Sexual- und Territorial-Verhalten

Elstern leben in zwei verschiedenen Sozialformen. Einerseits leben Brutpaare während der Brutsaison in ihren eigenen Revieren, abseits von anderen Vögeln. Im Winter dagegen bilden Elstern insbesondere an geeigneten Schlafplätzen Scharen von einem Dutzend bis zu ca. 100 Vögeln. Nichtbrüter schließen sich auch im Sommer zu solchen Scharen mit bis zu 13 Vögeln zusammen.

Geschlechtsreife

Elstern werden bereits im ersten Herbst ihres Lebens geschlechtsreif. Sie schließen sich dann einer Nichtbrüter-Gemeinschaft an. Nicht alle Elstern verpaaren sich in dieser Zeit schon. Nur knapp die Hälfte der Männchen und gut die Hälfte der Weibchen brütet im Frühling des nächsten Jahres.

Paarbildung

Elstern leben in lebenslanger Monogamie. Lebenslang bedeutet hier: Solange beide Partner am Leben sind. Stirbt einer der Partner, so wird er selbst in der Brutsaison meistens schnell durch einen partnerlosen einjährigen Vogel ersetzt. Bei wiederholt erfolglosen Bruten kann es ebenfalls zu einem Partnerwechsel kommen.

Die Verpaarung der Elstern geschieht relativ unauffällig im Herbst in der Nichtbrütergemeinschaft. Die künftigen Partner verbringen mehr und mehr Zeit miteinander und bilden schließlich ein Paar. Besondere Verhaltensweisen sind dabei bisher nicht beobachtet worden. Auch Umpaarungen geschehen ähnlich unauffällig.

Verpaarte Vögel beginnen bereits im Herbst, gemeinsam mögliche Brutplätze zu inspizieren. Ansonsten sind sie genau wie die anderen Vögel alleine auf Nahrungssuche.

Hat ein Elsternpaar erst einmal ein Revier gewählt, so bleibt es diesem, sofern die Bruten erfolgreich verlaufen, Zeit seines Lebens treu. Elstern sind also ausgesprochen standorttreue Vögel.

Nistplatzwahl

Genau wie bei neuverpaarten Vögeln beginnt die Inspektion der möglichen Nistplätze bei alten Paaren oft bereits im Oktober. Die Inspektionen dauern den Winter über an: Das Paar überprüft alte Nester, indem es darin herumwerkelt. Trockenheit und Temperaturen unter -4°C scheinen dabei insbesondere auf das Männchen aktivierend zu wirken.

Mögliche Nistplätze werden durch das Weibchen häufig durch Flügelzittern (Betteln) angezeigt, durch beide Vögel manchmal durch Schackern oder einen speziellen Nestruf, durch Schwanzzittern, blinken oder flaggen.

Bereits im Januar kann es zu "Grundsteinlegungen" kommen. Der eigentliche Nestbau beginnt aber in Mitteleuropa erst Mitte Februar. Bei neuvermählten Paaren beginnt der Nestbau mit ausgedehntem Balzen. Altvermählte Paare scheinen dagegen direkt zum Nestbau zu schreiten.

Als Nistplätze werden zwei Orte bevorzugt. Einerseits werden die Nester häufig in die schwer zugänglichen obersten Zweige von hohen Laubbäumen gebaut (in einer Höhe von 12-30m)). Dort sind sie zwar gut sichtbar, aber kaum zu erreichen. Ein solcher Ort wird von den Elstern in städtischen Gebieten gerne gewählt. Die Baumart scheint bei der Nistplatzwahl keine große Rolle zu spielen. In Skandinavien werden z.B. Nadelbäume bebaut, in Mitteleuropa meist hohe Laubbäume wie Pappeln. Wichtig scheint zu sein, daß die Vögel von ihrem Nest einen guten Überblick über die Umgebung haben.

Andererseits bauen Elstern auch niedrige Nester in dichtem dornigen Gebüsch oder in dornigen Hecken (in einer Höhe von 3-4m, in baumarmen Gebieten sogar oft nur wenige Zentimeter über dem Boden). Und zwar wird ein solcher Ort hauptsächlich von auf dem Land lebenden Elstern gewählt, selbst wenn dort geeignete hohe Bäume vorhanden sind.

Selten, aber lokal gehäuft, werden auch andere Standorte wie Stahlgitterkonstruktionen, Eisenbahn-Leitungsmasten etc. als Nistplätze gewählt.

Der größte Nestplünderer von Elstern-Nestern ist die Aaskrähe (Corvus corone, vertreten durch die beiden Unterarten Rabenkrähe und Nebelkrähe). Wird ein Paar beim Nestbau durch Aaskrähen belästigt, legt es an anderer Stelle ein neues Nest an.

Das Nest

Querschnitt durch ein Elsternnest

Querschnitt durch ein Elsternnest: Nistmulde (grün) aus feinem Wurzelwerk, Unterbau der Nistmulde (gelb) aus feiner Erde und feinen Zweigen. Darum ein sparriger Bau aus Zweigen und Ästen.

Das Nest sieht von außen relativ lose und schlampig aus, ist aber sorgfältig zusammengebaut. Es besteht aus einer Außenhülle und einer Haube aus groben Zweigen, und einer napfförmigen, feinen Nestmulde.

Beide Vögel sind ungefähr zu gleichen Teilen in den Nestbau involviert. Dabei ist das Männchen hauptsächlich mit der Heranschaffung neuen Baumaterials beschäftigt, das Weibchen mit der Verbauung dieses. Die mittlere Nestbaudauer beträgt 21d.

Der 35-75cm breite Außenbau besteht aus sparrigen, trockenen, oft verzweigten Zweigen, ungefähr in Bleistiftstärke. Das lose Aussehen des Außenbaus kommt vermutlich daher, daß die Enden der Zweige frei nach außen abstehen.

Der Unterbau der Nistmulde besteht aus feiner Erde, und feinen Reisern (in der Zeichnung gelb). Die Nestmulde selber (in der Zeichnung grün) wird aus feinem Wurzelwerk (selten wohl auch Tierhaaren, Fäden etc.) gebaut, welches zu einem einheitlichen Geflecht verarbeitet wird. Hierdurch entsteht eine gut wärmeisolierende Schicht, welche es der Elster erlaubt, selbst in sehr strengem Klima früh zu brüten. Die Zeichnung habe ich nur sehr schlampig nach dieser Beschreibung angefertigt.

Die Nistmulde hat einen Durchmesser von ca. 135mm, und eine Tiefe von ca. 100mm.

Elsternnest

Elsternnest

Die meisten, aber nicht alle Nester besitzen einen haubenartigen Überbau, ebenfalls aus sparrigen Zweigen. Dieser hat einen, oft auch zwei seitliche Ausgänge. Das Fehlen der Haube scheint meist auf den Mangel an passendem Baumaterial oder der Unerfahrenheit des Paares zurückzugehen. Die Haube soll das Gelege insbesondere vor Übergriffen durch Krähen oder anderer Raubvögel schützen

Insgesamt ist das Elsternnest durch seine in Stadtgebieten exponierte Lage und seine charakteristische Form sofort von allen anderen Nestern zu unterscheiden.

Von einem Paar werden häufig mehrere Nester angefangen, insbesondere, wenn das Paar beim Bau eines Nestes gestört wird. Im Laufe ihres Zusammenseins werden oft viele Nester vollendet, auch wenn zum Brüten häufig alte Nester ausgebessert werden. Mit dem Bau der vielen Nester erfüllen die Elstern eine wichtige ökologische Funktion, denn einige andere Vogelarten wie Waldohreule, Turmfalke und Baumfalke benötigen verlassene Nester der Elster oder der Rabenkrähe zum Nisten.

Balz und Paarung

Vereinzelte Begattungen finden schon während des Nestbaus statt. Während der Legezeit in der zweiten Aprilhälfte (bei einer normalen Brut) vergrößert sich die Frequenz stark. Zu dieser Zeit wird auch das Bettelverhalten des Weibchens laut und auffällig.

Bei der Paarungsvorbereitung nähert sich das Männchen dem Weibchen von hinten oder kreisförmig mit hochgehaltenem oder vorgestrecktem Kopf, auf jeden Fall aber mit teilweise gespreiztem Gefieder. Welche Teile der Gefieders abgespreizt werden, darüber habe ich verschiedene Angaben gelesen. In [Bäh] ist es das Rückengefieder, in [Glu] das weiße Unterseitengefieder.

Außerdem kann das Männchen dabei leise singen. Es flaggt und blinkt. Das Weibchen duckt sich, wenn es paarungsbereit ist, gestreckt an den Boden und bettelt mit zitternden Flügeln.

Durch Betteln kann die Paarung auch vom Weibchen eingeleitet werden, auch wenn dies nicht die Regel ist.

Über die Anzahl der Begattungen während einer Saison schwanken meine Angaben zwischen "insgesamt nur ca. 3mal" bis zu "mehrmals täglich".

Die wichtigsten Balz-Rituale stelle ich im folgenden kurz zusammen.

Betteln

Elstern zeigen dasselbe Bettelverhalten wie andere Vögel auch. Meist bettelt das Weibchen, selten auch das Männchen.

Beim Betteln stellt sich das Weibchen geduckt oder hoch aufgerichtet vor das Männchen, streckt die angewinkelten Flügel ab und zittert damit. Dabei stößt es sehr hohe Bettelrufe aus und sperrt den Schnabel auf.

Das Männchen reagiert häufig mit dem Anlegen des Scheitelgefieders. (Dies ist ansonsten eine Agressionsgeste.)

Paarflug

Bei diesem bei vielen Rabenvögeln verbreiteten Verhalten fliegen die beiden Partner mit relativ synchronen Bewegungen umher, meist in dem für Elstern typischen wellenartigen Flug. Oft scheint es so, als würde das Männchen das Weibchen zum Nistplatz führen.

Blinken und Flaggen

Diese Verhaltensweisen dienen zur friedlichen Kommunikation zwischen den Partnern, können aber auch gehemmte Agressivität ausdrücken. Sie können sowohl vom Männchen wie vom Weibchen ausgeführt werden.

Der Vogel senkt dabei den Kopf und hebt die weiterhin geschlossenen Flügel schräg vom Rücken ab. Mit den Flügelfedern wird dabei gefächert. Gleichzeitig wird der Schwanz ruckartig nach oben und unten (beim Flaggen) oder nach links und rechts (beim Blinken) geschlagen, und ein weiches "tscha(r)k" ausgestoßen.

Bei agressivem Blinken und Flaggen ist die Schwanzbewegung stärker ausgeprägt, die Flügelbewegung schwächer und das Scheitelgefieder angelegt. Außerdem werden Kopf und Rumpf angehoben.

Eiablage, Eier und Bebrütung

Der Legebeginn schwankt selbst innerhalb Europas beträchlich. In Mitteleuropa liegt der durchschnittliche Legebeginn für Erstgelege am 8.April. Selbst in normalen Jahren können die Vögel aber auch schon bis zu einen Monat früher anfangen.

Wird ein Gelege vernichtet, so kann ein Elsternpaar ein Nachgelege (oder Ersatzgelege) produzieren. Wird dieses ebenfalls vernichtet kann sogar noch ein zweites Nachgelege und in Ausnahmefällen noch ein drittes gemacht werden.

In den Tagen der Eiablage ist der Zusammenhalt des Paares am stärksten. Die beiden Vögel trennen sich kaum. Dies stellt einerseits sicher, daß die Eier befruchtet sind, andererseits verhindert das Männchen dadurch auch, daß andere Männchen sein Weibchen begatten.

Das Gelege wird erst nach der Ablage des letzten Eis voll bebrütet. In der Zeit davor verbringt das Weibchen noch viel Zeit außerhalb des Nests. Es wird ungefähr jeden Tag ein Ei gelegt.

Die Eier sind oval, manchmal aber auch kurzoval, langoval oder spitzoval. Von der Farbe sind sie gewöhnlich blaßgrünlich bis lehmfarben. Sie sind von dichten bräunlichgrauen bis olivgrünen Flecken bedeckt. Die Farbe und Zeichnung kann aber in weiten Grenzen schwanken.

Die Eier sind ca. 33-34mm lang und 23-24mm breit. Das Frischvollgewicht beträgt ca. 8-12g.

Typische Gelegegrößen sind 4-7 Eier, bei sehr gutem Nahrungsangebot auch bis zu 12 Eier. Nachgelege, insbesondere die zweiten, sind i.A. kleiner als Erstgelege.

Während der Brutzeit erfüllen Männchen und Weibchen nun verschiedene Funktionen. Das Brüten übernimmt bei den allermeisten Pärchen ausschließlich das Weibchen. Das Männchen übernimmt die Bewachung und Verteidigung des Reviers und den größten Teil der Versorgung des Weibchens. Die Fütterung erfolgt dabei meist unter der Haube des Nest, so daß sie schlecht zu beobachten ist. Selten erfolgt sie vermutlich auch im Freien.

Das Verhalten der Vögel während der Brutzeit unterliegt allerdings erheblichen individuellen Schwankungen. Es gibt Männchen, die ihren Nistbereich eifersüchtigst bewachen und jeden Eindringling sofort durch Schackern melden. Bei anderen Paaren kann man an den Horst treten und dem Weibchen ins Gesicht schauen, ohne daß das Männchen sich meldet. Insgesamt scheinen die Vögel in Horstnähe auffallend still zu sein. Krähen werden grundsätzlich attackiert (sie sind potentielle Nesträuber). Kleinvögel und Tauben werden von manchen Paaren im Revier geduldet, von manchen aber auch nicht.

In Europa schlüpfen die Jungen 17-22Tage nach dem Legen des letzten Eis. Die Jungen schlüpfen normalerweise alle innerhalb von 2-4 Tagen.

Ungefähr die Hälfte aller Bruten ist erfolglos, da das Nest von Krähen, Habichten, Katzen oder Mardern geplündert wird, oder vom Mensch zerstört.

Entwicklung der Jungen

junge Elstern

Junge Elstern

Die Jungen sind in den ersten 4-8 Tagen blind. Sie werden zunächst vom Weibchen gehudert, und dieses wiederum wird vom Männchen gefüttert. Später werden sie von beiden Partnern gefüttert.

Das Gewicht der Jungvögel steigt in den ersten knapp 20 Tagen ungefähr linear auf rund 180g. Nach 24-30Tagen verlassen die Jungvögel das Nest. Der Zeitpunkt des ersten Ausfluges unterliegt aber wieder einmal erheblichen individuellen Schwankungen. Oft verlassen sogar Jungvögel noch ohne ausgewachsene Flügelfedern das Nest. Der Schwanz der Vögel erreicht erst im nächsten Jahr seine volle Länge.

Die Jungen sind nach dem Verlassen des Nestes zunächst noch sehr unbeholfen und werden von den Altvögeln im Revier weiterhin betreut. Während dieser Zeit reagieren die Altvögel auf alle Eindringlinge wie Menschen und Katzen mit lautem Schäckern. die Jungen melden sich mit einem typischen Jugendruf, der ungefähr wie "jschiejäk" klingt.

Bald fangen die Jungvögel an, auf eigene Faust Ausflüge in die nähere Umgebung zu machen, kehren aber immer wieder in das Revier ihrer Eltern zurück. Zu dieser Zeit verlassen auch die Eltern ihr Revier und folgen ihrem Nachwuchs.

Schließlich sondern sich die Jungvögel ganz von ihren Eltern ab und schließen sich anderen nichtbrütenden Artgenossen an. Die Eltern kehren dann in ihre Revier zurück. Die Jungvögel wandern allerdings selten weitere Strecken von ihrem Geburtsort weg. (Eine Ausnahme bilden hier Elstern, die weit im Norden zu Hause sind. Diese fliegen im Winter so weit nach südlich, wie es nötig ist.)

Territorialverhalten

Ein Revier zu besitzen ist für Elstern unbedingte Voraussetzung für eine Brut.

Territoriale Brutpaare überwachen ihr Revier ganzjährig, auch wenn sie sich im Winter zum Schlafen teilweise den Nichtbrütergemeinschaften anschließen, die zu dieser Zeit auf bis zu 150 Vögel anwachsen können. Die Vehemenz, mit der das Paar sein Revier verteidigt, hängt von der Jahreszeit ab. Besonders agressiv gegenüber Eindringlingen zeigt es sich während der Zeit der Eiablage und im Spätherbst. Daß die Vehemenz nach der Eiablage sofort nachläßt, läßt darauf schließlich, daß hierdurch hauptsächlich Seitensprünge verhindert werden sollen. Im Spätherbst, so vermute ich, versuchen neuverpaarte Vögel, sich ein Revier zu erobern. Gegen Aaskrähen werden die Nester ganzjährig verteidigt.

Die Reviermarkierung erfolgt durch Präsentation in einem gut sichtbaren Baumwipfel. Hierbei sitzen die Vögel (Männchen oder Weibchen, in den allermeisten Fällen aber beide gemeinsam) aufrecht mit hängendem Schwanz und plustern die weißen Gefiederteile auf. Dieses Verhalten wird bei Revierstreitigkeiten mit benachbarten Pärchen, aber auch gegenüber artfremden Tieren gezeigt.

Bei Revierstreitigkeiten lassen die Tiere typische Laute wie "kia" oder "kjää" hören. Oft bettelt das Weibchen demonstrativ oder schlüpft - nach Vollendung des Nestes - in dieses. Unter den Männchen kann es zu Tätlichkeiten und Luftkämpfen kommen, die sogar mit dem Tod des einen enden können. Aaskrähen werden vom Männchen ebenso angegriffen, wie manchmal sogar das eigene Spiegelbild oder sogar Elsternfedern.

In das Revier eindringende Weibchen werden vom revierbesitzenden Weibchen vertrieben. Wie sich das revierbesitzende Männchen verhält, hängt davon ab, ob sein Partner in Sicht- oder Hörweite ist. Ist dies der Fall, so vertreibt es das fremde Weibchen, ist dies dagegen nicht der Fall, umwirbt es es.

Die Größe der Reviere kann erheblich schwanken. Unter bestimmten Umständen können die Reviere so dicht liegen, daß der Eindruck entsteht, die Elstern würden in Kolonien brüten.

Für einen Jungvogel gibt es folgende grundsätzliche Möglichkeiten, ein Reviervogel zu werden: 1. das Ersetzen eines alten Brutvogels, der gestorben ist. 2. das Sich-Hineinquetschen zwischen zwei bestehende Reviere. Und 3. das Erobern eines Revieres. Hierbei fallen kleine Trupps von Nichtbrütern in ein bestehendes Revier ein. In aller Regel gelingt es zwar dem revierbesitzenden Männchen, die Eindringlinge zu vertreiben. Ist dies aber nicht der Fall, so übernimmt der ranghöchste Eindringling, in den meisten Fällen auch der Initiator des Einfalls, das Revier.

Verhalten in den Nichtbrüter- und Schlafgemeinschaften

Aufrechtdrohende Elster

Aufrechtdrohende Elster

Die nichtbrütenden Vögel schließen sich abends zu Schlafgemeinschaften zusammen, zu denen sich im Winter auch die verpaarten, revierbesitzenden Vögel gesellen. Die Schlafplätze befinden sich häufig an schwer zugänglichen Plätzen wie z.B. auf Weiden in Sumpfgebieten oder auf kleinen Inseln. Geeignete Schlafplätze werden viele Jahre lang von den Elstern besucht.

Die Schlafplätze können ein Einzugsgebiet von mehreren Kilometern haben. Das Einzugsgebiet wird allerdings dadurch in seiner Größe begrenzt, daß Elstern einen Flug über offene Flächen vermeiden. Im Winter können sich einige Hundert (meist aber 20-50) Vögel an solchen Schlafplätzen sammeln. Im Sommer dagegen sind es meist nur ein oder einige Dutzend, vermutlich hauptsächlich einjährige Vögel.

Tagsüber vagabundieren die Nichtbrüter, im Winter manchmal auch die verpaarten Vögel, in kleinen Trupps umher und suchen sich ihre Nahrung. Im Winter kann man kaum erkennen, welche Vögel ein Paar bilden. Erst im Frühjahr zeigen sich die Zusammengehörigkeiten deutlicher.

Innerhalb von Elsterngemeinschaften scheint es zwar keine sehr ausgeprägt Hierarchie zu geben, es gibt aber dominantere und weniger dominante Individuen, was sich z.B. bei Auseinandersetzungen um Nahrung (oder bei Nichtbrütern) um Reviere zeigt. Im allgemeinen dominieren Brutvögel über Nichtbrüter, Männchen über Weibchen. Vertrautheit mit dem Aufenthaltsort wirkt sich positiv auf die Dominanz aus.

Bei der Konkurrenz um Nahrung kommt es zwischen Elstern ungefähr gleichen sozialen Ranges zunächst zum Drohen. Dabei wird der Körper meist steil aufgerichtet und der Schnabel nach oben gestreckt ("Aufrechtdrohen"), manchmal auch flach waagerecht gestreckt ("Vorwärtsdrohen"). Weicht keiner der Vögel zurück, kommt es zu einem Kampf mit Schwanzzerren, Tritten, Verfolgungsflügen, Anspringen und Schnabelhieben, bei dem es auch zu Verletzungen kommen kann (Beschädigungskampf). Die Auseinandersetzungen sind aber weniger heftig als bei Revierkämpfen. Flügelblinken ist hierbei ein Ausdruck gehemmter Agression. Verpaarte Vögel konkurrieren nicht um Nahrung, teilen sie sogar manchmal.

Die Schwarmbildung hat vermutlich den Zweck, sich beim Nahrungserwerb gegen den Hauptkonkurrenten, die Aaskrähe, durchzusetzen. Hierbei können größere Trupps Nahrungsquellen länger verteidigen. Das Brutgeschäft muß dagegen in Gebieten verrichtet werden, in die die Aaskrähe nicht gerne zieht. Auch können größere Vögel wie große Möwen, Raben, Eulen, Mäusebussarde oder auch Eichhörnchen durch Schwanzzerren etc. von Elsterntrupps, nicht aber von Einzelvögeln vertrieben werden.


Vorwärtsdrohende Elster

Vorwärtsdrohende Elster

by Michael Becker, 3/1999. Letzte Änderung: 3/1999.