Lautäußerungen

Elstern haben ein weites Stimmspektrum. Sie sind auch in der Lage, die Laute anderer Tierarten täuschend echt nachzuahmen. Aus diesen Gründen ist es schwierig, die Lautäußerungen der Elster schriftlich zu beschreiben.

Schäckern

Am bekanntesten ist das sog. "Schäckern" oder "Schackern", ein mehr oder weniger schnell aufeinanderfolgendes leicht krächzendes "schäck-schäck-schäck-schäk" (im englischsprachigen Raum schreibt man "mag-mag-mag-mag").

Das Schäckern wird vor allem von den Reviervögeln vorgetragen, wenn jemand in ihr Revier eindringt, aber auch von Nichtbrütern, wenn Gefahr droht. Es dient also als Warn- und Alarmruf. Es kann, wenn man im Revier stehenbleibt, umermüdlich und in wachsender Lautstärke vorgetragen werden.

Geschäckert wird außerdem beim Angriff auf Reviereindringlinge, wie z.B. beim Hassen auf Raubvögel.

Das Schäckern wird um so schneller und abgehackter, je größer die Erregung der Tiere ist. Bei langsamem Schäckern suchen anwesende Vögel die Gefahrenquellen, bei schnellem Schäckern fliehen sie meist sofort.

Bettelrufe

Der Bettelruf des Weibchens klingt ähnlich wie der Standortruf der Jungvögel. Er wird vom Weibchen auch häufig als allgemeiner Kontaktruf gebraucht.

Die Nestlinge betteln mit einem hohen kreischenden "twiit".

Der Standortruf der Jungvögel

Nachdem sie ca. 3-4 Wochen alt sind, melden sich die Jungvögel bei ihren Eltern durch einen zweisilbigen Ruf, der ähnlich wie "jschiejäk", "tschjuk" oder "tschjuk-juk" klingt. Mit diesem soll den Eltern vermutlich der Standort des Jungvogels mitgeteilt werden und sie herbeirufen.

Nach der Absonderung der Vögel von den Eltern wird dieser Ruf nicht mehr benutzt.

Schwatzen und Plaudern

Verpaarte Vögel lassen häufig ein leises an den Partner gerichtetes Plaudern hören. Dieses dient vermutlich nur der Festigung der Partnerschaft. Man findet dieses Verhalten bei allen Rabenvögeln.

Dieser Plaudergesang variiert individuell und zeitlich sehr stark. Er kann mal eher rhythmisch sein, mal ein arhythmisches Geplauder. Oft enthält er auch weiche Trillerlaute und hohes Pfeifen. Einzelne Vögel bauen die Imitationen anderer Tiere (Singvögel, Heuschrecken) ein. In menschlicher Obhut aufgewachsene Elstern imitieren auch menschliches Pfeifen, Lachen oder einzelne Worte.

Vermutlich wegen diesem Plaudergesang steht die Elster im Ruf, klug zu sein, hat aber auch den Beinamen "geschwätzig" bekommen.

Reviermarkierung

Wie im Abschnitt über das Territorialverhalten bereits vermerkt, gibt es bei den Elstern einen besonderen Ruf, mit dem Paare ihr Revier für sich reklamieren. Er klingt ungefähr wie "kia" oder "kjää".

Die Vögel präsentieren sich dabei oft in der Mitte des Reviers gut sichtbar auf den höchsten Zweigen eines Baumes.

Weitere Lautäußerungen

Es ist nicht verwunderlich, daß es noch eine ganze Reihe weiterer lautlicher Äußerungen gibt, die ich nicht alle wiedergeben kann. Am häufigsten hört man noch ein langgezogenes "tschark", "tschirk", "tschirrl" oder "tschrara". Dieses kann je nach Intonation (weich, hart, lang, kurz) verschiedene Bedeutungen haben. So kann es als Angriffsruf gerufen werden, aber auch bei der Flucht, oder im Flug als Aufforderung an den Partner, mitzufliegen.

by Michael Becker, 3/1999. Letzte Änderung: 3/1999.