Lebermoose (Hepaticae)

Nun kommen wir zu einer der beiden großen Moosgruppen, den Lebermoosen. Diese können sehr verschieden aufgebaut sein: Manche sind beblättert, manche sind thallös. Der Thallus kann hochkompliziert aufgebaut sein, mit Atemporen, Luftkammern und Epidermis, aber auch sehr einfach, nämlich aus nur einer Zellschicht bestehend. Trotzdem kann man mit ein wenig Erfahrung Lebermoose auf den ersten Blick erkennen, was in der Praxis heißt, sie von Laubmoosen zu unterscheiden.

Weltweit gibt es ca. 10000 Lebermoos-Arten. Der Verbreitungsschwerpunkt der Lebermoose liegt in feuchten und warmen Gebieten, insbesondere in tropischen Regenwäldern. Aber auch in Mitteleuropa kommt noch eine ganz beachtliche Anzahl vor.

Die beiden wichtigsten Unterklassen der Lebermoose werden unten kurz vorgestellt.

Allgemeines über Lebermoose

ein beblättertes Lebermoos mit Marsupium

Zeichnung eines beblätterten Lebermooses mit Marsupium. Außerdem kann man Büschel mit Rhizoiden erkennen.

Die Lebermoose haben einige Merkmale, die sie von den beiden anderen Klassen unterscheiden. So enthalten die Zellen der meisten Arten beispielsweise Ölkörper, kleine Zusammenballungen von Tröpfchen aus Terpenen. Viele Arten haben hierdurch einen charakteristischen Geruch.

Bei den Lebermoosen bleibt der Sporophyt meist noch sehr lange vom Gewebe des Gametophyten umhüllt. Bei einzelnen Arten kann dies bis zur Reifung der Sporen so bleiben. So etwas wird dann Coelokaulie genannt. Bei manchen Lebermoosen bildet auch das Stämmchen eine beutelartige Wucherung -ein Marsupium-, in der der Sporophyt heranwächst. Die Entstehung eines solchen Marsupiums kann bei verschiedenen Arten allerdings sehr unterschiedlich vonstatten gehen.

Marchantiidae

Concephalum conicum

Conocephalum conicum (L.) Underw., eine Art, die recht groß werden kann und in ganz Europa ziemlich häufig ist. Hier sind die Thalluslappen vielleicht 15cm lang und 1,5cm breit.

Hierzu gehört das bekannte Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha L.). Auch die anderen Arten dieser Unterklasse sehen mehr oder weniger so aus: Es handelt sich um nicht beblätterte, sondern thallöse Moose. Der Thallus ist recht kompliziert gebaut: Er besitzt eine Epidermis, rundliche, mit bloßem Auge erkennbare Atemporen, Atemhöhlen, Assimilationsgewebe und Speichergewebe. Die Moose sind mit Zellfäden, den Rhizoiden, im Boden verankert. Die oben erwähnten Ölkörper kommen hier nur in besonderen Speicherzellen vor.

typisches Lebermoos mit Gametangienträger

Schnitt durch einen hochentwickelten Thallus der Gattung Marchantia selber.

Die Marchantiiden vermehren sich auf ungeschlechtliche Weise, indem auf dem Thallus Brutbecher gebildet werden. In diesem wachsen linsenförmige Brutkörper heran, die weggeschwemmt werden können und dann zu einer neuen Moospflanze auswachsen können.

Bei der Fortpflanzung bildet der Thallus bei vielen Arten pilzartige Auswüchse, die Gametangienträger, wie sie links auf dem Bild zu sehen sind. Auf diesen wachsen dann die Archegonien oder die Antheridien. Bei vielen Arten gibt es für Antheridien und Archegonien verschiedene Gametangienträger. Der Sporophyt ist meist recht klein und kaum zu erkennen. Das Protonema ist hier ein kurzer Schlauch.

Schnitt durch einen Marchantia-Thallus

Schnitt durch einen Marchantia-Thallus

Jungermanniidae

Metzgeria leptoneura

Bei der Art Metzgeria leptoneura Spruce., besteht der Thallus aus knapp 1mm breiten, dünnen und am Rande bewimperten Streifen.

Zu dieser Gruppe gehören sowohl beblätterte wie thallöse Moose. Allerdings sind die Blätter und die Thalli meist nicht so kompliziert ausgebildet wie bei den Marchanttiiden, sondern sie bestehen in der Regel aus nur einer Zellschicht.

Bei den beblätterten Arten, von denen es sehr viele gibt, sind die Blätter meist in zwei Reihen angeordnet. Die Zellen sind rundlich. Die Blätter selber sind meist auch rundlich, manchmal aber auch zerschlitzt. Sie besitzen niemals eine Mittelrippe. Viele Arten haben neben den erwähnten zwei Reihen Blättern noch zwei Reihen von (meist) kleineren Unterblättern (Amphigastrien), die fast immer anders gestaltet sind als die normalen Flankenblätter. Bei einigen Arten sind die Blätter zweilappig, und der untere Lappen ist umgeklappt. Bei einer Gruppe sind die Unterlappen so umgewandelt, daß kleine Wassersäckchen entstehen, die vermutlich von Kleinstlebewesen bewohnt werden.

Bei den Flankenblättern unterscheidet man zwei Blattstellungen: Oberschlächtig bedeutet, daß der vordere Rand eines Flankenblattes (von oben betrachtet) den hinteren Rand des folgenden Blattes überdeckt. In der Regel sind die Moose aber unterschlächtig, d.h. der vordere Rand eines Flankenblattes wird von hinteren Rand des folgenden Blattes überdeckt.

Zu den Jungermanniidae gehören die größten Lebermoose (bis zu. 30cm) wie die kleinsten Lebermoose, die insgesamt nur 1-2mm lang werden, und deren Blätter 0,2mm groß sind.

Bei den Jungermanniiden sind die Antheridien und Archegonien von einem Wirtel aus meist drei verwachsenen Blättern umgeben. Diesen Wirtel nennt man Perianth. Die Kapsel wird kurz vor der Reife von einem mehr oder weniger langem, sich schnell streckenden Stiel, der Seta, emporgehoben. Die Kapsel selber ist meist kugelig und öffnet sich mit vier Klappen. Eine Columella (zentrale Säule innerhalb der Kapsel) fehlt. Das Protonema kann sehr verschieden gestaltet sein, besteht aber bei den allermeisten Arten nur aus wenigen Zellen.

Vegetative Vermehrung durch meist an den Blatträndern gebildete Brutkörper ist häufig.

Porella canariensis

Porella canariensis (F. Web.) Bryhn.. Die Blätter dieser Pflanze liegen dachziegelartig übereinander, wodurch die Pflanze wurmartig wirkt. Die Ästchen sind insgesamt vielleicht 6mm breit, olivgrün und metallisch glänzend.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 2/2004.