Julius Echter als Gesetzgeber

Wie sich schon während seiner Studienreisen angedeutet hatte, war Julius Echter interessiert an und gebildet in juristischen Fragen. So ist es nicht verwunderlich, daß große Teile der Gesetze seines Landes reformierte, oder neue Gesetze schuf. Ich kann hier unmöglich alle diese Gesetze aufführen. Folgendes ist eine rein willkürliche Auswahl:

Prozeßordnungen
Auch zu J. Echters Zeit gab es schon verschiedene Gerichte, die für verschiedene Sachen zuständig waren, wie Landgericht, Stadtgericht, Hofgericht, Geistliches Gericht usw.. Praktisch alle diese Gerichte bekamen durch J. Echter eine neue Gerichtsordnung. Die wichtige Landgerichtsordnung trat allerdings erst 1618 nach seinem Tode in Kraft. Die Gerichtsordnungen regeln, welche Gerichte für was zuständig sind, und nach welchen Regeln Prozesse abzulaufen haben.
Waldordnung (1574)
In diesen bald nach seinem Amtsantritt erlassenen Verordnungen schreibt er eine Waldwirtschaft vor, die man heute als nachhaltig beschreiben würde. Das starke Bevölkerungswachstum in den Jahrzehnten davor, die Waldweidewirtschaft, die eine Regeneration des Waldes verhinderte, und das verstärkte Brenn- oder Bauholzschlagen hatten bereits dazu geführt, daß die Wälder in der Nähe vieler Ortschaften völlig verödet waren. Die Waldordnung regelt die Nutzung der Wälder, schreibt vor, wer für die Überwachung der Einhaltung verantwortlich ist usw.. Der Zustand der Wälder verbesserte sich aufgrund dieser Verordnung in den nächsten Jahrzehnten stark. Dies war mit ein Grund, warum der Aufbau nach dem 30jährigen Krieg in Unterfranken recht zügig vonstatten ging.
Feuerordnung (1584)
Die Verordnung regelt das Verhalten im Brandfall. Wenn zu dieser Zeit in einem Ort ein Feuer ausbrach, war die einzige Chance, die man hatte, daß alle Bewohner des Dorfes mithalfen, Eimer mit Wasser zu tragen etc.. Die Feuerordnung regelt nun detailliert, wer für das Leuten der Feuerglocke verantwortlich ist, wer für die Bereitstellung und Wartung von Eimern und anderen Gefäßen usw.. Für die Stadt Würzburg wurde z.B. vorgeschrieben, daß während des Winters beständig (auch nachts) Wasserstellen im zugefrorenen Main offengehalten werden mußten. Vergleichbare Verordnungen hatte es vorher gar nicht gegeben. Diese Verordnung mag relativ unwichtig erscheinen, sie hatte aber scheint einen großen Effekt.
Gesetze zum Kreditwesen
Aus denselben Gründen, aus denen auch heute noch umfangreiche Gesetzeswerke zu den Themen "Kredite und Bürgschaften" existieren, mußte schon J. Echter Gesetze bzgl. solcher Sachen erlassen. Eines seiner ersten Gesetze überhaupt (1574) verbot das wucherische Verleihen von Getreide und Wein (deren Preise nämlich staatlich festgesetzt waren) gegen Geld. Auch wucherische Geldleihen wurden verboten. Dieses letzte Verbot richtete sich hauptsächlich gegen im Geldgeschäft tätige Juden. Später schrieb ein Gesetz vor, daß man, wenn von einem künftigen Gläubiger Bürgschaften verlangte, diese genehmigen lassen mußte.
Gesetze zur Wirtschaft
Bzgl. der einzelnen Handwerke und den Märkten erließ er eine Unzahl von Gesetzen. Beispiele sind die Waag-Ordnung (1578), die vorschreibt, auf welche Weise auf Märkten Waren gewogen werden mußten. Den Kannengießern wurde 1582 ein Mindestanteil von Zinn (gegenüber Blei) und eine eindeutig identifizierbares Zeichen auf ihren Produkten vorgeschrieben. Mehrmals wurden Gesetze bzgl. des Gerber-Handwerks erlassen, da die Gerber des Bistums durch starke auswärtige Konkurrenz und dadurch, daß Händler alle Rohhäute aufkauften und teuer weiterverkauften, Probleme hatten. Weiter gab es eine Müller-Ordnung, eine Ordnung den Holzhandel betreffend, Ordnungen über den Verkauf von Wolltüchern und Gewürzen (hier gab es nämlich viele Betrüger, die falsche Gewürze verkauften)...
Diverses
Die Anzahl der von J. Echter erlassenen Gesetze ist groß. Es gab eine Mandat zur Instandhaltung der Landstraßen, das z.B. vorschrieb, daß an den Straßenränden Kopfweiden zu pflanzen seien, damit die Fuhrleute nicht, um Pfützen o.ä. auszuweichen, über benachbarte Felder fuhren. (1599)

1602 wurde Fluchen, Gotteslästern sowie unnötiges Schwören bei (geringer) Geldstrafe verboten.

Ehe-, Erbschafts- und Unterhaltsfragen wurden neu geregelt. Eine Kuriosität ist die 1617 erlassene Ordnung über Hochzeiten, Kindstaufen, Begräbnisse und dergleichen. Offensichtlich war es insbesondere bei Hochzeiten vorgekommen, daß sie in einem derartigen Ausmaße gefeiert wurden, daß das dörfliche Leben einige Tage brachlag. Die Verordnungen schreiben vor, wer wieviele Gäste höchstens einladen darf, wieviele Gänge höchstens serviert werden dürfen, und wie lange die Feste dauern dürfen. Bei Hochzeiten wird sogar die Sitzordnung der Gäste vorgeschrieben.

Hexenprozesse

Julius Echter gilt zusammen mit dem Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg als einer der größten Hexen-Verfolger seines Jahrhunderts. Insgesamt wurden im Erzbistum ca. 900 Hexen und Zauberer hingerichtet. Alleine in Würzburg waren es 200. Die Hexenverfolgungen erfaßten alle Stände, also sowohl Adelige wie auch "einfache" Leute. Ca. 20% aller Verbrannten waren Priester und Ordensleute.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 04/2006.