Die Durchsetzung der Gegenreformation im Bistum

Die Verbesserung des Klerus

Eines der Ziele (oder vielleicht sogar das Ziel) von J. Echter war, sein Bistum, in dem sich viele Orte schon ganz oder fast ganz dem protestantischen Glauben angeschlossen hatten, zur katholischen Kirchen zurückzuholen.

Viele der Pfarreien waren zu dieser Zeit wegen Priestermangel gar nicht mehr besetzt, oder mit Leuten ohne jegliche theologische oder seelsorgerische Ausbildung besetzt. Im Laufe seiner Regierung ließ J. Echter die Geistlichen in seinem Bistum beständig kontrollieren und weiterbilden. Es gab neue Kirchenordnungen usw.. Geistliche, die sich "unwürdig" verhalten hatten oder von ihren Stellen abwesend waren, wurden zu Geld- oder Freiheitsstrafen verurteilt, oder den Jesuiten oder Franziskanern zu Besserung überwiesen.

Überhaupt fand er bei seinen Bemühungen, den Klerus zu seiner eigentlichen Aufgabe zurückzuführen, große Unterstützung bei den Jesuiten. Oft wurden in protestantische Dörfer, in denen es keinen katholischen Priester mehr gab, Jesuitenmönche geschickt, die sich dort bemühen sollten, die Menschen zu katholischen Glauben zurückzuführen.

Auch das klösterliche Leben wurde von ihm neu geordnet.

Die Diözesanvisitation 1585

Seiner Auffassung vom Augsburger Religionsfrieden nach hatte J. Echter das Recht, die Religion seiner Untertanen zu bestimmen. Leute, die seine Religion nicht annehmen wollten, konnten auswandern.

Im Jahre 1585 fing J. Echter an, dieses Recht mit großer Härte durchzusetzen: An protestantische Prediger und Lehrer erging der Befehl, das Land zu verlassen, was 120 auch machten. Auch an alle anderen Untertanen erging der Befehl, die katholische Religion anzunehmen, oder das Land zu verlassen. Zu Ostern 1585 brach der Fürstbischof zu einer sog. "Diözesanvisitation" auf. Obwohl zu dieser Zeit die Pest in Unterfranken wütete, besuchte er persönlich alle größeren Orte und kontrollierte dort die Einhaltung seiner Befehle.

In einer Chronik der Stadt Gerolzhofen heißt es z.B.:

...demnach ist Fürst und Herr Julius mit einem ansehnlichen Gefolge, etlichen aus dem Kapitel, geistlichen und weltlichen Räten in ziemlicher Zahl am Donnerstag Nachmittag den 27. Februar Anno 1586 allhie nach Gerolzhofen angekommen. Julius eröffnete dem Stadtrat, warum er gekommen; die protestantischen Mitglieder des Rates baten ihn, sie bei ihrer Religion zu belassen; denn sie hätten sie von Jugend an schon geübt. Aber der Fürstbischof erklärte, er wolle Einigkeit in der Religion und keine Zersplitterung haben; sie sollten sich äußern, ob sie wieder der katholischen Religion angehören wollten oder nicht. In gleicher Weise sprach Julius auch zur Bürgerschaft und zu jedem insbesondere. Als aber etliche vom Rat und der Bürgerschaft rundweg dem Fürsten erklärten, daß sie bei ihrer lutherischen Konfession beharren wollten, da ordnete Julius eine Ratssitzung auf 1. März an; dort wurden durch drei fürstbischöfliche Räte die Abgefallenen nicht allein von ihrem Ratsstand abgesetzt, sondern auch ihr Gut zu verkaufen und wegzuziehen geheißen. Dies Los traf den gewesenen Oberbürgermeister Caspar Lösch, den Unterbürgermeister Hans Riehl und die zwei Ratsherrn Michael Görber und Johann Eichelmann, außerdem noch 71 Bürger, welche ein Vermögen von wenigsten 100000 Gulden mit sich nehmend, größtenteils nach Schweinfurt zogen. Nach dem schleunigen Abzug der Ausgewiesenen vollzog der Stadtrat am 5. März 1586 die vom Bischofe anbefohlene Neubesetzung der sämtlichen übrigen Stadtämter.

Das typische Vorgehen kann man hier gut erkennen: Der Fürstbischof prüft durch Befragung den Glauben seiner Untertanen. In Würzburg sprach er deshalb mit mehreren Hundert Bürgern unter vier Augen. Diejenigen, die sich auch nach diesem Einzelgespräch zur protestantischen Glauben bekannten, mußten das Land verlassen. Sie bekamen ein kurze Zeit, ihr Haus und Grundstück zu verkaufen. Diese Frist schwankte wohl je nach der Hartnäckigkeit, mit der die Leute ihren Glauben verteidigten zwischen 2 Tagen und mehreren Wochen. Von dem Erlös des Verkaufs mußten sie einen bestimmten Teil an das Bistum abgeben. Es gibt zwei Angaben über die Höhe dieser "Nachsteuer". Die einen behaupten, sie habe 2% betragen, die anderen sagen, daß ein Drittel abgegeben werden mußte.

Dieses Vorgehen rief natürlich den Protest der protestantischen Reichsfürsten auf den Plan. Dieser jedoch blieb ohne Wirkung. Ein militärisches Eingreifen wurde von Echter und seinem Domkapitel zwar befürchtet (und vermutlich von den Fürsten auch erwogen), war aber wegen dem zu dieser Zeit noch bestehenden Landsberger Bundes offensichtlich zu riskant.

Julius Echter wußte natürlich, daß die meisten Menschen in den Dörfern die katholische Religion nur aus Furcht vor Strafe, und nicht aus Überzeugung, angenommen hatten. Aus diesem Grund waren auch die Predigten (zwangsweise) gut besucht, aber kaum einer ging zur Kommunion (hierzu durften die Leute wohl nicht gezwungen werden).

Um diesen Zustand zu ändern, schickte J. Echter Seelsorger in die Gemeinden, die sich um deren Belange kümmern sollten. Gleichzeitig ließ er neue Kirchen bauen oder alte restaurieren. (In seinem Bistum sind mehr als 300 Kirchen von ihm neu errichtet oder stark umgebaut wurden.) Leute, die dieses Vorhaben zu hindern versuchten, ließ er bestrafen. Regelmäßig ließ er sich detaillierte Berichte zur Lage in den Dörfern schicken.

Als typisch kann vermutlich die Situation in Hendungen gelten, welches erst seit 1586 zum Hochstift gehörte: Am 27.7.1588 hielt der lutherische Prediger seine Abschiedspredigt, und ein katholischer Priester wurde eingesetzt. Dessen Predigten, die anfangs kaum besucht waren, füllten sich zwar nach und nach, aber in die hl. Messen gingen die Leute nicht. Auch an der Kommunion nahm selbst Ostern 1589 nur das Lehrer-Ehepaar teil.

I.J. 1590 kommunizierten neun Personen; die übrigen besuchten keine Messe, sangen lutherische Lieder bei ihrem Gottesdienste und stellten sich trotzig und ungehorsam gegen den Pfarrer; besonders taten sich durch offenen Widerstand gegen die bischöflichen Anordnungen und durch stete Aufreizung der übrigen Ortsleute Peter Müller und Michael Döhler hervor. Zu diesen gesellte sich Wolf Kob, der sich unter anderem herausnahm, den wieder eingeführten Flurritt öffentlich zu tadeln, die Flurreiter arg zu schmähen, sie Hudellumpen und Narren zu schelten; er wollte dieselben sogar am Besuche der Kirche hindern. Da glaubte Julius Ernst anwenden und die offenen Widersacher zur geeigneten Strafe ziehen lassen zu müssen. Dies hatte den besten Erfolg. Im Jahre 1591 stellten sich schon 106 zur hl. Kommunion ein, und i.J. 1592 konnte der Dechant des Landkapitels Mellrichstadt berichten, daß alle Einwohner Hendungens katholisch seien, mit einer einzigen Ausnahme des Valentin Kraus, der auf einem Freihof des Bernhard v. Bibra sitze, und daß alle, selbst die Knechte und Mägde, kommuniziert hätten. Endlich i.J. 1600 trat auch Velentin Kraus zur Kirche zurück.

Der Versuch Julius Echters, die katholische Religion in den Überzeugungen seiner Untertanen zu verankern, scheint durchaus gewissen Erfolg gehabt zu haben, denn während der schwedischen Besatzung Unterfrankens während des 30jährigen Krieges, der bald nach dem Tode Echters über das Land hereinbrach, traten die meisten Leute nicht wieder zum protestantischen Glauben über, sondern blieben beim katholischen.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 11/1998.