Homepage     Färöer(Titelseite)

Färingische Kultur


Sprache und Schrift

Das Färingische ist eine skandinavische Sprache, die aus dem Altnorwegisch der ersten wikingischen Siedler entstanden ist. Es ist sehr ähnlich dem Isländischen. Färinger und Isländer können sich ohne Probleme miteinander unterhalten.

Das älteste schriftliche Dokument stammt aus dem Jahr 1310. Die katholische Kirche benutzte das Färingisch für rechtliche und kirchliche Dokumente. Nach der Reformation der Inseln 1535 wurde von der protestantischen Kirche nur noch dänisch benutzt. Bis ins 19.Jh. fehlen deshalb jegliche schriftliche Dokumente, erst dann fing man an, sich wieder für die färingische Sprache zu interessieren, zunächst rein wissenschaftlich.

Noch im 19. Jh. wurden einzelne bis dato mündlich überlieferte Balladan niedergeschrieben (s. auch beim Kettentanz). Ein Problem dabei war aber, daß es zu dieser Zeit keine verbindliche Orthographie mehr gab. Außerdem hatten sich auf den einzelnen Inseln verschiedene Dialekte ausgebildet. An diesem Problem scheiterten auch die ersten Versuche, eine Orthographie einzuführen.

1846 hatte Venceslaus Ulricus Hammershaimb eine Rechtschreibung entwickelt, die stärker auf die norwegischen Wurzeln und das Isländische zurückgriff, und deshalb unabhängiger von den Einzeldialekten war. Diese ist heute noch gültig. Allerdings gibt es trotzdem für viele Wörter mehrere Schreibweisen.

Parallel zum Kontinent entwickelte sich auf auch den Färöern Ende des 19. Jh. eine nationale Bewegung, deren Ziel es u.a. war, Färingisch als Unterrichtssprache in den Schulen durchzusetzen. Da der dänische Staat jedoch dagegen war, dauerte dies noch bis ins 20. Jh.

Es gibt hier auch eher praktische Informationen zur Sprache.


Sport

Traut man dem, was in allen Reiseführern und Informationsbroschüren steht, ist der Nationalsport der Färöer das Rudern. Es wird in mehr oder weniger schweren, zweireihig besetzten Holzbooten gerudert. Die Ruderwettkämpfe bilden den sportlichen Höhepunkt des Olavsøkan Ich selber habe in meinem Urlaub aber keinen einzigen Ruderer gesehen.

Der wirkliche Nationalsport ist nämlich der Fußball. Fast jedes noch so kleine Dort hat einen eigenen Sportplatz und Fußballmannschaften in verschiedenen Altersklassen und beiden Geschlechtern. Wegen der nassen Witterung sind die Sportplätze mit Kunstrasen oder Gummi belegt. Lediglich in Klaksvik gibt es ein Stadion mit echtem Rasen, welches für WM-Klassifikationsspiele benutzt wird. Legendär auf den Färöern ist ein gegen Österreich gewonnenes Qualifikationsspiel.

Da die Anreise zu weiter entfernten Inseln oft recht langwierig ist, sind Mannschaften, die in der färingischen Liga auswärts antreten müssen, gezwungen, auch auswärts zu übernachten. Dies tun sie meist in den Jugendherbergen.

Weiterhin gibt es in überraschend vielen kleinen Ortschaften Schwimmbäder, obwohl es hier nicht wie auf Island warme Quellen gibt. Oft haben der Einfachheit halber alle Einwohner einen Schlüssel.


Der färingische Kettentanz (Føroyar Kvæði)

Der färingische Kettentanz zählt zu den ältesten europäischen Tanz- und Gesangstraditionen. Im Mittelalter war er in ganz Skandinavien verbreitet, häufig auch mit Instrumentalbegleitung. Auf den Färöern sind Instrumente dagegen ungebräuchlich.

Ein Vorsinger singt die Strophen des Liedes vor. Die Tänzer, die sich, Männer und Frauen abwechselnd, an den Händen gefaßt haben und eine Kette bilden, stimmen in den Refrain ein.

Die ältesten Liedertexte waren aus dem mittelalterlichen Sagenkreis stammende Balladen. Viele Erzählungen sind auf diese Weise weiterüberliefert wurden. Ihre schriftliche Fixierung führte zur Festlegung der färingischen Schriftsprache (s.o.). Später gab es auch satirische bis zeitkritische Texte.

Der Kettentanz war früher ein Teil des Alltags. Er wurde z.B. nach einem Walfang aufgeführt. Heutzutage kann man ihn nur noch an Feiertagen, wie dem Olavsøkan und bei nordischen Abenden im Nordischen Haus sehen. Außerdem werden öfter Kettentänze und Gesänge im Fernsehen oder im Radio übertragen.


Literatur

Dafür, daß auf den Inseln nur ca. 45000 Menschen leben, gibt es eine recht lebendige Literaturszene. Die färingische Literatur entstand erst nach der Jahrhundertwende. Davor wurden im wesentlichen nur alte Balladen und Sagen niedergeschrieben. Sie hat zwei Väter: Hans Jacob Jacobsen und William Heinesen.

Hans Jacob Jacobsen veröffentlichte unter dem Pseudonym Hedin Bru. Er stammte aus Sandoy und ging mit 14 Jahren wie die meisten Jungen der Inseln zur See. Nach einer Veterinärausbildung in Kopenhagen wurde er färingischer Minister für Landwirtschaft.

1930 erschien sein erster Roman "Lognbra" (Trugbild), 1935 die Fortsetzung "Fastotøkur" (mit beiden Beinen im Leben stehend). Später folgen weitere Romane und Kurzgeschichten, welche zu den meistgelesenen färingischen Werken gehören. Sie behandeln meist die typischen Probleme der färingischen Gesellschaft, die durch den Übergang von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft und durch die Loslösung von Dänemark entstanden.

Das Werk Jacobsens trug wesentlich zur Verringerung des Unterschiedes zwischen gesprochener und geschriebener Sprache und damit zur Ausbildung einer färingischen Prosa bei.

William Heinesen wuchs in Torshavn in einem dänischen Elternhaus auf. Mit 16 wurde er auf die Handelsschule nach Kopenhagen geschickt. Danach lebte er als Journalist teils in Dänemark, teils auf den Färöern.

1934 erschien sein erster Roman, 1938 sein zweiter, "Noatun" (unter dem Titel "Niels Peter" ins Englische übersetzt). Der Roman beschreibt das harte und ärmliche Leben in den ländlichen Gebieten der Inseln. Alle seine Romane verfaßte er in seiner Muttersprache, dänisch.

Die Werke Heinesens sind zwar nicht auf färingisch abgefaßt, machten jedoch die färingische Litaratur in Skandinavien bekannt.

Szene aus dem Film Barbara

Jørgen Frantz Jacobsen, der 1900-1938 lebte und dann an Tuberkulose starb, hat nur einen einzigen Roman verfaßt, und auch diesen auf dänisch und nicht vollendet: "Barbara". Trotzdem ist dies einer der populärsten Romane auf den Färöern. Dieser Roman ist 1997 sogar verfilmt worden.

Der Roman erzählt das Leben der Beinta Kristine Broberg, welche 1668 aus Dänemark auf die Färöer kam. Sie war hintereinander mit drei Pastoren verheiratet, die sie bis auf den dritten überlebte. Gerüchten zur Folge war sie eine Mischung aus Frau und Teufel und habe ihre Männer durch ihr Temparament und ihre zahlreichen Affairen in den Wahnsinn getrieben. 1752 starb sie, blieb aber auf den Inseln eine Legende.

(Nach [maersk])

Unter den zeitgenössischen Schriftstellern befinden sich Jens Pauli Heinesen, Magnus Dam Jacobsen, Hanus Andreassen, Steinbjørn B. Jacobsen, Guðrið Helmsdal, Marianna Debes Dahl, Oddvør Johannesen und Roi Patursson.

Jährlich erscheinen auf den Inseln ca. 100 Bücher. Ungefähr die Hälfte davon sind Übersetzungen. Ca. 15-20 davon sind Originalwerke der Prosa. Abgesehen davon werden viele Kinderbücher, Anthologien und Sagen veröffentlicht.

1997 sind zwei färingische Kriminalromane in deutscher Übersetzung (Pettersson Verlag) erschienen: "Mild ist die färöische Sommernacht" (Blið er summarnatt a Føroyalandi) und "Grauer Oktober" von Jogvan Isaksen.

Außerdem gibt es hier den Text der Färinger-Saga.



Homepage     Färöer(Titelseite) by Michael Becker, 4/1998. Letzte Änderung: 2/2002.