Haltung von Moosen

Allgemeines

Da Moose nicht wie Kormophyten Wurzeln und Leitungsgewebe besitzen, sind sie viel stärker als diese auf ihnen zusagende Umweltbedingungen -beispielsweise eine hohe Luftfeuchtigkeit- angewiesen. Es ist deshalb im Allgemeinen schwieriger, Moose gezielt zu halten, als Samenpflanzen oder Farne.

Insbesondere unpassende Luftfeuchtigkeit ist oft das Hauptproblem. Je nach Situation reicht es nämlich nicht, ständig eine Luftfeuchtigkeit von 100% zu halten, da dann, insbesondere bei mittleren oder höheren Temperaturen und hohen organischen Anteil der Untergrunds, viele Moose im Konkurrenzkampf mit Schimmelpilzen unterlegen sind.

Weiterhin sind Moose, da sie kaum ausdifferenziertes Leitungsgewebe und keine Wurzeln besitzen, darauf angewiesen, daß die nötigen Nährstoffe durch Spritzwasser oder mit dem Wasser durch Kapillarkräfte geliefert wird. Auch aus diesem Grund reicht es nicht, die Luftfeuchtigkeit zu halten. Es muß von Zeit zu Zeit "regnen".

Ansiedlung von Moosen im Rasen oder auf Stein

Zur Ansiedlung von Moosen auf einem Rasen kann man das gewünschte Moos grob häckseln, so daß noch ganze Äste und Zweige vorhanden sind, auf der Fläche ausstreuen und angießen. Angeblich hilft es, wenn man in das Angießwasser Milch mischt. Ich persönlich halte das allerdings für ein Ammenmärchen. Als Arten eignen sich besonders Rhytidiadelphus squarrosus und Brachythecium rutabulum. Allerdings ist die Ansiedlung von Moosen auf Erdflächen, auf denen sie nicht sowieso schon von alleine wachsen, wohl in der Regel zum Scheitern verurteilt. Meist werden sie von Blütenpflanzen überwuchert werden.

Die Besiedlung von Steinen oder Mauern durch Moose kann man fördern, indem man sie mit Jauche einstreicht. Zum Beginn kann man auch versuchen, geeignete Moose (z.B. Grimmia pulvinata und Tortula muralis) an passenden Stellen, z.B. in der Nähe von feuchten Ritzen u.ä., zu befestigen. Ansonsten gilt hier dasselbe wie bei Moosen auf Erdflächen: Die Ansiedlung scheitert viel leichter als daß sie gelingt.

Anlage eines Moosgartens

Die folgende Anleitung zur Haltung von Moosen in einem Terrarium habe ich selber nicht getestet. Ich weiß also nicht, ob und unter welchen Umständen es funktioniert.

  1. Ein Gefäß aus Glas oder durchsichtigem Plastik nehmen, 2-4cm Kies oder Steinchen hineingeben. Darauf kommt eine Schicht aus 4-8cm Pflanzenkompost oder Blumenerde. Diese sollte schon feucht sein. Wenn man Blumenerde nimmt, dann eine qualitativ hochwertige ohne größere unverrottete organische Anteile.
  2. Moospolster oder Moosrasen hineinlegen. Moose aus Gärten und Parks eignen sich besser als Waldmoose. Die Polster werden mit den Rhizoiden auf die Erde gelegt und leicht angedrückt. Außerdem kann man moosbewachsene Steine oder Holzstücke hineinlegen.
  3. Das Gefäß mit einer Glasplatte abdecken. Die Glasplatte an den Ecken mit Holzstückchen aufbocken, so daß ein kleiner Spalt zwischen Becken und Glasplatte bleibt. Hierdurch bleibt die Luftfeuchtigkeit im Terrarium zwar hoch, aber es ist trotzdem ein Luftaustausch möglich.
  4. Das ganze an einen relativ hellen Ort stellen, aber nicht in die direkte Sonne. Im Abstand von einigen Tagen muß das ganze gegossen werden. Hierzu sollte man eine Sprühflasche oder eine Gießkanne mit sehr feinen Gießdüsen verwenden. Am Anfang ist es günstiger, eher etwas weniger als etwas mehr zu gießen. Ansonsten können sich leicht Schimmelpilze ausbreiten.

Quelle: BIOS 8 (ein Biologie-Schulbuch NRW) Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt a.M., ISBN-3-425-05602-6.

Javamoos (Vesicularia dubyana)

Familie: Hypnaceae, Ordnung: Hypnales

Dieses bei Besitzern von Aquarien oder Terrarien relativ beliebte Moos stammt aus Südostasien (China, Thailand, Indonesien). Es wächst dort an Flußufern sowohl innerhalb wie außerhalb des Wassers. Was die Wasserqualität angeht, ist es nicht sehr anspruchsvoll. Angeblich kommt es sogar mit leicht brackigem Wasser zurecht. Es bevorzugt aber neutrales bis leicht saures Wasser. Die Wassertemperatur sollte zwischen 15°C und 30°C liegen.

Vom Habitus handelt es sich um eine typische Hypnacee mit einfach und locker fiedrig verzweigten Stämmchen. Von der Farbe her ist es hellgrün bis sattgrün.

Als Unterlage nimmt die Art mit allem Vorlieb, was sie finden kann. Es wächst auf Erde, rauhen oder glatten Steinen und Holz ebenso wie auf den Plastikschläuchen von Aquarienpumpen. Selbst an den Glaswänden kann es sich festhalten, sofern diese nicht völlig algenfrei sind.

In Terrarien mit hoher Luftfeuchtigkeit kann man von dieser Art den Boden überwuchern lassen, indem man es einfach auf die Erde oder zwischen zwei Steine setzt. Will man das Moos dagegen in ein Aquarium an eine bestimmte Stelle setzen, so muß man es dort mit einem Netz oder einem Faden befestigen, bis es nach einigen Wochen Rhizoide gebildet hat, die es am Untergrund festhalten. Es reicht auch, wenn man das Moos zwischen zwei Steinen einklemmt.

Alternativ kann man ein kleingeschnittenes Moos ins Wasser geben. Die Moosschnipsel werden dann durch die Strömung verteilt, setzen sich in für sie passende Ritzen ab und wachsen an.

Das das Moos in Aquarien dichte Geflechte bildet, eignet es sich hervorragend als Laichmöglichkeit für kleinere Fische. Außerdem kann es viele Mikroorganismen beherbergen. Andererseits sammelt sich mit der Zeit auch viel Dendritus in den Moospolstern an. Deshalb müssen diese regelmäßig ausgewaschen und ausgelichtet werden.

Kapseln bildet das Moos nur außerhalb des Wassers. Dies kommt aber selbst in Aquarien, in denen es nahe der Wasserfläche wächst, häufiger vor.

Riccia fluitans

Familie: Ricciaceae, Ordnung: Ricciales

Dieses kosmopolitisch verbreitete, und damit auch bei uns heimische Moose wächst meistens schwimmend oder untergetaucht in stehenden Gewässern. Es kann aber auch auf zeitweise überschwemmten Schlammböden wachsen. Und nur in diesem Fall bildet es Sporen.

Das Moos bildet blaß- oder dunkelgrüne Thalli mit einem Durchmesser von vielleicht 5cm. Der Thallus ist streng dichotom (gabelig) verzweigt und rund 1mm breit.

Riccia fluitans ist für Aquarien meist nicht so geeignet wie die oben beschriebene Vesicularia. Es verträgt keine Strömungen und zieht tiefere Wassertemperaturen (idealerweise zwischen 5°C und 15°) vor.

by Michael Becker, 3/2001. Letzte Änderung: 5/2002.