand in seinem eigenen Haus zu treffen.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 11/1998.