Nahrung und Nahrungserwerb

Nahrung

Elstern sind Allesfresser. Ihre Nahrung ist ungefähr zur Hälfte tierische Nahrung. Diese besteht zum größten Teil aus Insekten und anderen Wirbellosen wie Regenwürmern und Schnecken (während der Brutzeit ca. 95%). Nicht verschmäht werden aber auch kleine Wirbeltiere bis ungefähr zur Größe einer Feldmaus, darunter Nestlinge und Kleinvögel, Kleinsäuger und Echsen. Ebenso plündern Elstern Gelege anderer Vögel oder plündern die Nahrungsdepots von anderen Vögeln wie Würgern. Außerdem fressen sie ganzjährig Aas, insbesondere von Verkehrsopfern.

Beim Auffinden fremder Gelege, und auch bei der Jagd nach Kleintieren sind Elstern recht geschickt. Letzteres geschieht auf dem Boden, also nicht wie bei Raubvögeln durch einen überraschenden Anflug.

In besiedelten Gebieten machen sich Elstern über Kompost- und Abfallhäufen her und fressen Fleischreste, Brot, Teigwaren, Käse, Eierschalen usw.. Solche Nahrung kann bei Stadtelstern rund die Hälfte der gesamten Nahrung ausmachen.

Insbesondere im Herbst und im Frühjahr wird diese tierische Nahrung ergänzt durch Früchte und Samen (Getreide, insbesondere Weizen und Mais, Hülsenfrüchte, Eicheln, Nüsse, Bucheckern usw.).

Zu welchen Teilen die Vögel sich von welcher Nahrung ernähren, schwankt jahreszeitlich bedingt und individuell bedingt sehr stark, weshalb ich hier auf eine Aufschlüsselung nach Prozenten verzichte. Elstern richten sich sehr stark nach dem aktuellen Angebot. Liegt im Revier z.B. ein ungespritztes Kartoffelfeld, so kann die Ernährung auf fast 100% Kartoffelkäfer umgestellt werden. Hat eine Elster erst einmal zwei Amselnester geplündert, so hat sie "einen Blick für Amselnester" bekommen. Bei innerstädtisch lebenden Elstern beträgt der durchschnittliche Anteil an Kleinvögeln in der Nahrung 5-8%.

Im Gegensatz zu den erwachsenen Vögeln werden die Jungen fast ausschließlich mit tierischer Nahrung gefüttert. Auch hier werden größtenteils Insekten und Insektenlarven verfüttert.

Nahrungssuche

Während der Nahrungssuche befindet sich die Elster meistens auf dem Boden, wo sie Kleintiere und Insekten jagt, indem sie ihnen hinterherhüpft oder rennt. Ebenso werden kleine Steine (bis zur Größer einer Faust) oder Grasbüschel umgedreht, mit dem Schnabel im Boden gestochen oder mit den Füßen gescharrt.

Regelmäßig werden Straßenränder und Bahntrassen, ebenso wie Ufer von Gewässern oder Pausenhöfe von Schulen nach Abfall und Aas abgesucht. Die Rabenvögel und darunter insbesondere die Elster bewegt sich ohne Scheu vor den Autos auf den Standstreifen der Autobahnen. Ihr Hauptinteresse gilt dabei kleinem Aas, aber auch größere tote Tiere werden nicht verschmäht. Diesen hackt die Elster meist zuerst die Augen aus.

Selten werden bei günstiger Gelegenheit sogar Fische im Flug aus dem Wasser gefischt.

Auf dem Land pickt die Elster häufig auch Ungeziefer von Schafen oder Rindern. Manchmal lassen die Weidetiere die Elster sogar ihre Augenwinkel nach Ungeziefer absuchen.

Beim Auffinden von fremden Nestern ist die Elster relativ geschickt. Ornithologen haben so beobachtet, daß einzelne Elstern sie erkannten und ihnen bei ihren Rundgängen, die sie zu allen möglichen Brutplätzen führten, folgten.

Bei der Ernte von Früchten haben Elstern wegen ihrem Gewicht häufig Probleme.

Insgesamt kann man wohl sagen, daß die Elstern beim Nahrungserwerb typische Opportunisten sind: Sie nehmen, was gerade verfügbar ist. Und genauso verhalten sie sich auch: Sie streifen umher und warten auf sich bietende Gelegenheiten.

Nahrungsaufnahme

Elster beim Fressen eines Vogels

Elster beim Fressen eines Vogels.

Insekten werden meist als ganzes verschlungen. Wespen vorher gründlichst mit dem Schnabel zerquetscht.

Größere Tiere werden durch ein oder durch beide Füße am Boden festgehalten. Zunächst werden sie durch Schnabelhiebe, meist gegen den Rumpf, oder durch das Schleudern gegen harte Gegenstände getötet. Kleinvögel werden vor dem Fressen säuberlich gerupft.

Unverdauliches wird in Form von Speiballen wieder ausgeschieden.

Nahrungsspeicherung

Elstern legen das ganze Jahr über, selbst während der Großzucht der Jungen, Nahrungsdepots an. Versteckt werden vor allem Objekte aus dem Umfeld des Menschen (Tierfutter, Kompost und Abfälle, Hundekot, Pflanzenzwiebeln), seltener Eicheln oder Aas.

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort zum Verstecken der Nahrung achtet die Elstern auf anwesende Krähen, denn diese vor allem plündern Elsterndepots. Schließlich wird mit dem Schnabel ein kleines Loch ins Gras geschlagen, die Nahrung dort hineingelegt, und das Loch dann wieder mit Erde und Pflanzen zugedeckt. In städtischen Bereichen wird die Nahrung auch unter Dachziegeln u.a. versteckt.

Im Gegensatz zu den Hähern scheint die Elstern ihre Vorräte aber nur relativ kurzfristig zu benutzen. Meist werden die Depots innerhalb von 10 Tagen wieder ausgehoben. Dafür scheint sie sich aber an alle Verstecke genau erinnern zu können.

Dieses Verhalten des Sammelns und Versteckens wird auch an anderen Gegenständen praktiziert. Deshalb werden Elstern auch häufig als diebisch bezeichnet. Ein ganz klein bißchen mehr Informationen darüber findet man in der Datei über von Elstern angerichtete Schäden.

Nahrungserwerb und Intelligenz

Im Allgemeinen nimmt man an, daß der recht vielfältige Nahrungserwerb von Elstern (oder allgemeiner von Rabenvögeln) mit ein Grund dafür war, daß eine höhere Intelligenz für diese Tiere vorteilhaft ist. Aus diesem Grund habe ich einen kurzen Abschnitt darüber in dieser Datei eingefügt.

Intelligenz bei Tieren zu beurteilen, ist oft nicht einfach, da viele Verhaltensweisen auf den ersten Blick intelligent erscheinen, sich bei genauerer Untersuchung dann aber als instinktiv durchgeführt herausstellen. In diesem Fall werden solche Verhaltensweisen auch dann durchgeführt, wenn sie aufgrund der Umstände eigentlich sinnlos sind.

Konkrete Untersuchungen über die Intelligenz von Elstern wurden an der Ruhr-Universität in Bochum durchgeführt, wo man ihre Objektpermanenz getestet hat. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, sich an nicht sichtbare Objekte zu erinnern oder ihre Existenz zu folgern. Die Objekt-Permanenz wird in Stufen bis zur Stufe 6 gemessen, bei der die Tiere die Ortsverlagerung eines Objektes, welches nicht permanent zu sehen war, nachvollziehen. Im allgemeinen erwartet man von Tieren, die Nahrung verstecken und horten eine hohe Objektpermanenz. Elstern erreichten dann auch in der Tat die höchste Stufe 6.

Außerdem wurden noch Spiegelexperimente durchgeführt. Und auch hier sieht es so aus, als würden Elstern sich im Spiegel selber erkennen, und das Spiegelbild nicht für einen Artgenossen halten.

Von der Pressestelle der Ruhr-Universität ist die gesamte Untersuchung unter dem Titel Sich selbst vis-à-vis: Was Elstern wahrnehmen im Netz veröffentlicht worden.

Intelligenz ist nicht nur praktisch, um sich an versteckte Nahrungsvorräte zu erinnern, sondern auch beim Plündern von Nestern. Hier gehen Elstern häufig mit einer Perfidie ans Werk, die man normalerweise nur uns Menschen zutrauen würde.

by Michael Becker, 3/1999. Letzte Änderung: 6/2001.