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Die Wirtschaft der Färöer


Das Mittelalter

Bis zum Beginn der Industrialisierung herrschten auf den Inseln unglaublich ärmliche Lebensverhältnisse. Die Wohngebäude eines Hofes bestanden aus lediglich ein, später zwei Zimmern, in denen sowohl das Bauernehepaar als auch die Familien der landlosen Knechte und Mägde lebten. Als Schlafplätze waren Alkoven in die Wände eingelassen. Die Stuben waren eng, dunkel und verräuchert, da sie gleichzeitig als Räucherstube benutzt wurden.

Ein typischer Jahresverlauf sah wie folgt aus: Ende März wurden die Felder gepflügt, meist mit der Hand, da Pferde zu teuer waren. Mitte April konnte man die Gerste säen. Gedüngt wurden die Felder mit Mist, Tang und Fischabfällen.
Im Mai wurden dann die Tiere in die Utmark gelassen. Man begann mit dem Stechen und Trocknen von Torf, mit welchem man heizte, da Holz dazu zu teuer war.
Im Juni dann begann man mit der Ernte auf den Getreideeldern und dem "Pflücken" der Wolle, welches den Schafen abgerissen wurde. Auch heutzutage wird übrigens die Wolle teilweise mit einer Schere abgeschnitten.
Anfang Juli begann man, mit V-förmigen Netzen Vögel zu fangen. Die erbeuteten Vögel wurden sofort gegessen oder für den Winter eingesalzen. Die Federn wurden natürlich auch weiterverwendet. Ende Juli und Anfang August ging man auf Robbenjagd. Dann begann die Heuernte.
Ende August schließlich begann die Herbstfischerei in kleinen, offenen Ruderbooten. Im Oktober schließlich wurden die Tiere von der Utmark wieder zurück die Indmark geholt.
Den Winter über verbrachten Männer wie Frauen mit der Weiterverarbeitung der Wolle. Dabei war das Kämmen und Spinnen Männersache, Stricken und Weben Frauensache.

Wollprodukte waren das Hauptexportprodukt der Färöer. Lange Wollstrümpfe galten sogar als Währung. Regelmäßige Reisen zum Monopolladen in Torshavn zum Kauf und Verkauf unterbrachen diesen monotonen Jahresablauf.


Die Industrialisierung des Fischfangs

Erst Mitte der 19. Jh. änderte sich die wirtschaftliche Situation der Inseln durch die Abschaffung des Handelsmonopols und die Entwicklung des Fischfangs grundlegend. Und zwar verkaufte man Stockfisch und Klippfisch. Stockfisch ist ausgenommener, luftgetrockneter Fisch. Beim Klippfisch dagegen werden auch Kopf und Hauptgräte entfernt und das Fleisch wird auf Felsen getrocknet und dann eingesalzen.
Mit der Zeit sank der Stockfischexport, während der Klippfischexport stieg. In den 50er-Jahren wurden 581T Klippfisch und 163T Stockfisch exportiert. Später wurde dann wie überall auf den Export von tiefgekühltem oder eingesalzenem Fischfilet umgestellt. Andere Wirtschaftsbereiche spielen im Vergleich mit der Fischindustrie nur eine untergeordnete Rolle.

Bis Ende des 19. Jh. wurde der Fischfang nach wie vor mit offenen Booten und Haken und Ködern betrieben. Erst nach den Motorisierung der Schiffe im 20. Jh. brach ein neues Zeitalter an. Auf diverse Querelen um Fangrechte in den verschiedenen Gewässern um Grönland und Island gehe ich nicht weiter ein. Jedenfalls litten die Färöer genau wie die anderen europäischen Staaten unter der Weltwirtschaftskrise, da ihre Absatzmärkte in Spanien und Italien wegfielen.

Besserung brachte erst der 2. Weltkrieg, in dem sie ihren Fisch zu Höchstpreisen nach Großbritanien verkaufen konnten. Der Boom dauerte jedoch nur bis in die 50er Jahre. Dann war die Fangflotte der Färöer verglichen mit denen anderer Länder veraltet und nicht mehr konkurrenzfähig. Die färöische Regierung versuchte, diese Veraltung zu bekämpfen, indem sie Schiffsankäufe hoch subventionierte.
In den 80er Jahren erlebte der Fischfang und die fischverarbeitende Industrie auf den Färöern einen zweiten Boom. 1977 waren die Fischereigrenzen auf 200 Seemeilen angehoben worden, andererseits waren weiter entfernte Fanggründe den Färöern nun verwehrt. Die färöische Regierung versuchte Übergangsprobleme mit Krediten zu überbrücken, die bald im färöischen Haushalt permanent wurden. Der Fischpreis war in den 80er relativ hoch, und auf den Inseln wurden umfangreiche private wie öffentliche Investitionen getätigt. Die Kreditgeber kamen meist aus dem Ausland.

Über die Größe der Fischereifangflotte gibt es einige Angaben im Kapitel über die Landwirtschaft.


Die Krise

Ende der 80er brach dieses auf Kredit aufgebaute Finanzwesen der Inseln ähnlich wie in einigen asiatischen Ländern Ende der 90er Jahre völlig zusammen. 1989 mußte die Regierung ein Sparprogramm beschließen.

Als 1992 auch noch die Fischpreise fielen und die Fangmengen, teilweise wegen Überfischung, zurückgingen, erreichte die Krise immer schlimmere Ausmaße: In den Jahren 1992 und 1993 wurden die beiden größten färöischen Banken durch die dänische Banken-Kontrolle bankrott erklärt. In den nächsten vier Jahren sank das durchschnittliche Nettoeinkommen um 30%, die Arbeitlosigkeit stieg auf 20% (schwankt aber von Jahr zu Jahr sehr stark), und die Auswanderungszahlen erreichten 1994 mit 4,4% einen (in Friedenszeiten) noch nie dagewesenen Rekord. Hierdurch fiel die Bevölkerung der Inseln von ca. 48000 auf ca. 45000 Einwohner. Die meisten der Emigranten sind 16-30 Jahre alt und ziehen nach Dänemark.

Besonders erbost die Färöer, wie der dänische Staat mit ihrer Krise umgeht: Im Herbst 1992 wurde die färöische Regierung nach Kopenhagen zitiert und die dänische Regierung diktierte ihnen die Bedingungen für ein Hilfsprogramm. Die dänische Staatsbank hatte, wie später bekannt wurde, nach Absprache mit der Regierung vor Bekanntwerden der Bankrotte versucht, durch Aktientransaktionen einiges der Schuldenlast auf den färöischen Steuerzahler abzuwälzen. Dänemark kontrolliert nun das färöische Finanzwesen, allerdings stößt die Hilfe des dänischen Staates inzwischen auch bei vielen Dänen auf Ablehung, weil sie viel Geld kostet.

Dennoch haben die Färöer, die Hoffnung schnell aus der Krise herauszukommen. Es ist die Hoffnung auf Erdöl. Die Lage auf einem ozeanischen Rücken würde eine Erdölförderung zulassen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß innerhalb der 200-Meilen Öl gefunden wird. Noch ist das Gebiet allerdings nicht durchgehend untersucht. In diesem Zusammenhang ist auch der Streit mit Großbritanien und Island vor dem internationalen Seegerichtshof in Hamburg um den Besitz des Felsens Rockall 400km westlich von Schottland zu sehen.


Der Lebensstandart heute

Trotz der Krise leben die Menschen auf den Färöern heutzutage wie in jedem anderen europäischen Staat: Typische Landbevölkerung findet man nur auf den wirkliche entlegenen Inseln wie Fugloy und Mykines. Die Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (Männer) und 80 Jahren (Frauen). Die soziale und medizinische Versorgung ist dieselbe wie in Dänemark. Auch das Sozialsystem funktioniert genauso.


Homepage     Färöer(Titelseite) by Michael Becker, 4/1998. Letzte Änderung: 1/1999.