Sammeln und Bestimmen von Moosen

Verglichen mit Blütenpflanzen, die man pressen muß, und bei denen man aufpassen muß, daß fleischige Teile nicht anfangen zu schimmeln, sind Moose sehr einfach zu sammeln. Um so schwieriger ist häufig eine korrekte Bestimmung der Art.

Wo sammeln?

Prinzipiell kann man natürlich überall Moose sammeln. Allerdings gibt es artenreichere und artenärmere Gebiete. Besonders artenarm sind beispielsweise offene landwirtschaftliche Flächen. Artenreich sind dagegen meistens schattige Felsschluchten. Wälder -sowohl Laubwälder wie Nadelwälder- können ausgesprochen artenreich sein. Meist gibt es in ihnen aber auch nicht mehr als das Dutzend Moosarten, das es überall gibt.

Insgesamt sind die Moosarten ausgesprochen heterogen verteilt. Innerhalb von größeren, mehr oder weniger artenarmen Gebieten gibt es immer wieder kleinere Flecken mit einer hohen Artanzahl. In Bonn ist beispielsweise der Alte Friedhof ein kleines Paradies für Bryologen.

Besonders reich ausgestattet mit Moosarten sind Bachschluchten in den Alpen und im Schwarzwald. Speziell in der Nähe des Feldberges gibt es einige Arten, die ansonsten in Deutschland nicht mehr vorkommen.

Wenn man gelernt hat, die häufigsten Moosarten zu erkennen, und man mit offenen Augen durch die Welt geht, so wird man im Laufe der Zeit merken, wo in der näheren Umgebung die Artenfülle groß ist, und wo sie klein ist. A priori läßt sich dies nur schwer abschätzen.

Wie sammeln?

Hat man ein Moos gefunden, welches man mitnehmen und bestimmen möchte, so trennt man einfach einen kleinen Flecken aus dem Polster oder dem Rasen heraus. Einzelne Stengel reichen i.A. zum Bestimmen nicht aus. Sind Sporophyten vorhanden, so sollte man darauf achten, auch von diesen welche zu erwischen. Sie können u.U. das Bestimmen später ganz erheblich erleichtern.

Zum Transport kommen die Moose möglichst in eine Papiertüte, ein zusammengefaltetes Taschentuch oder ähnliches. Plastiktüten gehen zur Not auch, man sollte die Moose jedoch nicht länger als vielleicht ein oder zwei Stunden darin lassen.

Fundzeit, und Fundort sollte man sich, wenn man das Moos nicht sofort bestimmen kann, notieren. Oft ist es für das Bestimmen nämlich nötig, zu wissen, auf welchem Untergrund es gewachsen ist, wie feucht oder wie sonnig es am Fundort war etc..

wie man eine Papiertüte faltet

Wie man eine Papiertüte zum Eintüten von Moosen faltet.

Später, nachdem man das Moos bestimmt hat, wird es in eine beschriftete Papiertüte getan. Diese Tütchen kann man hervorragend beispielsweise in einer alten Schuhschachtel aufbewahren. Moose werden nicht gepreßt, sondern man läßt sie einfach austrocknen. Macht man sie später wieder feucht, so quellen sie auf und sind wie neu. Moose, die schon viele Jahre alt sind, werden mit der Zeit gelb, man kann aber auch sie auf diese Weise wieder befeuchten.

Eine ausführliche und korrekte Beschriftung der Papiertütchen kann später äußerst hilfreich sein. (Wie ich selber erfahren mußte, als ich diese Seiten zusammenstellte.)

Das Bild oben zeigt, wie man sich üblicherweise aus einem DIN-A4-Blatt ein Tütchen zum Aufbewahren von Moosen faltet. Dies ist eine Arbeit von 5 Sekunden.

Bestimmen

Zum Bestimmen eines Mooses benötigt man zu allererst einmal ein Bestimmungsbuch. Hier gibt es zum einen populärwissenschaftliche Bücher wie [BLV] und [Kos]. In diesen werden die häufigeren Moosarten anhand von Farbfotos und Kurzbeschreibungen vorgestellt. Ein Vorteil dieser Bücher ist, daß man u.U. die Bestimmung sogar im Feld vornehmen kann, weil man keine Geräte, bis auf vielleicht eine gute Lupe, braucht. Da allerdings Moose im Aussehen beträchtlich schwanken können, ist ein Nachteil solcher Bücher, daß man ein Moos u.U. auf dem Bild nicht erkennen kann. Dies führt dazu, daß man in der Praxis viele Moose nicht, oder zumindest nur mit einer großen Unsicherheit mit diesen Büchern bestimmen kann.

Abhilfe versprechen dabei die Bestimmungsbücher mit einem dichotomen Bestimmungsschlüssel wie [FF] und [FFFL]. Mit ihnen kann man sämtliche vorkommenden Moosarten systematisch und sauber bestimmen. Nachteil dabei ist allerdings, daß diese Bücher meist auf Merkmale wie Form der Blattzellen oder Struktur der Zellwände zurückgreifen. Man braucht für die Bestimmung deshalb ein einigermaßen gutes Mikroskop. (Ein simples Schülermikroskop reicht meist nicht aus.) Bei Gruppen mit schwieriger Taxonomie sind für die Bestimmung manchmal sowohl Gametophyt wie Sporophyt notwendig. In diesen Büchern gibt es keinerlei Farbfotos, sondern nur Skizzen von Blättchen oder von einzelnen Zellgruppen, weshalb es manchmal schwierig zu sagen ist, ob man ein Moos korrekt bestimmt hat, oder ob man völlig daneben liegt.

by Michael Becker, 6/2000. Letzte Änderung: 6/2000.