Die Reichspolitik von Julius Echter

Bündnispolitik

Die ganzen deutschen Fürstentümer, Herzogtümer usw. waren zu dieser Zeit Teil des Deutschen Reiches. Das Reich hatte aber viel von seinem Einfluß verloren und genug damit zu tun, seine südlichen Grenzen gegen die Türken zu verteidigen. Dies zeigt sich schon dadurch, daß sich die deutschen Fürsten gegenseitig überfielen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

Diese Lage hatte zur Bildung von Bündnissen innerhalb Deutschlands geführt. Das Bistum Würzburg war Mitglied des "Landsberger Bundes", einem defensiv ausgerichteten Bund katholischer wie protestantischer Fürsten Oberdeutschlands. Nachdem Österreich aus dem Landsberger Bund ausgetreten war, wurde es vom bayerischen Herzog sowohl politisch wie militärisch dominiert.

Noch 1585 hatte das Landsberger Bündnis dem Fürstbischof ermöglicht, die Gegenreformation durchzuführen, ohne daß protestantische Fürsten militärisch zu intervenieren wagten. 1598 wurde der Landsberger Bund von Maximilian von Bayern aufgelöst. Die Zuspitzung im Konflikt zwischen den beiden großen konfessionellen Lagern führte nämlich in dieser Zeit zur Gründung von konfessionell geprägten Defensivbündnissen, nämlich der "Protestantischen Union" und der "Katholischen Liga" (1608 und 1609). Die Initiative der Ligagründung ging dabei wieder vom bayerischen Herzog aus. Dieser hatte einen katholischen Bund mit ihm als Oberhaupt im Sinne. Dies bedeutete gleichzeitig einen Ausschluß Österreichs und der katholischen Rheinlande, die seinen Führungsanspruch nicht akzeptiert hätten.

Julius Echter hatte schon die Auflösung des Landsberger Bundes zu verhindern versucht, und verwahrte sich lange gegen diese Idee. Insbesondere wollte er einige finanziell gut gestellte freie Städte dabeihaben. Andererseits konnte Maximilian ohne das nunmehr finanzstarke Bistum Würzburg kein oberdeutsches katholisches Bündnis aufbauen. Nicht gerade hilfreich war auch der mehrmalige Versuch des bayerischen Herzogs, einflußreiche Posten in Würzburg mit Familienmitgliedern zu besetzen.

Erst 1609 ließ er sich auf den Vorschlag des bayerischen Herzogs ein, wobei er bei den Verhandlungen wohl vor allem gegen die Bemessung der Mitgliedsbeiträge opponierte. Bereits Frühjahr 1610 standen dann auch schon die Truppen des protestantischen Markgrafs Joachim Ernst von Ansbach auf unterfränkischem Boden

Später gab Maximilian die Hälfte seiner Führungsbefugnisse ab, dafür konnten allerdings die rheinischen Länder für die Liga gewonnen worden. Der Stabilität der Liga tat man damit wegen innerrheinischer Querelen (Jülicher Erbfolgestreit) aber keinen guten Gefallen. Fortdauernder Streit über die Art des Bündnisses lähmten die Liga scheinbar von Anfang an derart, daß J. Echter 1610 endlich selber Verteidigungsmaßnahmen in seinem Land ergriff.

Das Bistum hatte kein stehendes Heer, sondern eine "Landwehr", die von Zeit zu Zeit übte und bei Bedarf zusammengerufen wurde. Ab 1610 wurde die Ausstattung dieser Landwehr vergrößert und verbessert. So zählten bereits im September 1610 40000 Musketiere zur bischöflichen Wehr.

Auf die weitere Geschichte der Liga, und die Haltung, die J. Echter zu ihr einnahm, gehe ich nicht weiter ein. Die Liga erfüllte jedenfalls niemals ihren Zweck und wurde durch innere Querelen gelähmt. Jedenfalls scheint man sagen zu können, daß J. Echter sich nie mit dem Gedanken eines kleinen oberdeutschen Bündnisses unter Führung des bayerischen Herzogs anfreunden konnte.

Territorialpolitik

Nachdem sich die finanzielle Situation des Bistums verbessert hatte, machte sich Julius Echter daran, verpfändete Ländereien wieder einzulösen, oder sogar neue von verschuldeten Fürsten zu kaufen.

Die zersplitterten Grenzen seines Bistums versuchte er zu vereinfachen, Grenzstreitigkeiten zu beseitigen. Dabei benutzte er durchaus auch militärische Gewalt, so kam es z.B. zu Zwischenfällen an der Grenze seines Bistums zum Mainzer Gebiet. Diese Politik wird "Arrondierungspolitik" genannt.

Fazit

Insgesamt scheint der Fürstbischof sich unter den Reichsständen in ziemlicher Isolation befunden zu haben. Der Fuldaische Handel und seine konsequente Arrondierungspolitik waren nicht gerade dazu angetan, sich unter den anderen Reichsfürsten Freunde zu schaffen. Auch seine Liga-Politik war offenbar ausschließlich auf den Vorteil des eigenen Bistums ausgerichtet.

by Michael Becker, 11/1998. Letzte Änderung: 11/1998.