Kurzbeschreibung der Elster

Feldkennzeichen

Elster

Elster

Die Elster unterscheidet sich von allen anderen Rabenvögeln durch ihren langen, gestuften (d.h. die Schwanzfedern haben eine deutlich unterschiedliche Länge) Schwanz. Dieser ist häufig so lang wie der gesamte Rest des Körpers, auf jeden Fall aber länger als die Flügel.

Die Vögel besitzen ein auffallend kontrastreiches schwarz-weißes Gefieder. Bauch, die Flanken und die Schultern sind weiß. Die Handschwingen sind ebenfalls größtenteils weiß gezeichnet. Der Rest des Gefieders ist schwarz, wobei die Schwung- und die Schwanzfedern in anderen Farben schillern. Bei den europäischen Rassen sind die Schwungfedern bläulich und die Schwanzfedern grünlich.

Verglichen mit den meisten anderen Rabenvögeln (Gattung Corvus) ist die Elster relativ zierlich. Sie ist allerdings größer als der Eichelhäher (Gattung Garrulus).

Ihr Flug ist unregelmäßig flatternd und wirkt langsam und unbeholfen. Auf dem Boden bewegt sie sich hüpfend, oft seitlich, fort.

Das Federkleid

Der Adulten

Das Federkleid der Männchen und Weibchen ist gleich.

Kopf, Vorderrücken, die inneren Schulterfedern, die Kehle und die Vorderbrust, die Aftergegend und die Unterschwanzdecken sind rein schwarz. Die Federn auf den Kopf irisieren manchmal grün, selten bronzefarben.

Die Oberschwanzdecken sind ebenfalls schwarz, schillern aber bläulich und grünlich, manchmal auch violett oder purpurn. Der Schwanz ist stark gestuft: Die Länge der äußersten Schwanzfedern beträgt nur ca. 56% der Länge der mittleren Schwanzfeder.

Die Färbung des Bürzelgefieder schwankt von dunkelgrau bis weiß (gegen den Osten hin).

Die Handschwingen haben eine dunkel graubraune Außenfahne, die vor allem bei den inneren Federn stark grünlichblau schimmert. Die Innenfahnen der Handschwingen sind größtenteils weiß. Die der inneren sind an der Basis und an der Spitze schwarz, bei den äußeren zieht sich das schwarze Ende als schwarzer Saum weit nach innen. Der schwarze Basalteil der Innenfahnen der Handschwingen ist bei den inneren Federn größer als bei den äußeren.

äußere Handschwingen, links juvenil, rechts adult

Äußere Handschwingen, links juvenil, rechts adult.

Die Armschwingen sind dunkel graubraun. Die erste (äußerste) Armschwinge hat auf der Innenfahne oft noch einen weißen Fleck. Die ersten fünf Armschwingen haben auf den Außenfahnen einen intensiven dunkelblauen metallischen Schimmer. Bei den inneren Armschwingen dehnt sich dieser auch auf den sichtbaren Teil der Innenfahnen aus.

Handdecken, Daumenfittich, Caraldecke, Große Armdecken und Armschwingen sind dunkel mit bläulich-(grünlich)-metallischem Schimmer. Dieser wird von außen nach innen immer grünlicher. Mittlere Armdecken und Randdecken sind dunkel und an den Spitzen matt violett schimmernd, ebenso wie die Deckfedern der Unterflügelseite.

Im Frühling werden die Farben matter und weniger schillernd. Auf den Außenfahnen der Handschwingen gehen sie fast ganz verloren. Am schillerndsten sind mehrere Jahre alte Vögel, insbesondere die Männchen, kurz nach der Mauser.

Das Bild rechts zeigt die äußeren Handschwingen eines juvenilen Vogels (links) und eines adulten (rechts). Die ungefähren Konturen des weißen Flecks auf der Innenfahne sind eingezeichnet. Der schwarze Saum am Rand der Innenfahne des adulten ist leider von mir schlecht getroffen worden: Er verschmälert sich nicht so stark, sondern ist gleichmäßiger breit. (Die Treppchen im Bild tun mir leid. Mit aliasing hatte das Bild die 5-fache Größe.)

der Jungen

Die Nestlinge kommen wie bei allen Singvögeln fast nackt zur Welt.

Beim Jugendkleid der Elster ist das Farbmuster wie beim adulten. Der Schwanz ist aber kürzer und glanzlos. Hinter dem Auge befindet sich häufig ein unbefiederter bläulichgrauer Hautfleck. Die äußeren Schulterfedern sind oft nicht reinweiß, sondern etwas grau. (Dies kann man auf dem Bild mit den Jungvögeln erkennen.)

Die weißen Flecken auf den Innenfahnen der äußeren Handschwingen reichen nicht so weit zur Federspitze wie bei den Adulten. (Dies ist das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen Juvenilen und Adulten.) Die Armschwingen zeigen nur im mittleren Bereich blauen Glanz. Die äußerste Armschwinge (AS1) trägt fast immer einen weißen Fleck, manchmal auch die zweite (AS2) oder sogar die dritte (AS3) darauf folgende Feder.

Gefiederaberrationen

kommen häufig vor. Insbesondere Albinismus (weiße Vögel), Leukismus (semmelgelbe Vögel) und Schizochroismus. Bei letzterem sind die sonst schwarzen Gefiederteile grau, braun, rot- oder rostbraun.

Diese Gefiederaberrationen können auch nur Teile des Vogels betreffen. So kommt es bei Jungvögeln häufig vor, daß die Handschwingen vollständig weiß sind. Es kommt aber auch Totalalbinismus (mit roten Augen vor), vermutlich bei jungen häufiger als bei alten Vögeln.

Abgesehen von diesen Aberrationen gibt es einige, die bisher an einzelnen Vögeln beobachtet worden sind. (Z.B. braun, Brust und Bauch weiß, Kopf und Nacken blaßbraun.)

Die Mauser

Der Beginn der Mauser bei den Adulten Vögeln kann zeitlich erheblich schwanken. Zunächst beginnt die Mauser bei den einjährigen Vögeln und den vorjährigen Nichtbrütern im Juni. Danach folgen, je nachdem, wann die Brut beendigt wurden, die Altvögel im Juli bis spätestens Ende August. Die Mauser der ausgeschlüpften Jungvögel beginnt im Zeitraum Juli bis August.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Vollmauser und Teilmauser. Das Mausern beginnt bei den diesjährigen Jungvögeln mit einer Teilmauser. Dabei wird das Kleingefieder und die Flügel- und Schwanzdecken ausgetauscht, während das Großgefieder der Flügel und des Schwanzes bleibt. Ab dem ersten Lebensjahr wird eine Vollmauser durchgeführt. Bei der Vollmauser wird das gesamte Federkleid ausgetauscht.

Die Vollmauser dauert ungefähr bis gegen Neujahr.

Zum Ablauf der Vollmauser s. [Bäh].

Gewicht und Größe

Die folgenden Zahlen stammen aus [Bäh]. Die Angaben sind in Millimetern. Es wurden Mittelwert und Standardabweichung ausgerechnet. Die untersuchte Unterart war die Nominatform P.p. pica.. "Juv." bedeutet "juvenil", "ad." bedeutet "adult".

 Weibchen (juv.) Weibchen (ad.) Männchen (juv.) Männchen (ad.)
Flügel 180,7±6,4184,1±4,8 189,4±5,4194,6±4,3
Schwanzlänge 212,6±9,8230,7±10,1 225,0±9,7247,7±9,7
Schwanzstufung 92,9±6,6108,3±7,5 100,0±7,5118,7±8,3
Schnabellänge 30,5±1,430,2±1,4 33,3±1,533,2±1,6
Schnabelhöhe 11,6±0,611,6±0,5 12,6±0,512,7±0,6
Lauf 45,2±1,945,4±1,6 48,0±1,648,2±1,6

Die Schwanzstufung ist der Abstand der Spitze der äußersten Schwanzfeder zur Spitze der innersten (längsten) Schwanzfeder bei zusammengelegtem Schwanz.

Das Schlüpfgewicht der Elstern beträgt ca. 7g. Nach zwei Wochen erreicht es Werte um 150g (abhängig vom Nahrungsangebot im aktuellen Jahr), nach drei Wochen um die 185g. Dies ist das Ausfliegegewicht. Es beträgt ca. 80% des Gewichtes der Adulten.

Das Gewicht der Adulten schwankt jahreszeitlich bedingt. Es beträgt bei den Weibchen ca. 185-200g, bei den Männchen ca. 190-225g. Die höchsten Werte werden dabei beim Männchen im November erreicht, beim Weibchen vor der Brut.

Gewichtsschwankungen von P.p. pica

Gewichtsschwankungen von Pica pica über das Jahr. Oben die Kurve für das Männchen, unten die für das Weibchen.

Im Bild sind die Werte aus [Bäh] aufgetragen. Die Einheit auf der Ordinate ist das Gramm. Das Männchen ist in der Regel etwas schwerer als das Weibchen, lediglich kurz vor der Brut kann das Gewicht des Weibchens das des Männchens übersteigen. Angaben über Weibchen im September liegen offensichtlich nicht vor. Unklar ist mir, wieso das Gewicht des Weibchens auch noch im Mai so hoch ist. Laut meiner Literatur sind spätestens Ende April alle Eier gelegt.

Alter, Lebenserwartung, Feinde

Das höchste beobachtete Alter freilebender Vögel beträgt 15 Jahre. Daten über in Gefangenschaft gehaltenen Elstern liegen mir nicht vor.

Die Lebenserwartung beträgt aber nur ca. 2-4 Jahre. Sie ist bei Männchen deutlich höher als beim Weibchen. Die Wahrscheinlichkeit, das nächste Jahr zu überleben, ist für Jungvögel am kleinsten.

Hauptmortalitätsfaktor ist in vielen Gebieten die Bejagung durch den Menschen. Der wichtigste natürliche Feind ist der Habicht. Andere Greifvögel (Mäusebussard, Waldkauz, Sperber-Weibchen) erlegen nur gelegentlich eine Elster. Vierbeinige Räuber schlagen vor allem frisch flügge gewordene Jungvögel. Als Todesursache kommen - außer Krankheit und Hunger - außerdem noch Stromschlag und Vergiftung durch bestimmte Insektizide in Frage. Nestlinge werden durch alle möglichen Nestplünderer gefressen (Rabenkrähen, Marder, Katzen, Eichhörnchen).

by Michael Becker, 3/1999. Letzte Änderung: 3/1999.