Die Gründung der Universität Würzburg, Grundschulen

Die Vorgeschichte der Gründung

Es hatte in Würzburg schon einmal eine Universität gegeben: Der Fürstbischof Johann von Egloffstein hatte sie im Jahre 1402 eine gegründet. Aufgrund von Querelen innerhalb dieser Universität und der mageren finanziellen Ausstattung ging diese allerdings bald nach dem Tod des Fürstbischofs 1411 und der Ermordung des Rektors 1413 wieder unter.

J. Echters Vorgänger, Friedrich von Wirsberg, hatte bereits im Jahre 1561 eine "Partikularschule" (ähnlich einem Gymnasium) gegründet. Auch dieser fehlte wegen der schlechten finanziellen Situation des Bistums eine finanzielle Absicherung. 1567 konnte sie nur dadurch erhalten werden, daß die Jesuiten sie übernahmen.

Das Fehlen jeglicher Möglichkeit für höhere Studien innerhalb des Bistums selber wurde nicht nur von J. Echter, sondern sicherlich auch schon von seinen Vorgängern aus folgenden Gründen als Manko empfunden: Das Bistum war weder in der Lage, die Pfarrer und anderen Geistlichen, die es benötigte, selber auszubilden, noch seine weltlichen Räte und Beamte. Die Tatsache, daß Studien grundsätzlich auswärts stattfanden, verursachte sowohl dem Bistum wie auch den Eltern der Studenten einige Unkosten. Die Reisen waren zu dieser Zeit außerdem auch nicht ganz ungefährlich. Weiterhin kamen die Studenten an den auswärtigen Unis mit "humanistischem Gedankengut" in Kontakt, und ihr Glauben war dadurch nach Meinung der Bischöfe gefährdet. Und schließlich wird J. Echter auch als Mann beschrieben, der persönlich an Wissenschaft interessiert war oder zumindest freundlich gegenüber dieser eingestellt war.

Die Gründung der Universität

Julius Echter bekam im Frühjahr/Frühsommer 1575 von Papst und Kaiser die erforderlichen Rechte und Freiheiten für den Betrieb einer Universität. (Am 11. Mai 1575, am dem die kaiserlichen Rechte erwirkt wurden, wird heute das Stiftungsfest der Universität gefeiert.) Zunächst fügte er jedoch dem bestehenden Gymnasium nur einige neue Räume und Gebäude hinzu.

Es gab zu dieser Zeit an den Universitäten vier Fakultäten: Theologie, Medizin, Jura und Philosophie. Zunächst arbeiteten in Würzburg nur die theol. und die philo. Fakultät. Auch deren Leitung übernahmen die Jesuiten. Die Studenten entstammten zweier geistlichen Kollege und einem weltlichen Kolleg. Die geistlichen und weltlichen (zahlenden) Studenten waren alle in einem Gebäude, dem "Hof zum kleinen Fresser" untergebracht, welches bald aus allen Nähten platzte.

Der Ausbau der Universität

Portal der Universität Würzburg

Das Portal der Universität Würzburg.

Für seine noch auszubauende neue Universität neue Gebäude und Professoren zu beschaffen stellte sich aus ausgesprochen schwierig heraus, da das Domkapitel dieses Vorhaben konsequent ablehnte. Das Domkapitel weigerte sich, ihm eigene Gebäude zu überlassen, und genehmigte ebensowenig Gelder zum Ankauf von leerstehenden Klöstern oder die Benutzung von Klöstern, die schon im Besitz des Bistums waren. Über die Gründe dieser ablehnenden Haltung kann ich nur spekulieren. In beiden Büchern fand ich, daß das Domkapitel einen wachsenden Einfluß der Jesuiten fürchtete.

Nachdem sich die Verhandlungen zwischen J. Echter und dem Domkapitel jahrelang ergebnislos hinzogen, machte sich der Fürstbischof zunächst an die finanzielle Absicherung seines Projektes: In einem Schreiben vom 30.12.1578 rief er die Klöster seines Bistums zu regelmäßigen finanziellen Beiträgen für seine Gründung auf. Sein Aufruf hatte so guten Erfolg, daß ab diesem Zeitpunkt sein Plan finanziell abgesichert war. Die gute Dotierung der Universitätsstellen trug vermutlich nicht wenig dazu bei, daß die Universität Bestand hatte.

Um die schon jetzt akute Platzfrage zu lösen, plante er ein dem Domkapitel gehörendes Gebäude (den "Hof zum Katzenwicker") umzubauen, scheiterte damit aber abermals am Widerstand des Domkapitel. Immerhin konnte er am 2.1.1582, nachdem bereits einige Studenten an der Universität ihren Abschluß gemacht hatte, die Gründung feiern. (Das Domkapitel überlegte noch während der Feiern, ob es dabei teilnehmen solle, oder dagegen protestieren sollte.)

Im Juni 1582 eröffnete J. Echter dem Domkapitel seine Pläne, ein ganz neues Universitätsgebäude bauen zu lassen. Das Baumaterial lag zu dieser Zeit schon am Platz. Der Bau des Universitätsgebäudes, des neuen Priesterseminars und der Universitätskirche dauerte 9 Jahre.

Im Jahr 1587 wurde der erste Professor für Rechtswissenschaft angestellt, 1589 der erste für Medizin. Die medizinische Fakultät bekam 1593 mit der Berufung des damals berühmten Adrianus Romanus aus Löwen großen Auftrieb.

Die Würzburger Universität als katholische Universität

J. Echter hat seine Universität als katholische Universität konzipiert. Konfessionelle Universitäten waren zu seiner Zeit durchaus üblich. Niemand durfte angestellt werden oder sich immatrikulieren, der nicht vorher das tridentinische Glaubenbekenntnis abgelegt hatte. Für die Studenten war der regelmäßige Besuch der Lehrveranstaltungen vorgeschrieben. Gespräche über theologische Fragen bei Tisch, und der Besuch von Wirtshäusern waren für Studenten ebenso verboten, wie höhere Kredite aufzunehmen. Teilnahme an den Gottesdiensten in der Universitätskirche war Pflicht.

Die theologische und die philosophische Fakultät waren weiterhin stark von den Jesuiten geprägt.

Ansonsten hatte die Universität aber das Recht der Selbstverwaltung, der freien Wahl des Senats und des Rektors, und sogar eine eigene Gerichtsbarkeit. Als erster Rektor wurde - nicht gerade überraschend - J. Echter selber gewählt.

Kollege

Im Laufe der Zeit wurden von J. Echter neben der Universität auch einige Seminare oder Kollege ins Leben gerufen. Darunter waren z.B. ein "Collegium Paperum", welches für Studenten gedacht waren, deren Eltern kein Studium bezahlen konnten. Ebenso gab es später auch das "Adelige Julianum" für die Söhne von Adeligen.

Die Schulen auf dem Land

Zusammen mit den Kirchen und den Pfarrhäusern ließ J. Echter auch dem Land viele (Grund-)Schulen instandsetzen oder neu bauen, und sorgte dafür, daß in diesen auch Unterricht von qualifizierten Lehrern abgehalten wurde. Kleinere Schulen (sog. Winkelschulen), deren Erhalt sich nicht zu lohnen schien, und die sich nicht kontrollieren ließen, schloß er aber.

Es war zu dieser Zeit so, daß die meisten Eltern ihre Kinder nur winters in die Schule schickten, während die Kinder im Sommer bei der Feldarbeit helfen mußten. J. Echter versuchte die Eltern zu ermutigen, ihre Kinder auch im Sommer in die Schule zu schicken.

Die Lehrpläne schrieb er genauestens vor: Jedes Jahr gab das Bistum gedruckte Stoffpläne und Unterrichtsvorschriften heraus. Die Kinder sollten vor allem Lesen und Schreiben und natürlich die "rechte Religion" lernen. Gemeinsames Singen von Kirchenliedern, Beten und Beichtgänge waren ebenfalls vorgeschrieben.

Den Unterricht, den Fleiß ihrer Lehrer, und auch die baulichen Zustände der Schulgebäude ließ er regelmäßig kontrollieren. Die Lehrer rief er dazu auf, Kinder, bei denen sie eine besondere Begabung entdeckt zu haben meinen, zu fördern und die Eltern dazu zu ermutigen, sie nach Würzburg zu schicken.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 1211998.