Legenden mit Elstern

Legenden und Aberglaube über Elstern sind auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet. Offensichtlich liegt das daran, daß es sich um recht auffällige, gut erkennbare Vögel handelt, die gerne auch in der Nähe menschlicher Siedlungen leben. In Europa sind die Vögel eher verrufen. Sie gelten als geschwätzig, als Gesellen von Hexen, oder gar als Hexen selbst. In den meisten anderen Legenden, die ich gefunden habe, kommt die Elster dagegen als Glücksbringer oder als Freund des Menschen vor.

Alle Übersetzungen stammen von mir. Man sehe ihnen also sprachliche Unzulänglichkeiten nach.

Kennt jemand weitere Geschichten oder Legenden mit Elstern? Insbesondere fehlen mir welche, in denen die negativen Aspekte des Elstern-Bildes dargestellt werden.

Das Büffel-Rennen

Hierbei handelt es sich um eine Erzählung, die man in einigen Varianten vor allem bei den Cheyenne und bei den Sioux findet. Hier wird erklärt, warum Menschen Büffelfleisch essen, und warum die Elster ihre charakteristische schwarz-weiße Zeichnung hat.

Früher lebten alle Tiere friedlich miteinander, und keines fraß das andere. Alle Tiere hatten dieselbe Farbe, weil sich noch keines das Gesicht bemalt hatte. Die Büffel aber waren die größten und stärksten aller Tiere, und sie waren immer hungrig. Sie wollten der Herren aller Tiere werden, und deren Fleisch essen und dadurch noch stärker werden. Aber die Menschen behaupteten, daß sie die Herren über die Tiere sein sollten. Auch sie wollten die Stärke der anderen Tiere bekommen, indem sie deren Fleisch aßen.

Also forderten die Büffel die Menschen zu einem Rennen heraus. Der Sieger dieses Rennens sollte über alle Tiere herrschen. Die Menschen akzeptierten diese Herausforderung, aber da die Büffel vier Beine haben und sie nur zwei, verlangten sie, daß andere Tiere an ihrer statt ins Rennen gehen durften. Die Büffel waren damit einverstanden.

Die Menschen wählten nun unter den Tieren die Vögel, um sie bei dem Rennen zu vertreten. Und zwar wählten sie den Kolibri, die Lerche, den Falken und die Elster.

Auch alle anderen Tiere und Vögel wollten an dem Rennen teilnehmen, denn jedes von ihnen hoffte ebenfalls, das Rennen zu gewinnen, und die Herrschaft über die anderen Tiere zu erringen. Also nahmen alle Tiere Farbe und malten ihr Gesicht für das Rennen an - jedes nach seinen eigenen Vorstellungen: Das Stinktier malte sich weiße Streifen als Zeichen für seine Art. Der Hirsch bemalte sich ganz in der Farbe der Erde. Der Waschbär malte sich schwarze Ringe um den Schweif und um seine Augen. Die Drossel malte sich braun und mit einem roten Brustschild, und die Elster schließlich trug schwarze und weiße Farbe auf.

Das Rennen sollte am Grunde der "Schwarzen Berge" stattfinden, an einem Ort, den man "das Büffel-Tor" nennt. Am Start waren Holzstöcke ausgelegt, zwischen denen sich die Wettbewerber aufstellten. Das Rennen sollte bis zu einem Wendepunkt gehen, und von dort wieder zurück zum Startpunkt. Für die Menschen gingen also die Vögel an den Start, während für die Büffel ihre schnellste und ausdauerndste Kuh namens Schlankbüffel lief.

Mit einem Schrei wurde das Rennen gestartet und alle Tiere und Vögel liefen los. Der Kolibri übernahm die Führung vor Schlankbüffel, aber seine Flügel waren so klein, daß er bald zurückfiel. Und als die Tiere sich dem Wendepunkt näherten, übernahm Schlankbüffel die Führung. Dann schloß die Lerche zu ihm auf, und die beiden gingen Seite an Seite in die Kehre. Doch Schlankbüffel rammte ihre Hufe in den Boden, daß es donnerte, und machte eine enge Kehrtwendung, während die Lerche eine weiten Bogen fliegen mußte.

Die führenden Tiere liefen nun an den Nachzüglern, die den Wendepunkt noch nicht erreicht hatten, vorbei. Die Lerche fiel zurück und feuerte den Falken an, der nun an ihr vorbeizog und sich anschickte, Schlankbüffel zu überholen. Tatsächlich sah es so aus, als könnte der Falke die Büffelin einholen, denn ihr Herz schlug schon schnell und ihre Beine wurden müde. Aber auch die Flügel des Falken wurden müde, und schon bald fiel er wieder zurück.

Schlankbüffel stürmte also auf das Ziel zu, und es sah ganz so aus, als sollten die Büffel die Herren über alle anderen Tiere werden und deren Fleisch essen dürfen.

Aber dann kam hinter der Büffelkuh, mit stetigem Flügelschlag, die Elster heran. Sie war nicht so schnell gestartet, wie die anderen, aber ihre Flügelschläge waren hart und gleichmäßig. Ihr Herz war stark. Ihre Augen ließen nicht von der Ziellinie ab. Sie hatte sich niemals umgeschaut. Ihre Flügel waren weit und sie trieb sich selbst Schlag für Schlag weiter vorwärts. Alle anderen Tiere waren nun zurückgefallen. Schlankbüffel blickte auf die Elster, aber diese schaute stets nur zu den Stöcken, die das Ziel markierten. Mit jedem Flügelschlag kam sie Schlankbüffel um nicht mehr als eine Schnabellänge näher.

Bei der Startlinie hatten sich nun viele Tiere versammelt, um den Ausgang des Rennens zu beobachten. Der Waschbär, der im Rennen früh ausgeschieden und zurück zum Start gekommen war, stellte sich nun dort zwischen die Stecken und hielt seine kleinen Hände in die Höhe, so daß die Läufer diese berühren konnten, wenn sie durchs Ziel liefen. Der Läufer, der seine Hand als erster berührte, zu dem würde er sich dann wenden und damit den Gewinner anzeigen.

Schlankbüffel kam nun mit großer Geschwindigkeit näher, und viele Tiere fürchteten, Waschbär würde totgetrampelt werden. Die Elster flog nun nach und nach immer näher am Boden, so daß sie die Hand des Waschbären im Vorbeiflug berühren konnte. Der Waschbär bewegte sich nicht, sondern starrte fest auf das heranrasende Paar. Die Elster schien nun die Büffelin zu überholen, aber diese beugte sich nach vorne, um die Hand des Waschbären mit ihrer langen Schnauze zu berühren. Aber einen Augenblick zuvor streifte die Elster mit ihrer Flügelspitze die Hand des Waschbären und dieser drehte sich zu ihr, während die Büffelin vorbeidonnerte und alles in einer riesigen Staubwolke verschwand. Alle Tiere warteten nun gespannt, bis der Staub sich wieder gelegt hatte. Aber am Ende konnten alle sehen, daß der Waschbär dort stand und mit seiner Hand auf die Bahn zeigte, auf der die Elster geflogen war.

So hatten die Menschen mit Hilfe der Vögel das Rennen gewonnen. Die Büffel wanderten von nun an in den großen Ebenen umher und fraßen Gras, während die Menschen große Jäger wurden und über alle Tiere herrschten.

Häufig ist dieses Rennen auch eine Rundtour, die einmal um einen Berg führt. In einer ähnlichen Legende der Sioux wird erwähnt, daß viele Tiere so schnell liefen, daß ihre Pfoten oder Hufe anfingen zu bluten. Deshalb bestehen die Füße der "Schwarzen Berge" aus einer roten Gesteins- oder Erdschicht.

Gemeinsam ist jedoch allen Legenden, daß entschieden wird, ob die Menschen Büffelfleisch essen oder umgekehrt. Außerdem nehmen immer der Falke und die Elster für die Menschen am Rennen teil, und die Elster gewinnt.

Daß immer die Elster das Rennen gewinnt ist ein wenig ungewöhnlich. Elstern können zwar schneller fliegen als man denkt. Dies liegt vor allem daran, daß ihr langsamer Flügelschlag und ihr welliger Flug ein wenig unbeholfen wirken und ein schlechtes Flugvermögen vortäuschen. Im Allgemeinen vermeiden sie es jedoch, über weite, offene Strecken zu fliegen, wie es in der Legende beschrieben wird.

Um einige Varianten der Legende zu lesen, muß man nur mit einer Suchmaschine nach den Worten "Buffalo Race" suchen. Es gibt viele englische Seiten im Internet, die diese Geschichte in mannigfaltiger Weise erzählen.

In einer anderen Version findet das Rennen um die Herrschaft über alle Tiere noch vor der Erschaffung des Menschen statt. Die Elster gewinnt, indem sie sich auf den Nacken des Büffels setzt und erst kurz vor dem Ziel losfliegt. Eine Gottheit erklärt daraufhin den Ausgang des Rennens für nichtig. Zu Strafe, daß die Tiere überhaupt dieses Rennen veranstaltet haben, gibt er ihnen unterschiedliche Rufe, und seitdem können sie sich nicht mehr miteinander verständigen. Die Elster muß sich als Strafe für ihr unfaires Verhalten ab da von den Abfällen der anderen ernähren und wird von ihnen als geschwätzig verachtet. Und aus dem Blut des Büffels und der Erde, die er während des Rennens umgepflügt hat, wird der Mensch erschaffen.

Die Legende vom Büffeltanz

Dies ist eine Legende der Schwarzfußindianer, deren Leben in der Prärie eng mit dem der umherziehenden Büffelherden verbunden war. Die Büffel versorgten sie mit Fleisch und anderen Sachen, die sie zum Leben brauchten. Die Jagd ging so vonstatten, daß man eine große Anzahl von Büffeln über eine Klippe trieb und dann die verletzten Tieren tötete.

Auch in dieser Geschichte taucht die Elster wieder als Verbündeter des Menschen bei einem Konflikt mit den Büffeln auf.

Eines Tages jedoch, so erzählt die Legende, sprangen die Büffel nicht mehr von der Klippe, sondern drehten sich kurz davor zur Seite. Dies ging so weit, daß die Leute am Ende zu hungern begannen.

Eines sehr frühen Morgens wollte eine junge Frau am Fuße des Felsen Wasser holen. Als sie aufschaute, sah sie, daß eine Herde Büffel oben auf der Kante graste. Im Scherz rief sie ihnen zu: "Oh, wenn ihr doch nur in die Schlucht springen würdet... dann würde ich sogar einen von euch heiraten." Doch die Büffel kamen auf die Felskante zu, und schließlich sprang ein großer Bulle direkt auf sie zu hinunter.

"Komm!" sagte er und nahm ihren Arm. Sie versuchte, sich loszureißen. "Oh nein!" Aber er erinnerte sie an ihr Versprechen und zeigte ihr, daß die Schlucht voll war mit den Leibern von Büffeln und mit Fleisch für ihr Volk. Ohne weitere Worte führte er sie hinweg in die Prärie.

Die Leute waren nun sehr damit beschäftigt, die vielen Büffel, die in der Schlucht lagen, zu zerlegen. Sie hatten nun mehr als genug zu essen. Deshalb wurde die junge Frau nicht sofort vermißt. Aber schließlich begannen ihr Vater und ihre Verwandten nach ihr zu suchen, und bald schon wurde offensichtlich, daß sie nicht mehr unter ihnen war. Ihr Vater nahm seinen Bogen und seinen Köcher und sagte: "Ich werde gehen und sie suchen."

Er stieg auf die Klippe und ging von dort weit hinaus in die Prärie, bis er zu einem Ort namens "Büffelsuhle" kam, an den die Büffel Wasser trinken kamen und sich im Schlamm wälzten. Er sah eine Büffelherde nicht weit davon, und da er müde war, setzte er sich neben der Suhle hin und ruhte sich aus.

Wie er da so saß, näherte sich ihm eine wunderschöne Elster. Der Mann sagte ihr, daß sie hübsch sei, und bat den Vogel um Hilfe. "Wenn du umherfliegt, schau bitte überall nach meiner Tochter! Und wenn du sie siehst, sag ihr, daß ihr Vater hier bei der Büffelsuhle auf sie wartet."

Die Elster flog daraufhin geradewegs in die Büffelherde. Dort sah sie eine junge Frau zwischen den Tieren. Sie landete auf dem Boden und pickte diese. Dann sagte sie: "Dein Vater wartet bei der Büffelsuhle auf dich."

Die junge Frau fürchtete sich nun sehr, denn sie hatte Angst, daß ihr Ehemann dies gehört haben könnte. Dieser aber schlief gerade, und so trug sie dem Vogel auf, zu ihrem Vater zurückzukehren und ihm zu sagen, daß er warten solle. Bald wachte der Büffel auf und sagte zu seiner Frau: "Geh und bring mir etwas Wasser!"

Glücklich nahm sie das Horn vom Kopfe ihres Mannes und ging zu der Suhle, wo sie ihren Vater traf. Sie fragte: "Vater, warum bist du gekommen? Du wirst getötet werden!"

"Ich bin gekommen, um dich nach Hause zu bringen," antwortete er, und er drängte sie, mit ihm zu kommen. Sie aber sagte, wenn sie mit ihm kommen würde, würde die Herde ihnen nachlaufen und sie beide töten. Also beschlossen sie, zu warten, bis der Bulle wieder schlief. Dann würden sie versuchen, zu fliehen. Und so kehrte die Frau vorerst zu ihrem Mann zurück.

Dieser trank von dem Wasser, welches sie mitgebracht hatte. Aber dann hörte er plötzlich auf. "Ha! Es ist ein Mensch hier - ganz nahe." "Nein nein, hier ist niemand", sagte die Frau, aber ihr Herz schlug wie wild. Der Bulle trank abermals ein bißchen, dann stand er auf, und mit einem fürchterlichen Gebrüll weckte er alle anderen Büffel, die ihm zur Suhle folgten.

Dort fanden sie den Mann, der gekommen war, um seine Tochter zu suchen, und sie trampelten mit ihren Hufen auf ihn ein und spießten ihn auf ihre Hörner, und trampelten ihn dann wieder, solange bis von ihm nichts mehr übrig geblieben war.

"Oh Vater! Vater!" jammerte die Frau. "Aha," sagte der Bulle, "du beweinst deinen Vater? Jetzt verstehst du vielleicht, wie es uns ergeht. Wir haben zugesehen, wie unsere Mütter, unsere Väter, viele unserer Verwandten und Freunde über die Klippe getrieben und von deinem Volk erschlagen wurden. Aber ich habe Mitleid mit dir. Deshalb werde ich dir noch eine Chance geben: Wenn es dir gelingt, deinen Vater wieder ins Leben zurückzurufen, so werde ich ihm und dir gestatten, wieder zurück zu eurem Volk zu gehen."

Die Frau wandte sich daraufhin zur Elster. "Habe Mitleid mit mir und hilf mir!" sagte sie, "Geh und suche in dem Schlamm, den die Büffel zertrampelt haben, nur ein kleines Stück meines Vaters und bringe es mir!"

Die Elster flog nun schnell zur Suhle. Dort scharrte sie in jedem Loch und riß den Schlamm mit ihrem Schnabel überall auf. Schließlich fand sie etwas weißes und pickte den Schlamm von ihm. Es war ein Wirbel aus dem Rückgrat des Mannes, welchen sie zu der jungen Frau zurückbrachte.

Diese legte den Wirbel auf die Erde und bedeckte ihn mit ihrem Kleid. Dann sang sie ein bestimmtes Lied. Als sie nun ihr Kleid wegzog, lag dort der Körper ihres Vaters. Sie legte abermals ihr Kleid drüber und fuhr mit dem Lied fort. Als sie das nächste mal ihr Kleid wegzog, atmete ihr Vater. Dann stand er auf. Dies verblüffte die Büffel.

Die Elster war hocherfreut, flog herum und plapperte in einem fort. "Seltsame Dinge haben wir heute gesehen", sagte der Bulle zu den anderen seiner Herde. "Wir haben diesen Mann zu Tode getrampelt, in kleine Stücke. Und nun lebt er wieder."

"Die Macht deines Volkes ist groß", sagte er zu der jungen Frau gewandt. "Nun, bevor ihr, du und dein Vater, geht, werden wir euch einen Tanz und ein Lied beibringen. Diese beiden dürft ihr nicht vergessen." Denn diese beiden beinhalteten den Zauber, mit dem die Büffel, die bei der Jagd getötet wurden, wieder ins Leben gerufen werden konnten, genauso, wie der Mann, der von den Büffeln getötet worden war, wieder ins Leben zurückgerufen worden war.

Die Büffel sangen und tanzten. Sowohl das Lied wie der Tanz waren langsam und feierlich, genauso, wie es zu den großen Tieren paßte. Danach mußten die junge Frau und ihr Vater sich auf dem Weg machen und ihrem Volk lehren, was sie gesehen hatten. Es wurde eine Gruppe junger Männer ausgewählt, welche den Tanz lernten und durchführten. Während des Tanzes mußten sie einen Büffelkopf und ein Büffelfell tragen.

Dieses Ritual wurde durchgeführt, bis das "Eiserne Pferd" die Prärie durchschnitt, die Büffel verschwanden, und die alten Jäger Bauern oder Hirten wurden, oder andere Arbeiten, die sich durchführen konnten, annahmen.

Die Elstern-Brücke

Die folgende Legende ist in vielen verschiedenen Abwandlungen und mit unterschiedlich benannten Hauptpersonen in China und Japan verbreitet.

Vor langer Zeit lebte im Himmel der Jade-Herrscher mit seinen sieben Töchtern. Die jüngste dieser, welche eine begabte Weberin war, liebte er am meisten. Jeden Tag webte sie wunderschöne Stoffe aus reinster Seide, und deshalb nannte sie jeder "das Weber-Mädchen".

Niulang war Kuhhirte im Himmel. Er bewachte die königliche Herde. Der Herrscher mochte ihn, denn er arbeitete hart. Und so verheiratete er ihn mit seiner Tochter, dem Weber-Mädchen. Doch nachdem die beiden verheiratet waren, fingen sie an, ihre Pflichten zu vernachlässigen. Statt dessen verbrachten sie ihre Zeit damit, die schönsten Plätze im Himmel zu besuchen und sich gegenseitig mit ihrer Gesellschaft zu beglücken.

Als der Herrscher dies erfuhr, wurde er sehr ärgerlich. Er ordnete an, daß seine Tochter ein goldenes Kleid für die Königin Mu weben solle. Aber da sie vergessen hatte, wie man webte, konnte sie dies nicht tun. Der Herrscher sagte zu Niulang und seiner Frau: "Ihr beide wart faul und habt eure Arbeit vernachlässigt. Ab sofort werdet ihr euch nicht mehr sehen!" Nachdem er dies gesagt hatte, zeichnete er mit seinem königlichen Pinsel einen Fluß in den Himmel und trennte auf diese Weise das Paar.

Die beiden jungen Leute verrichteten nun wieder ihre Arbeiten, so wie sie es tun sollten, aber sie waren dabei traurig und einsam. Schließlich bat die Mutter des Mädchens den Herrscher darum, daß die beiden sich wieder sehen durften, denn sie hatte Mitleid mit ihnen. Der König war einverstanden, und sie durften sich in der 7.Nacht des 7.Monats treffen.

In dieser Nacht kamen alle Elstern zum Himmlischen Fluß geflogen und bildeten eine Brücke über diesen. Die beiden Liebenden erstaunte dies sehr, aber sie liefen über die Brücke einander entgegen, und in der Mitte der Brücke trafen sie sich und konnten sich in die Arme schließen. Danach setzten sie sich hin und redeten miteinander. Erst als die Morgendämmerung kam, mußten sie sich traurigen Gemüts wieder voneinander trennen.

Seitdem beten die beiden um gutes Wetter an diesem Tag des Jahres. Und sie beten darum, daß die Elstern diese Brücke bilden, so daß sie sich an diesem Tag des Jahres sehen können.

In China und Japan gelten Elstern als Glücksbringer, insbesondere ins Liebesdingen. Historisch rührt dieser Glaube vermutlich daher, daß die Mandschuren die Elster als heiligen Vogel verehrten, weil eine Elster einmal einen ihren Vorfahren vor Verfolgern gerettet hat. Als die Mandschuren zusammen mit den Nordchinesen das Kaiserreich eroberten, verbreitete sich dieser Glaube wohl in ganz China und wurde zur heutigen Form abgewandelt.

Der 7.Tag im 7. Monat ist in China und Japan ungefähr das, was bei uns der Valentinstag ist - ein Tag, an dem Liebende zueinander finden sollen. Heutzutage wird dieser Tag der Einfachheit halber meist am 7.Juli gefeiert. Wenn es an diesem Tag regnet, rührt dies daher, daß die Elstern keine Brücke über den Himmlischen Fluß gebildet haben, und die Regentropfen sind die Tränen des Paares, welche sie verweinen, weil sie sich nicht treffen können. Hierher rührt die etwas willkürlich erscheinende Bemerkung am Ende der Legende, daß die beiden um gutes Wetter bitten.

In Japan nennt sich dieser Tag "Tanabata" oder "Tanabata-Suma". Man schmückt das Hausdach mit frisch geschnittenem Bambus. In diesem befestigt man Papierstreifen in 5 oder 7 verschiedenen Farben, auf denen Gedichte zu Ehren der beiden Liebenden stehen. Nach dem Feiertag wirft man den Bambus samt Papierstreifen und Gedichten in den nächstliegenden Fluß. Heutzutage wird dieser Brauch natürlich nur noch auf dem Land oder in Kindergärten gepflegt. Weitere Informationen zum Tanabata findet man in the Romance of the Milky Way.

Der "Himmlische Fluß" ist die Milchstraße, und die beiden Liebenden werden als die Sterne Altair (im Sternbild Adler) und Vega (in der Leier), die auf verschiedenen Seiten der Milchstraße liegen, interpretiert. Nach chinesischer Sicht lagen diese beiden Sterne auch in den Sternbildern "Weberin" und "Kuhhirte". Natürlich verändert sich die relative Position der Sterne zueinander im Laufe des Jahres um keinen Deut.

Wenn man früher an diesem Tag den Göttern Opfer dargebracht hat, dann hat man immer 7 kleinere Opfer gemacht. Die Zahl 7 kommt in der Legende häufiger vor. Ein anderer Brauch war es, an diesem Tag kleine Menschen- oder Vogel-Figuren aus Stroh in einen Fluß zu setzen. Dieser symbolisierte dann die Milchstraße.

Die Elster und die Glocke

Die folgende Geschichte stammt aus Korea:

Vor langer langer Zeit lebte einmal ein Mann in einer kleinen Stadt, die ganz von Bergen umgeben war. Da er Staatsbeamter werden wollte, hatte er viele Jahre gelernt. Und schließlich brach er zu der langen Reise in die Hauptstadt auf, um dort das Staats-Examen "Kwa-go" abzulegen. Nachdem er nun so lange dafür gelernt hatte, war er sehr aufgeregt. Doch bis zur Hauptstadt war es weit, und er wanderte viele Tage vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Er kam durch zahlreiche Dörfer und Städte, durchwanderte Wälder und überquerte Bergpässe, denn er wollte sein Ziel so schnell wie möglich erreichen.

Eines Tages -er war wieder einmal sehr früh aufgebrochen- ging er mehrere Stunden durch sehr einsames Bergland. Als er gerade um einen dichten Busch gehen wollte, hörte er die verzweifelten Schreie eines Vogels: "K-a-h! Kah! Kah! Kah! K-a-h!, K-a-h!" Er dachte, daß diesem Vogel etwas schreckliches geschah, und so lief er zu der Stelle, wo er ihn gehört hatte, direkt unter einer großen Kiefer. Die Schreie kamen aus einem Elstern-Nest im Wipfel des Baumes. Er schaute den Baum hinauf und sah, daß dort eine große Schlange dabei war, die Elstern-Jungen in ihrem Nest zu fressen. Mit dem Bogen, den auf auf seinem Rücken trug, schoß er nach der Schlange. Er traf, und sie fiel auf den Boden. Dies alles geschah in nur wenigen Augenblicken.

Zufrieden, daß er die jungen Vögel vor der Schlange gerettet hatte, setzte der junge Mann seinen Weg fort. Er ging und ging und bemerkte gar nicht, daß es langsam dunkel wurde. Er war aber nun weit in den Bergen abseits jeglicher Siedlung, und bald wurde es so dunkel, daß er nichts mehr sehen konnte, als den klaren Nachthimmel, der durch die dunklen Bäume schien. Er war nun erschöpft und hungrig. "Wo soll ich die Nacht verbringen?" fragte er sich. Er schaute sich um, weil er hoffte, einen Unterschlupf zu entdecken. Und da sah er in einiger Entfernung das schwache Licht einer Lampe leuchten. All seine Kraft zusammennehmend stolperte er vorwärts auf dieses Licht zu.

Wer hätte schon erwarten können, mitten im Gebirge einen so großen Hof zu finden? "Hallo! ...ist jemand hier?" rief er und klopfte an die Tür. "Hallo!" Nach einer Weile wurde die Tür von einem schönen jungen Mädchen geöffnet. "Ich war auf dem Weg nach Seoul, um dort die Staatsexamensprüfung abzulegen, als es dunkel wurde. Wäre es möglich, daß ich die Nacht hier verbringen darf?" fragte er.

"Oh, natürlich, kommt nur herein! Ihr müßt sehr hungrig und müde sein. Ich werde Euch etwas zu essen machen." Und schon nach kurzer Zeit kam das Mädchen mit allerlei Delikatessen zurück. Unser Wanderer aß, und dann fiel er, weil er sehr müde war, in einen tiefen Schlaf.

Plötzlich wachte er mit dem Gefühl auf, zu ersticken. Er sah, daß sich eine riesige Schlange um seinen ganzen Körper gewickelt hatte. Er wollte um Hilfe rufen, aber er konnte kaum atmen.

"Es hat keine Zweck, zu schreien, mein Junge. Keiner ist hier, der dich retten könnte. Nur ich habe auf dich gewartet." Der junge Mann erkannte, daß das schöne Mädchen, welches ihn bewirtet hatte, in Wirklichkeit eine Schlange war. "Du bist mein Feind," sagte sie, "Und du hast nicht wirklich geglaubt, daß du die Berge einfach so verlassen könntest, oder?"

"Dein Feind? Was habe ich gemacht, daß du mich als Feind betrachtest?"

"Das weißt du nicht? Dann werde ich es dir sagen."

Die Schlangen-Frau erzählte ihm, daß die Schlange, die er früher an diesem Tag geschossen hatte, ihr Ehemann war, und daß sie ihn in dieses Haus gelockt hatte, um den Tod ihres Mannes zu rächen. Nun verstand der junge Mann, und er sagte sich, daß er in ernsthaften Schwierigkeiten war, aber daß noch eine kleine Hoffnung bestand.

Er bat sie mit zitternder Stimme: "Ich habe deinen Ehemann nicht getötet, weil ich ihn haßte. Ich habe es nur gemacht, weil ich Mitleid mit den kleinen Elstern hatte. Ich wollte weder dir noch deinem Mann etwas Böses, sondern war auf dem Weg nach Seoul, um dort meine Prüfungen abzulegen, für die ich nun 10 Jahre lang gelernt habe. Bitte behandle mich nicht als deinen Feind! Wenn du mein Leben verschonst, werde ich deine Nachsichtigkeit niemals vergessen."

Aber die Schlange hörte nicht auf sein Bitten. Statt dessen würgte sie ihn noch stärker, so daß er kaum noch atmen konnte. Abermals bat er mit Tränen in den Augen um Gnade.

"Also gut," sagte schließlich die Schlange, "Ich werde dir dein Leben schenken, wenn du mir einen Wunsch erfüllst."

"Ja, das werde ich. Sag mir nur, welches dein Wunsch ist!"

"Gut! Hör genau zu! Tief im Gebirge gibt es einen alten Tempel, in dem aber niemand mehr wohnt. In diesem Tempel hängt noch eine große Glocke. Wenn du diese Glocke dreimal anschlägst, dann werde ich dich gehen lassen."

"Nun, das kann nicht allzu schwierig sein."

"Warte, mein Junge! Nicht so voreilig! Du mußt die Glocke von hier aus anschlagen! Von genau hier, wo du jetzt liegst!" Weiterhin erzählte die Schlange ihm, daß, wenn er die Glocke anschlagen würde, sie sich in einen Drachen verwandeln würde und in den Himmel aufsteigen könne. Dies wäre das einzige, was nun noch sein Leben retten könne.

Der junge Mann sah nun, daß es für ihn unmöglich war, die Aufgabe zu erfüllen. "Es wäre schon keine einfache Sache, in stockfinstrer Nacht einen alten Tempel im Gebirge zu finden," sagte er sich, "Aber die Glocke von hier aus, als Gefangener, anzuschlagen, das ist unmöglich." Resigniert schloß er die Augen, um sich seinem Schicksal zu ergeben.

Eine Weile war alles ganz still. Aber dann wurde die Stille plötzlich vom Klingen einer hellen Glocke durchbrochen: "Ding.... Ding.... Ding..." Genau drei Glockenschläge erklangen in der ruhigen Nachtluft. Sobald die Schlange dies gehört hatte, ließ sie den jungen Mann los und flog in den dunklen Himmel auf. In dem Moment verschwand auch das große, elegante Haus, so wie sich Rauch in der Luft auflöst.

Das alles war so schnell gegangen, daß der junge Mann ganz erstaunt war. "Was für ein seltsames Ereignis!" sagte er sich, "Wer hat wohl die Glocke angeschlagen?" Es dauerte nicht lange, dann kam die Morgendämmerung, und immer noch ganz verwirrt, machte er sich auf, um den Tempel zu suchen. Nach einigen Stunden des Weges fand er schließlich die Ruinen des Tempels, in deren Mitte der noch intakte Glockenturm aufragte. Unter der Glocke lagen drei blutüberströmte tote Elstern. Ihre Schnäbel und Schädel waren zertrümmert worden, als sie damit die Glocke zum klingen gebracht hatten, um sein Leben zu retten.

In dieser Geschichte repräsentieren die Elstern die Schwachen und Wehrlosen, die Schlangen die Starken, die die Schwachen tyrannisieren. Der junge Mann verkörpert die Aufrichtigkeit.

In Korea wird den Elstern normalerweise eine Art vorherseherischer Instinkt nachgesagt. Insbesondere kündigen sie an, daß man in näherer Zukunft Besuch bekommen wird, wenn sie in der Nähe des Hauses lauthals schäckern.

Interessanterweise kommt die Elster in Korea oft in Gesellschaft des Tigers vor. Diese beiden bilden häufig ein Paar komplementärer Metaphern:

TigerElster
Adel/Aristokratie"einfache" Menschen
ungestüme Naturgewaltenstädtisch und dörflich geprägtes Leben
Erde, NaturgewaltenHimmel, göttliche Gewalt
Glückgute Botschaften, gute Gäste

Das Elstern-Nest

In dieser Fabel wird erklärt, warum die Elster schönere Nester bauen kann, als alle anderen Vögel.

Eines Tages kamen alle Vögel des Himmels zur Elster und baten sie, ihnen zu lehren, wie man ein Nest baut. Die Elster ist nämlich der schlauste der Vögel, wenn es darum geht, Nester zu bauen. Also versammelte die Elster die anderen um sich, um es ihnen zu zeigen. Als erstes nahm sie etwas Lehm und machte eine Art runden Kuchen daraus.

"Ah, so wird das also gemacht," sagte die Drossel und flog davon. Und deshalb bauen Drosseln bis heute auf diese Weise ihr Nest.

Dann nahm die Elster Zweige und ordnete sie um den Lehm herum an.

"Nun, jetzt habe ich wohl alles gesehen," sagte die Amsel und flog davon. Und bis heute bauen Amseln ihr Nest auf diese Weise.

Die Elster setzte über die Zweige eine weitere Schicht aus Lehm.

"Ah, das war ja offensichtlich", sagte die weise Eule und flog davon. Und Eulen machen seitdem keine Nester, die besser als dieses sind.

Nun nahm die Elster wieder einige Zweige und schlang sie um die Außenseite des Nests.

"Das ist aber nett, " rief der Spatz und flog davon. Und deshalb machen Spatzen bis heute recht schlampige Nester aus einigen Zweigen.

Als nächstes nahm die Elster einige Federn und andere weiche Sachen und polsterte das Nest damit bequem aus.

"Das finde ich gut!" schrie der Star und flog davon. Und deshalb haben Stare bis heute sehr gemütliche Nester.

Und so ging es nun immer weiter, und jeder Vogel nahm ein wenig von dem Wissen der Elster, wie man ein Nest baut, mit. Aber kein Vogel wartete bis zum Ende.

Inzwischen arbeitete und schaffte die Elster ohne auch nur ein einziges mal aufzuschauen. Und schließlich war nur noch ein einziger anderer Vogel geblieben, nämlich die Turteltaube. Aber diese hatte überhaupt nicht aufgepaßt, sondern stattdessen die ganze Zeit ihren dümmlichen Ruf "Nimm zwei, Duu! Nimm zwei, Duuuuu-uu!" gerufen.

Als die Elster nun fast fertig war und gerade einen Zweig über das Nest legen wollte, hörte sie die Taube, und sie sagte: "Nein! Einer ist genug."

Aber die Taube sagte immer wieder: "Nimm zwei, Du! Duuu-uu!"

Die Elster wurde nun ärgerlich und sagte: "Nein! Einer reicht! Das sagte ich dir doch schon."

Aber immer noch schrie die Taube: "Duuu! Nimm zwei, Duuu-uu!"

Da schaute die Elster von ihrem Nest auf und sah, daß keiner mehr da war, außer der Taube. Nun wurde sie richtig ärgerlich, flog davon und weigerte sich ab da, den anderen Vögeln zu zeigen, wie man ein Nest baut.

Und so kam es, daß alle Vögel ihr Nest unterschiedlich bauen.

Ich weiß nicht genau, wo diese Fabel herkommt. Es gibt eine ähnliche Version namens "Die Elster und die Taube" in Aesops Fabeln. Dort bittet die Taube die Elster, ihr zu zeigen, wie man ein Nest baut. Doch egal, was die Elster macht, jedesmal sagt die Taube: "Aber das wußte ich doch schon." Schließlich wird auch hier die Elster ärgerlich: "Wenn du schon alles weißt, dann kannst du ja dein Nest selber bauen." Und deshalb müssen die Tauben weiterhin in dreckigen Mulden brüten, während die Elstern kunstvolle Nester bauen.

Der Fuchs und die Elster

In dieser Fabel ist die Elster ein Sinnbild für Leute, die sich am liebsten selber reden hören, und die meinen, alles zu wissen und zu können, auch wenn sie in Wirklichkeit keine Ahnung haben.


Zur Elster sprach der Fuchs: "O, wenn ich fragen mag,
Was sprichst du doch den ganzen Tag?
Du sprichst wohl von besondern Dingen?"
"Die Wahrheit", rief sie, "breit ich aus.
Was keines weiß herauszubringen,
Bring ich durch meinen Fleiß heraus,
Vom Adler bis zur Fledermaus."
"Dürft ich", versetzt der Fuchs, "mit Bitten dich beschweren:
So wünscht ich mir, etwas von deiner Kunst zu hören."

So wie ein weiser Arzt, der auf der Bühne steht,
Und seine Künste rühmt, bald vor, bald rückwärts geht,
Ein seidnes Schnupftuch nimmt, sich räuspert, und dann spricht:
So lief die Elster auch den Ast bald auf, bald nieder,
Und strich an einem Zweig den Schnabel hin und wieder,
Und macht ein sehr gelehrt Gesicht.
Drauf fängt sie ernsthaft an, und spricht:
"Ich diene gern mit meinen Gaben,
Denn ich behalte nichts für mich.
Nicht wahr, Sie denken doch, daß Sie vier Füße haben?
Allein, Herr Fuchs, Sie irren sich.
Nur zugehört! Sie werdens finden,
Denn ich beweis es gleich mit Gründen.

Ihr Fuß bewegt sich, wenn er geht,
Und er bewegt sich nicht, solang er stillesteht;
Doch merken Sie, was ich itzt sagen werde,
Denn dieses ist es noch nicht ganz.
Sooft Ihr Fuß nur geht, so geht er auf der Erde.
Betrachten Sie nun Ihren Schwanz.
Sie sehen, wenn Ihr Fuß sich reget,
Daß auch Ihr Schwanz sich mit beweget;
Itzt ist Ihr Fuß bald hier, bald dort,
Und so geht auch Ihr Schwanz mit auf der Erde fort,
Sooft Sie nach den Hühnern reisen.
Daraus zieh ich nunmehr den Schluß:
Ihr Schwanz, das sei Ihr fünfter Fuß;
Und dies, Herr Fuchs, war zu beweisen."


Ja, dieses hat uns noch gefehlt!
Wie freu ich mich, daß es bei Tieren
Auch große Geister gibt, die alles demonstrieren!
Mir hats der Fuchs für ganz gewiß erzählt.
"Je minder sie verstehn", sprach dieses schlaue Vieh,
"Um desto mehr beweisen sie."

Vielen Dank dafür an Andrea Möhlmann. (Ursprüngliche Quelle: Christian Fürchtegott Gellert?)

Die Elster und der Teufel

Hierzu habe ich keine ausformulierte Geschichte gefunden, aber es scheint eine zu geben. Auch sie erklärt die auffällig schwarz-weiße Färbung der Elster:

Früher erzählte man sich, daß die Elster ganz weiß gewesen sein soll und friedlich bei den Menschen im Garten Eden gelebt haben. Nach dem Sündenfall wollte der Teufel sie greifen, aber sie entkam ihm, und an den Stellen, die er berührt hatte, färbten sich ihre federn schwarz. Seitdem ist ihr Wesen ein diebisches, und sie trägt alles Blanke und Glitzernde, dessen sie habhaft werden kann, in ihr Nest. Auf dem Lande glaubte man sogar, daß sie durch offene Fenster fliegt und in die Wohnungen eindringt, um zu stehlen. Deshalb ließen die Bauern nicht gern ihre Fenster offen stehen. Auch ihr kreischendes Geschrei ähnelt dem satanischen Lachen des Teufels.

Quelle: http://www.wetter-mensch-natur.de/wetter/monate/april.htm (leicht abgewandelt).

by Michael Becker, 9/2001. Letzte Änderung: 9/2003.