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Landwirtschaft auf den Färöern


Fischfang

Der Fischfang ist der heutzutage mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig. Das war nicht immer so: Noch bis Ende des 18. Jh. wurde der Fischfang von offenen Booten aus mit Angeln betrieben.

Eine genaue Geschichte des Fischfangs auf den Färöern erspare ich mir (s. [gors] und im Kapitel über die Wirtschaft). Jedenfalls hatten die Färöer praktisch immer damit zu kämpfen, daß ihre Fischfangflotte völlig veraltet war. Lediglich im zweiten Weltkrieg konnten die Färöer von der malaise der anderen Staaten profitieren: 1948 hatten sie von allen skandinavischen Ländern die größte Fischereifangflotte.

Aber bereits Anfang der 50er Jahre waren die meisten Schiffe schon wieder hoffnungslos veraltet. Der färingische Staat subventioniert deshalb Schiffskäufe.

Heutzutage besteht die Fischfangflotte der Färöer aus ca. 250 Booten, darunter ca. 80 Trawler. Ein Viertel der Erwerbstätigen arbeitet beim Fischfang oder in der fischverarbeitenden Industrie. 95% des Exports besteht aus Fisch und Fischprodukten. Die in der Fischindustrie gezahlten Löhne sind verglichen mit anderen Berufen auf den Inseln relativ hoch. Allerdings ist die Arbeit Saisonarbeit.

S. auch im Kapitel über die Wirtschaft!


Lachszucht

Seit Anfang der 80er Jahre wird auf den Färöern in großem Maßstab Lachszucht betrieben: In allen Fjorden, Sunden und Binnenseen findet man heutzutage die zugehörigen rundlichen bis achteckigen Pontons, in denen man die Fische hin- und herspringen sehen kann.

Die Lachse können mit den Abfällen der Fischfabriken gefüttert werden.


Walfang

Bild der Waljagd

Die Färöer betreiben keinen industriellen Walfang. Es wird jedoch traditioneller Walfang betrieben: Wird eine Herde Wale gesichtet, so werden sie, sofern man sich entschieden hat, sie zu jagen, von Booten in eine flache Bucht getrieben. Dort werden sie von Männern mit langen Messern getötet. Der färingische Walfang gilt deshalb unter den Gegnern des Walfangs als besonders brutal.

Das Fleisch und der Speck werden nach einem alten Brauch aufgeteilt. Einen guten Teil bekommen die Leute, die die Wale gejagt haben. Einen weiteren Teil bekommt der Eigentümer der Bucht, in der die Wale gefangen wurden. Dies sind heute die Gemeinden. Diese lassen das Fleisch zu festgesetzten niedrigen Preisen in Supermärkten verkaufen. Vom Rest kann sich jeder, der dabei ist, etwas abschneiden und mitnehmen.

Wird irgendwo eine Walherde gejagt, so wird dies im Radio bekanntgegeben. Viele Färinger lassen auch heute noch alles stehen und liegen und kommen dazu, um sich ihren Teil der Walfleisches herauszuschneiden. Das ganze ist ein ausgesprochen blutiges Spektakel: Die Leute waten in Gummistiefeln in Bergen von Blut und Speck herum

Walfänge sind recht häufig. Etwa jede Woche wird irgendwo eine Walherde getötet. Trotzdem bekommt man als Tourist so etwas nur durch Zufall mit, denn die Färinger sind dazu übergegangen, Touristen nicht mehr Bescheid zu sagen.

Die gejagte Walarten sind meist Grindwale und Große Tümmler. Durch den Walfang wird 20%-30% des färingischen Fleischverbrauchs gedeckt.



Vogelfang

Vogelfang wird auf den Färöern heute noch traditionell mit an Stangen montierten Netzen betrieben. Die Vogelfänger sind häufig betrunken.

Wirtschaftlich spielt der Vogelfang nur eine untergeordnete Rolle. Gekauft werden können die Vögel meist nur bei den Fängern direkt. Lediglich im SMS-Supermarkt in Thorshavn findet man Papageientaucher, die samt Federn und Kopf und Innereien eingefroren wurden. Diese werden Kuchenteig gefüllt gegessen.


Schafzucht

Die am meisten verbreitete Form der Landwirtschaft, und auch fast die einzig mögliche, ist die Schafzucht. Früher lebten die Färinger hauptsächlich vom Verkauf der Wolle. Heutzutage ist färingische Wolle auf dem Weltmarkt kaum noch konkurrenzfähig, Schafzucht wird aber immer noch in betrieben.

Während des Sommers laufen die Schafe frei draußen herum. Lediglich in unmittelbarer Umgebung der Dörfer gibt es abgezäunte Felder, auf denen das Heu angebaut wird, mit dem die Schafe im Winter gefüttert werden. Diese "Indmark" ist zwischen den Bauern aufgeteilt. Abgesehen vom Heuanbau werden auch Mutterschafe, Widder und Mastlämmer (Lämmer, die in Kürze geschlachtet werden) in der Indmark auf gesonderten Weiden gehalten.

Die "Utmark" dagegen, auf der sich die Schafe im Sommer befinden, ist Eigentum der Gemeinde und höchstens sehr weitläufig gegen die Utmarken anderer Gemeinden abgezäunt.

Da die Topographie des Geländes eine maschinelle Ernte des Heus nicht zuläßt, wird dieses auch heute noch mit der Sense geerntet. Wegen dem oft recht heftigen Wind und der Feuchtigkeit ist es gar nicht so einfach, das abgeerntete Gras zu trocknen. Es muß meist mehrmals gewendet werden, und bei Bedarf mit Seilen am Boden verspannt werden, damit es nicht davonfliegt.

Ein großes Teil des auf den Färöern konsumierten Fleisches ist Schaffleisch. So findet man in den kleinen Lebensmittelläden in den Dörfern in der Tiefkühltruhe fast immer abgezogene Schafsköpfe. Schafskäse oder Schafsmilch gibt es dagegen nirgends zu kaufen.


Rinderzucht

Im Vergleich mit der Schafzucht spielt die Rinderhaltung nur eine untergeordnete Rolle. Diese ist wegen der Gebirgigkeit der Inseln nur an wenigen Stellen möglich, da Rinder mit steilen Gelände weniger gut klarkommen als Schafe. Außerdem stellen sie höhere Ansprüche an die Nahrung, und sie kommen nicht so gut wie die Schafe mit dem sumpfigen Boden zurecht.

Dennoch schaffen es die Färöer, sich gut zur Hälfte mit eigenen Milchprodukten zu versorgen.


Getreide

Die Färöer sind auch heute noch auf Getreideimporte angewiesen. Der kurze Sommer läßt keinerlei Getreideanbau zu. Lediglich Gerste entwickelt sich so weit, daß man sie weiterverwenden kann. Sie wird unreif geerntet, getrocknet und kann dann vermahlen werden. Der Gersteanbau ist aber so unrentabel, daß es ihn heute praktisch nicht mehr gibt.


Kartoffeln

Die einzige wichtige Nahrungspflanze, die auf den Färöern gedeiht, ist die Kartoffel. Färingische Kartoffeln werden in den Supermärkten neben dänischen Importkartoffeln angeboten. Sie sind klein und schwarz.

In der Nähe praktisch jeden Dorfes findet man die typischerweise ca. 5mx5m großen Kartoffelfelder. Dies ist genau die Größe, die ausreicht, eine Famile mit Kartoffeln zu versorgen.


Rhabarber

Eine der wenigen weiteren Nutzpflanzen, denen das feuchte kühle Klima gut bekommt, ist der Rhabarber. Man findet ihn meist in kleinen, von Steinmauern umgebenen Beeten. Alle anderen Obstsorten müssen importiert werden.


Homepage     Färöer(Titelseite) by Michael Becker, 4/1998. Letzte Änderung: 12/1998.