Die Gründung des Juliusspitals

Schon als Domdechant hatte sich Julius Echter beim Domkapitel über den schlechten Zustand der Krankenhäuser beklagt, und über die Tatsache, daß man sich um ärmere Kranke überhaupt nicht kümmerte, so daß sie auf der Straße sterben mußten. Tatsächlich ließ er dann als Bischof ein wenig außerhalb der Stadtmauern bereits 1576 den Grundstein für ein neues, großes Spital legen. Über die Finanzierung des Baues weiß ich nichts.

Das Domkapitel sprach sich übrigens genau wie bei der Universität gegen den Bau eines solchen Spitals aus. Als Gründe wurden außer den Finanzen z.B. angeführt, daß ein solch großes Gebäude außerhalb der Stadt bei einer Belagerung den Feinden als Stützpunkt dienen könne. Außerdem sei wohl die halbe Stadt nicht groß genug, um alle "gemeinen Bettler" aufzunehmen.

Dennoch wurde weitergebaut: Der Stiftungsbrief stammt vom 12.3.1579. Im Juli 1580 konnte die Hospitalskirche St. Kilian eingeweiht werden. Das Hospital war mit allem notwendigen wie Brunnen, Bäckerei, Mühle, Gärten usw. ausgestattet. Dem Krankenhaus angegliedert war außerdem ein Heim für waise Kinder.

Die Arbeit des Spitals wurde von J. Echter wieder einmal genauestens geregelt. Aufnahme sollten alle (und nur) diejenigen finden, die sich anderswo keine Behandlung leisten konnten, sofern noch Plätze im Spital frei waren. Es waren Ärzte angestellt, die die Patienten medizinisch behandeln sollten. In späteren Jahren arbeiteten die medizinische Fakultät der Universität und das Juliusspital zusammen. Pro Tag waren zwei Visitationen vorgeschrieben. Personal hatte die Aufgabe, die Kranken mit Essen zu versorgen und täglich die Zimmer sauberzumachen. Außerdem gab es für das "geistliche Wohl" der Patienten Seelsorger.

Die Waisen wurden von Pflegemüttern betreut und erzogen. Sie sollten so lange bleiben dürfen, bis sie alt genug waren, eine Arbeit anzufangen oder ins Klosterleben einzutreten, maximal aber 10 Jahre.

Auch das Juliusspital war als strikt katholische Anstalt konzipiert. Patienten z.B., die in der Lage waren, den Krankenhausgottesdienst in der Hospitalkirche zu besuchen, dies aber wiederholt und trotz Ermahnung unterließen, riskierten, hinausgeworfen zu werden.

Kleinere Spitäler

Auch in Arnstein, Dettelbach, Ebern, Gerolzhofen, Haßfurt, Heidingsfeld, Iphofen, Karlstadt, Königshofen, Mellrichstadt, Münnerstadt, Neustadt, Röttingen und Volkach ließ J. Echter Spitäler einrichten, deren Statuten wortwörtlich oder zumindest im wesentlichen mit denen des Juliusspitals in Würzburg übereinstimmten.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 11/1998.