Makroskopische und mikroskopische Merkmale von Moosen

Bei der Beschreibung von Moosen gibt es viele Ausdrücke wie "gekräuselt beblättert" oder "bäumchenförmig verzweigt", unter denen man sich zwar intuitiv etwas vorstellen kann, von denen man im Einzelfall aber doch wissen will, was sie exakt bedeuten. Hier gibt es zu einigen dieser Begriffe eine kurze Erklärung.

Verzweigungsformen

einfach
Dies ist die einfachste Verzweigungsform, die bei den meisten akrokarpen Laubmoosen realisiert ist: Die Stämmchen sind mehr oder weniger gar nicht verzweigt. Oft stehen sie in dichten Polstern parallel zu einander.
gabelig Skizze von drei gabelig verzweigten Stämmchen
Gabelig verzweigt bedeutet, daß man an den Verzweigungsstellen nicht unterscheiden kann, welcher der beiden Zweige vom anderen abzweigt. Es gibt also keinen "Hauptstamm" und keine "Seitenäste". Diese Verzweigungsform kommt bei einigen akrokarpen Laubmoosen vor.
unregelmäßig verzweigt Skizze eines unregelmäßig verzweigten Mooses
In diesem Fall sind die Moose mehrfach und leicht ersichtlich verzweigt. Die Verzweigungen folgen jedoch keinem erkennbaren oder regelmäßigen Muster. Dieser Verzweigungstyp ist bei den meisten pleurokarpen Laubmoosen verwirklicht.
regelmäßig einfach gefiedert Skizze einer locker einfach gefiederten Verzweigung
Hier gibt es einen "Hauptstamm", von dem in relativ regelmäßigen Abständen Seitenzweige abgehen. Diese wiederum sind unverzweigt. In fast allen Fällen liegen die Seitenzweige alle in einer Ebene. Dadurch, daß die jüngeren Seitenzweige noch kürzer sind als die älteren, entstehen meist typisch aussehende dreieckige oder zungenförmige Mooswedel. Ein typisches Beispiel ist die Art Scleropodium purum.
regelmäßig zwei- bis dreifach gefiedert Skizze einer doppelt gefiederten Verzweigung
Diese Verzweigungsform ist so ähnlich wie die vorige, nur daß die Seitenzweige abermals mehr oder weniger regelmäßig verzweigt sind, und u.U. diese nochmals. Bei solchen Moosen kann man meist nicht mehr so genau feststellen, wie oft sie verzweigt sind. Typische Beispiele sind die Gattungen Thuidium und Hylocomium.
bäumchenförmig Skizze einer bäumchenförmigen Verzweigung
Ein Baum besteht aus einem meist unverzweigten Stamm, der sich ab einer gewissen Höhe dann in viele Äste verzweigt. Dies ist auch das Charakteristikum von "bäumchenförmig verzweigten" Moosen. Es gibt Moose, die als ganzes bäumchenförmig verzweigt sind, aber es gibt auch welche, die einen kriechenden Hauptstamm haben, und bei denen die Äste erster Ordnung aufrecht stehen und bäumchenförmig verzweigt sind. Ein typisches Beispiel ist die Art Climacium dendroides , die sogar ihren Namen von ihrem typisch bäumchenförmigen Aussehen bekommen hat. Gut zu sehen ist diese Verzweigungsform auch auf dem Bild von Thamnobryum alopecurum.

Blattstellung

aufrecht abstehend Skizze von aufrecht abstehenden Blättchen
Dies ist die häufigste Stellung: Die Blätter stehen gerade und schräg nach vorne bzw. oben vom Stämmchen oder Ästchen ab.
dachziegelig anliegend
Bei vielen Moosen stehen insbesondere im trockenen Zustand die Blätter nicht schräg vom Stämmchen ab, sondern fast parallel zu diesem. Dies hat zur Folge, daß sie sich gegenseitig überdecken, ähnlich wie die Dachziegel auf einem Dach. Das Moos sieht hierdurch oft ziemlich rund aus. Beispielsweise ist die Art Homalothecium sericeum in trockenem Zustand dachziegelartig beblättert. Gut zu sehen ist diese Art der Beblätterung auf dem Bild von Leucodon sciuroides.
sparrig sparrig abstehende Blättchen
Dies ist gewissermaßen das Gegenteil von "dachziegelig anliegend": Die Blättchen stehen mehr oder weniger senkrecht vom Stämmchen ab. Bei einigen Arten steht der untere Teil des Blattes noch schräg zum Stämmchen, der obere ist dann weggebogen. Eine derartige Beblätterung nennt man dann "sparrig zurückgekrümmt". Ein typisches Beispiel sind die verschiedenen Arten der Gattung Rhytidiadelphus. Die Pflanzen bekommen durch eine sparrige Beblätterung ein recht typisches strubbeliges Aussehen.
verflacht
Unabhängig davon, ob die Blätter wirklich in zwei Reihen am Stämmchen sitzen, oder ob die Stämmchen spiralig beblättert sind, sind die Blätter bei einigen Arten so gedreht, daß die Blattflächen in einer einzigen, fast immer der waagerechten, Ebene liegen. Eine solche Art der Beblätterung nennt man dann "verflacht beblättert". Typische Beispiele sind die Gattung Fissidens, bei der die Blätter zweizeilig stehen, und die Gattung Neckera, bei der sie spiralig stehen.
kätzchenförmig, geschwollen, wurmförmig kätzchenförmig geschwollene Beblätterung
In diesem Fall sind die Blätter derart in Richtung des Stämmchenendes gebogen und schließen mit den Blatträndern dicht aufeinander ab, daß zwischen den einzelnen Blättchen und dem Stämmchen ein Hohlraum entsteht. In diesem können aufgrund von Kapillarkräften größere Mengen an Wasser gespeichert oder sogar weitergeleitet werden. Die Moose sehen dadurch wie kleine, hohle Würmchen aus. (Naja, das ist zugegebenermaßen etwas schwierig zu beschreiben.) Es gibt einige Arten auf dieser Seite, die diese Art der Beblätterung besitzen (Sphagnum oder Scleropodium), aber auf den Bildern dort ist dies leider nicht zu erkennen.
gerkräuselt gekräuselte Blättchen
Die Blätter vieler Moosarten haben die Eigenschaft, daß sie sich, wenn sie trocknen, verbiegen. Bei einigen ist dies so extrem, daß die Blätter in engen Bögen geschlängelt oder eingedreht sind - eben "gekräuselt". Ein typisches Beispiel ist die Art Tortella tortuosa, die allerdings auf dieser Seite nicht in trockenem Zustand zu sehen ist.
einseitswendig einseitswendig abstehende Blättchen
Wenn der Blattschwerpunkt der Beblätterung insgesamt nicht innerhalb des Stämmchen liegt, sondern daneben, nennt man die Beblätterung einseitswendig. Im Bild rechts beispielsweise stehen die Blätter, die nach oben abgehen, weniger steil vom Stämmchen ab, als diejenigen, die nach unten abstehen. Die Beblätterung rechts ist also schwach nach unten einseitswendig.
sichelförmig einseitswendig Skizze von sichelförmig einseitswendigen Blättchen
"Sichelförmig" ist eigentlich keine Eigenschaft der Beblätterung, sondern der Blattform: Die Blätter sind eben nicht gerade, sondern sichelförmig gebogen. Diese Blattform tritt jedoch häufig gleichzeitig mit einer einseitswendigen Beblätterung auf, weshalb man sehr häufig das Wortpaar "sichelförmig einseitswendig" benutzt. Viele Dicranaceen sind beispielsweise sichelförmig einseitswendig beblättert.

Zellform

rechteckig/quadratisch rechteckige und quadratische Zellen
Diese Zellform ist bei vielen akrokarpen Moosen verwirklicht, insbesondere am Blattgrund. Kennzeichnend ist, daß die Zellen mit einem stumpfen Ende aufeinander treffen, und nicht wie beim rhombischen Blattzellnetz spitz ineinandergreifen.
rundlich rundliche Zellen
Zu dieser Zellform ist nicht viel zu sagen: Die Zellen haben eine leicht unregelmäßig rundliche Form. Sie sind in keiner Richtung deutlich ausgedehnter als in einer anderen Richtung. Diese Zellform kommt bei vielen akrokarpen Laubmoosen und bei den meisten beblätterten Lebermoosen vor.
rhombisch/sechseckig rhombisch/sechseckige Zellen
Zellen dieses Typs können mal kürzer, mal länger sein, als in der Zeichnung rechts. Kennzeichnend ist eher, daß die Zellen mit ihren Ecken ineinandergreifen und nicht stumpf aufeinandertreffen, wie es beim rechteckigen Zellnetz der Fall ist. Ein solches Zellnetz haben beispielsweise die Bryales und die Hookeriales, zu sehen bei den Beschreibungen der Arten Bryum capillare und Plagiomnium undulatum. Bei letzterer Gattung sind die Zellen kaum länger als breit, so daß ein mehr oder weniger regelmäßig sechseckiges Zellnetz entsteht.
prosenchymatisch prosenchymatische Zellen
Prosenchymatische Zellen sind sehr langgestreckte Zellen, die um ein Vielfaches länger als breit sind und mit spitzen Enden ineinander greifen. Sie sind sehr wahrscheinlich aus einem rhombischen Blattzellnetz durch immer stärkere Verlängerung entstanden. Diese Zellform kommt bei den typischen pleurokarpen Laubmoosen vor.
papillös papillöse Zellen
Als Papillen bezeichnet man kleine, knubbelige oder warzige Auswüchse der Zellwand. Zellen, deren Wände mit Papillen besetzt sind, heißen "papillös". Im Gegensatz zu den Mamillen (s.u.) sind hier die Zellen selber nicht nach außen vorgewölbt, lediglich die Zellwände sind verdickt. Stark papillös sind beispielsweise die oberen Blattzellen der meisten Pottiaceen, von denen viele sogar strukturierte, C-förmige Papillen besitzen. In der Datei über die Gattung Tortella gibt es ein Bild, welches zeigt, wie ein papillöses Blattzellnetz unter dem Durchlicht-Mikroskop aussieht.
mamillös mamillöse Zellen
Mamillös sind Zellen, deren Zellwände nach außen vorgewölbt sind. Die Vorwölbungen selber bezeichnet man als "Mamillen". Im Gegensatz zu bei den Papillen sind hier nicht nur die Zellwände, sondern auch die Zellen selber vorgewölbt.
by Michael Becker, 5/2001. Letzte Änderung: 8/2001.