St. Stephanus

St. Stephanus

St. Stephanus ist die Pfarrkirche des Dorfes Grefrath im Kreis Neuss. Sie wurde 1862-1864 als Ersatz für eine älteren Kirche nach Plänen des Dombaumeisters Vincenz Statz im Stile der romantischen Neugotik errichtet.

Die Kirche überstand den 2. Weltkrieg, abgesehen von den Fenstern, relativ heil. Erst in den Jahren 1980 bis 1992 waren dann größere Renovierungsarbeiten nötig. Hierbei wurde die Kirche wieder in ihren Originalzustand versetzt. Sie gilt heute als die besterhaltene Dorfkirche im neugotischen Stil in der Erzdiözese Köln.

Die alte Pfarrkirche

die alte Kirche St.Stephanus

Die alte Pfarrkirche von Grefrath.

Das Dorf Grefrath (=Grafenrodung) in der Nähe von Neuss scheint seit Mitte des 12. Jh. zu existieren. Es wurde von den Grafen des kleinen Fürstentums Erprath, an die heute nur noch die Erprather Mühle an der Erft erinnert, gegründet. Die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche in Grefrath stammt vom Ende des 13. Jh. (eine Jahresangabe war 1250, die andere 1299). Auch diese alte Kirche war dem hl. Stephanus gewidmet.

Als eigenständige Pfarre hatte Grefrath das Recht auf die Besetzung einer Pfarrstelle und zahlte den Zehnt: Jeder Bewohner hatte ein Zehntel des jährlichen Ertrags an den Pfarrer abzuliefern. Bis 1405 sammelten und verwalteten die Fürsten in Erprath den Zehnt. Danach wechselte dieses Recht auf den Erzbischof in Köln, 1598 auf die Jesuiten in Köln und 1773 mit der Auflösung des Jesuitenordens auf den Magistrat der Stadt Köln.

Speziell die Jesuiten haben ein schlechtes Andenken in Grefrath hinterlassen, da sie zwar den Zehnt einsammelten, sich aber kaum um den Zustand der Kirche kümmerten.

1642 wurde die Kirche durch Hessisch-Weimarische Truppen so vollends geplündert, daß in den nächsten 15 Jahren keine Kirchenrechnung geführt wurde. 1655 wurde eine neue Glocke geweiht. Da die Zehntherren aber zum Wiederaufbau der Kirche nicht beitragen wollten, konnte sie nur behelfsmäßig zum Gottesdienst benutzt werden. Erst 1688-1725 gelang es, die morsche, aus Fachwerk bestehende Kirche durch einen Steinbau zu ersetzen.

Offensichtlich wurde der alte Turm in das Gebäude mit einbezogen. Jedenfalls mußte dieser 1727 repariert werden. 1808 mußte das rechte Seitenschiff und der Fußboden erneuert werden. 1864 wurde die alte Kirche ganz abgerissen.

Die alte Pfarrkirche war eine dreischiffige, ca. 15m lange und 12m breite romanische Kirche mit einem rechteckigen Turm. Den Eingang bildete ein kleines spitzgiebeliges Portalhäuschen.

Die St.-Rochus Kapelle in Lüttenglehn

Abgesehen von der Kirche in Grefrath gehört seit 1771 auch noch eine Kapelle im benachbarten Dorf Lüttenglehn zur Pfarrei. Damals waren alle Rinder bis auf vier durch eine Seuche gestorben und die Dorfbewohner legten ein Gelübde ab, eine Kapelle zu bauen, wenn die Seuche von ihnen genommen würde.

Die Kapelle wurde im Laufe der Zeit mehrmals ausgebessert. 1846 erhielt sie einen kleinen Glockenturm. 1956 war der Turm so baufällig, daß nicht mehr geläutet werden konnte. Seit der Renovierung 1969 wird die Glocke nur noch als Totenglocke verwendet.

Der Kirchbau 1862-1864

Grefrath um 1864

Grefrath um 1864

Zu dieser Zeit war die Einwohnerschaft von Grefrath und den umliegenden Orten auf knapp 1200 angewachsen, und die alte Kirche war endgültig zu klein geworden. Man darf sich aber trotzdem kein Dorf wie in heutigen Zeiten vorstellen: Es gab keine Elektrizität, keine Kanalisation, keine Wasserleitungen. Die Straßen waren nicht gepflastert, sondern verwandelten sich bei Regen in eine Schlammwüste. Pferde- und Kuhgespanne fuhren darüber.

Beschreibung der Kirche

Im Zuge der romantisch verklärten Rückbesinnung auf das Mittelalter wurde die neue Kirche wie viele andere Kirchen in dieser Zeit (ebenso z.B. der Kölner Dom) im Stile der Gotik gebaut. Der Baumeister war Vincenz Statz. Sie wurde ca. 100m westlich der alten Kirche errichtet.

Die neue Kirche ist ein dreischiffiger Backsteinbau. Die auf schlanken Rundpfeilern ruhende Decke aus Kreuzrippengewölbe überdeckt einheitlich das gesamte Kirchenschiff und ist mit stilisiertem Pflanzengeflecht und Blumenmotiven bemalt.

Der schlanke Turm der Kirche besteht aus drei Geschossen. Die unteren beiden haben einen quadratischen Grundriß, das dritte einen achteckigen. Darüber folgt ein Maßwerk-Geländer und darüber der spitze achtseitige Turmhelm.

Besonders schön sind die filigran gearbeiteten Fenster. Sie wurden von Edward von Steinle, einem Freund von Vincenz Statz, entworfen und in den Glaswerkstätten von Friedrich Baudri in Köln gefertigt. Die vier Fenster auf der linken Seite des Hauptschiffes zeigen Motive aus dem Leben Marias (die Geburt Marias, Mariae Verkündigung, Maria unter dem Kreuz, die sterbende Maria unter den 12 Aposteln), die vier rechten aus dem Josefs (Die Vermählung Josefs mit Maria, die Flucht nach Ägypten, Josef bei der Arbeit und Jesus im Tempel, der Tod Josefs im Beisein Marias). Die drei Chorfenster zeigen St.-Stephanus-Themen (die Verteidigungsrede vor dem Hohen Rat, die Steinigung, die Auffindung seines Leichnams).
Unter den Seitenfenstern des Hauptschiffes hängen 14 Bilder von Joseph Kehren, einem in Hülchrath geborenem Künstler, mit einem Kreuzweg. Dazwischen stehen auf jeder Seite vier Heiligen-Statuen aus Stein.
Oberhalb der kleinen Obergadenfenstern sind an den Seiten des Hauptschiffes je vier Freskengemälde mit Szenen aus dem Alten Testament.

Der dreiseitige Chorabschluß wird von Wänden gebildet, auf denen drapierte Vorhänge gemalt sind. Darüber läuft ein Schriftband mit einem Psalmtext.

Der Hochaltar wurde 1868 vom Düsseldorfer Bildhauer Joseph Anton Reis(s) gestaltet. Davor steht der neugotische Zelebrationsaltar mit den eingelassenen Reliquien. Im Zuge der Reform der Lithurgie in den 60er Jahren kam noch ein Opferaltar im Stile des Hochaltars dazu, der vom Neusser Bildhauer Wolfgang Kuhn geschaffen wurde.

Der linke Seitenaltar (Marienaltar), welcher von einer großen Maria-Statue dominiert wird, wurde 1871 ebenfalls von Reiss angefangen, dann aber vom späteren Aachener Stadtbaumeister Joseph Laurent vollendet. Dieser schuf auch den rechten Seitenaltar (Josefsaltar), der trotz seines Namens optisch von einer Herz-Jesu-Figur beherrscht wird.

Die reichverzierte Kanzel besteht aus einem Kanzelkorb, der auf gebündelten Säulen ruht. Das Kanzeldach stützt sich auf zahlreiche Säulen und ist selber mit Maßwerk und Filialen aufwendig gestaltet. In die Brüstung der Kanzel sind vier Statuen eingearbeitet.

In der Kirche gibt es zahlreiche schöne Schnitzarbeiten, wie die Kirchenbänke, die Beichtstühle und das Chorgestühl. Sie wurden von den Grefrathern Hubert und Jakob Esser aus der Oberstraße (heute Trockenpützstraße) geschaffen. Die Kirchenbänke sind heute durch neuere ersetzt.

1865 wurde die neue Orgel vom Viersener Orgelbaumeister Johannes Müller gebaut. Sie hat 32 Register und besteht aus insgesamt 2164 Pfeifen, darunter 1738 aus Zinn, 264 aus Holz und 165 Zungenpfeifen.

Das Tympanon (mit einem Relief geschmücktes giebelähnliches Feld) über dem Haupteingang zeigt eine Szene aus dem Leben St. Stephanus: Er verteilt Brot und Geld an Arme und Bedürftige.

Die Finanzierung des Kirchbaus

Die Kosten für den Neubau betrugen 25000 Taler. Von diesen wurden 9000 von wohlhabenden Pfarreimitgliedern gestiftet, 2000 wurden durch Umlagen (z.B. Pacht) von Nachbargemeinden eingezogen, weitere 2000 brachte die Gemeinde selber auf. Für die restlichen 12000 wurde ein langfristiges Darlehen zu Lasten der Pfarreimitglieder aufgenommen.

Unter den Stiftern besonders zu nennen ist die Familie von Stefanie Osterspey geb. Weidenfeld vom Rittergut Birkhof, deren Nachfahren heutzutage dort ein Gartencenter und einen Golfplatz betreiben. Von ihnen wurde gestiftet: Der Hochaltar, die Seitenaltäre, die 14 Kreuzwegstationen, die Kanzel und die Kirchenfenster.

Zu den Umlagen zu sagen ist, daß alle Gemeinden und Einrichtungen umlagepflichtig waren, in denen Pachtland der Pfarrgemeinde St. Stephanus lag. Dazu gehörten die Gemeinden Büttgen, Glehn, Neuss und Holzheim, welche sich durch eine Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf von dieser zusätzlichen Last zu befreien versuchten. Jedoch erfolglos.

Für die Aufnahme eines Darlehens war sowohl eine kirchenrechtliche wie eine staatliche Genehmigung nötig. Die staatlichen Stellen stimmten sogar einem noch höheren Kredit zu, und so zahlte die "Rheinische Provinzial-Hülfskasse" am 22.6.1865 einen Betrag von 14000 Talern an die Pfarrgemeinde.

Die Geschichte bis 1980

In den 70er Jahren des 19. Jh. wurden in Deutschland die Folgen des "Kulturkampfes", bei dem der Einflußbereich von Staat und Kirchen neu abgesteckt wurden, spürbar. 1874 wurden sämtliche Einnahmen der Pfarrstelle durch die Regierung in Düsseldorf eingezogen. Zwar wollte der damalige Kirchenvorstand das Geld aus den Stiftungsfond zunächst nicht herausrücken, aber auch das half nicht. Leider wurde ein Teil des eingezogenen Geldes vom Bürgermeister in Kreitz veruntreut. 1875 wurde das entsprechende Gesetz wieder aufgehoben und das Geld zurückgezahlt. Das veruntreute Geld jedoch blieb verschwunden und wurde natürlich nicht zurückerstattet.

Seit 1908 konnte man in Grefrath elektrischen Strom benutzen.

Den zweiten Weltkrieg überstand die Kirche relativ unbeschadet. Durch eine Luftmine, die über Grefrath explodierte, wurde das Dach und die Fenster der Kirche und des angegliederten Pfarrhauses beschädigt. Weniger glimpflich kamen das Nachbardorf Lüttenglehn und das Kloster Kreitz davon, auf die Brandbomben abgeworfen wurden. Die zerstörten Fenster wurden nach dem Krieg durch bunte Fenster mit abstrakten Motiven ersetzt.

Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich das Gesicht des Dorfes grundlegend: Mehr als 2500 Neubürger siedelten sich an. Im Dorf wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet. Die meisten Leute pendelten nun zur Arbeit nach Neuss und Düsseldorf. Ab 1972 kommt es dann im Dorf zu einem zweiten Bauboom.

Die Kirche hatte in beiden Weltkriegen ihre Glocken verloren. Am 4.4.1954 wurden zusätzlich zur einige Jahre älteren Franziskusglocke (Ton a) drei neue Glocken eingeweiht. Es sind die Josefsglocke (13 Zentner, Ton g), die Immaculataglocke zum marianischen Jubeljahr (20 Zentner, Ton f) und die Stephanusglocke (35 Zentner, Ton d). Sie wurden von Feldmann & Marschel in Münster hergestellt.

1963 wurde die Orgel, die zuvor durch wiederholte notdürftige Reparaturen bespielbar gehalten wurde, von der Orgelfirma Seifert generalüberholt. Geld kam u.a. von der Erzbischöflichen Behörde und vom Denkmalschutz.

Die Renovierung ab 1978

1974 schlug während eines heftigen Gewitters ein Blitz in die Kirche ein. Eine Bestandsaufnahme der Elektrik zeigte, daß sämtliche elektrische Leitungen, Lampen und die Heizung erneuert werden mußten. Hierfür mußte allerdings der Putz aufgerissen werden. Da der Anstrich der Kirche im Laufe der Zeit sowieso unansehnlich geworden war, entschloß man sich, die Kirche neu zu weißen. Die Unkosten sollten sich auf ca. 330000DM belaufen. Die Verhandlungen mit dem erzbischöflichen Generalvikariat über die Finanzierung zogen sich jedoch hin, und die Renovierung wurde aufgeschoben.

Bei einer Sichtung der Aktenlage wurden dann 1978 einige alte Papierrollen gefunden. Darunter befanden sich Originalvorlagen für die ursprüngliche Ausmalung der Kirche und Pläne für die Kirchenfenster, die so detailliert und gut erhalten waren, daß die neuen Fenster danach hergestellt werden konnten. Diese Pläne gehörten der Familie Weidenfeld und waren nach dem Krieg von Fr. Stefanie Osterspey geb. Weidenfeld der Kirchengemeinde gestiftet worden.

Die Begehung der Kirche brachte aber zahlreiche weitere schwere Schäden zum Vorschein: Im Turm gab es Wasserschäden, das Dach war undicht, die Orgelbühne, Bänke und Fußpodeste waren von Holzwürmern zerfressen, das Mauerwerk war morsch, die Bleifassungen der Fenster mürbe und undicht, im Mauerwerk gab es Risse usw.. Die gesamte Mängelliste umfaßte 100 Positionen.

Frontansicht von St. Stephanus

Frontalansicht von St. Stephanus.

Aufgrund dieser Mängel bekam man schließlich Geld:

Von diesem Geld sollte bezahlt werden:

Die Kirchenfenster waren eine besondere Position. Sie sollten nach den mit phototechnischen Methoden auf 1:1 vergrößerten Originalaquarellen von Eduard Steinle geschnitten und bemalt werden. Pro Fenster fielen ca. 1500 Arbeitsstunden an, so daß jedes Jahr nur ein Fenster erneuert werden konnte. Diese Maßnahmen wurden durchgehend vom Regierungspräsidenten in Düsseldorf finanziell unterstützt.

Am 2.1.1979 schließlich wurde die Kirche durch freiwillige Helfer ausgeräumt. Die Kirchenmöbel wurden in Scheunen untergestellt. Am 21.4.1980 wurde die renovierte Kirche vom Weihbischof eingeweiht.

In den folgenden Jahren wurden wiederholt Dachschiefer vom Wind aus dem Dach gebrochen. Diese Gefahrenquelle mußte entfernt werden: 1986/87 wurde das Kirchendach und der Kirchturm neu gedeckt. Der Kirchturmhahn wurde neu vergoldet.

Abgesehen davon war es im Heizungskeller immer noch feucht und an den Außentüren zeigten sich abermals morsche Stellen. Die Kosten beliefen sich auf ca. 650000DM, von denen die Gemeinde ca. 50000 aufbrachte, den Rest das Generalvikariat.

1994 schließlich war auch das letzte Glasfenster erneuert. Die Eigenleistung der Gemeinde wegen den Fenstern betrug 30000DM im Jahr.

1988 wurde St. Stephanus durch das Bundesverwaltungsamt in Köln als "besonderes nationales Kulturdenkmal" anerkannt.

Mit der Kirche verbundene Einrichtungen (Auswahl)

Schulen

Das benachbarte Dorf Lüttenglehn besaß schon 1783 eine eigene Schule. In Grefrath unterrichtete 1808-1835 der Küster. Dort gab es ab 1821 eine eigene Schule. Ab 1823 besuchten dann auch die Kinder aus Lüttenglehn die Grefrather Schule.

1845 wurde in Grefrath eine größere Schule gebaut, die sog. Alte Penne, welche auch noch heute existiert und von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt wird. Sie wurde von Kindern der Dörfer Grefrath, Lüttenglehn und Glehn benutzt.

In den 50er Jahren gab es dann in Lüttenglehn Bestrebungen, wieder eine eigene Schule zu betreiben, die, dank einem Chaos bei den dazugehörigen Genehmigungen, damit endeten, daß die Gemeinde Glehn für die Benutzung von zwei Schulen in Grefrath und Lüttenglehn zahlen mußte. Sie legte dagegen Beschwerde ein und bekam in der ersten Instanz Recht. Die Schule in Grefrath wurde stillgelegt und zum Verkauf angeboten. Die übergeordneten Instanzen hoben das Urteil jedoch auf und die Schule in Lüttenglehn wurde aus dem Grefrather Schulverband herausgelöst.

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Zahl der Schüler so, daß ein Teil des Unterrichts 1965 in das Haus der Landfrau verlagert werden mußte. 1968/69 wurde die Schule in eine Grundschule (in Grefrath) und eine Hauptschule (in Holzheim) aufgeteilt. Die Schule in Lüttenglehn wurde in diesem Jahr aufgelöst und verkauft.

Da die Schülerzahlen weiter stiegen, mußte 1975 ein neues Schulgebäude gebaut werden. Dieses war jedoch schon bei Fertigstellung wieder zu klein, so daß die Alte Penne weiterhin genutzt werden mußte. Erst der Anbau von zwei weiteren Klassenräumen brachte die nötige Entspannung. Die katholische Grundschule Grefrath ist heute die Grundschule für die Kinder aus Grefrath, Lüttenglehn, Röckrath, Dirkes und Lanzerath.

Das Haus der Landfrau

In den Jahren 1953/54 wurde von der Zivilgemeinde Holzheim, einem benachbarten Dort, an der Stelle, an der die alte Kirche gestanden hatte, ein Gebäude namens "Das Haus der Landfrau" gebaut, welches als Wäscherei, Badehaus und Kindergarten diente. Der Entwurf stammt von der Landwirtschaftskammer in Bonn.

Da es auf dem Land zu dieser Zeit kaum Badezimmer gab, wurden diese Möglichkeiten von der Bevölkerung gut angenommen: Täglich wurden 150-250kg Wäsche verarbeitet. An Spitzentagen zählte man 60 Wannen- und 40 Duschbäder (Freitag war der Badetag für Frauen, Samstag Nachmittag für die Männer, und Samstag Vormittag war der Duschtermin für die Schüler der Grundschule Grefrath, welche klassenweise und nach Geschlecht getrennt nach Holzheim zogen.)

Nachdem wegen des Wirtschaftswachstums in den Gemeinden diese Möglichkeit zum Baden und zum Waschen obsolet wurde, wurde das Gebäude umgebaut, so daß mehr Kinder als bisher den Kindergarten besuchen konnte. Schließlich zog auch der Kindergarten in ein neues Gebäude, und das Gebäude wurde von Vereinen, Gruppen und für private Feiern etc. genutzt.

1984 kaufte die Kirchengemeinde St. Stephanus das Haus der Landfrau von der Stadt Neuss als Nachfolgerin der Zivilgemeinde Holzheim. Bis 1986 wurde es umgebaut, um der neuen Aufgabe gerechter zu werden. Heute wird es insbesondere von kirchlichen Gruppen genutzt.

Der Kindergarten

Der erste Kindergarten für Grefrather Kinder wurde auf Betreiben des damaligen Pastors Josef Esser im Haus der Landfrau eingerichtet. Er wurde 1954 eingeweiht. Seine Aufgabe war zunächst nicht mehr als die bloße Betreuung der Kinder und damit die Entlastung der Mütter, die teilweise in der Landwirtschaft arbeiteten.

Ab 1972 wurde ein weiterer Gruppenraum im Gebäude vom Kindergarten genutzt, so daß die Anzahl der Kinder, die man dort betreuen konnte, von 40 auf 60 stieg. Wegen des Wachstums der Gemeinde Grefrath wurde der Kindergarten schnell wieder zu klein: 1977 waren 131 Kinder auf der Warteliste. Die Arbeit in den überfüllten Gruppen wurde unzumutbar.

1977 nahm der deshalb Kirchenvorstand unter Leitung von Pastor Oskar Jungblut die Planung und Finanzierung eines neuen Kindergartens in Angriff. Bei der Finanzierung des 1,5 Millionen teuren Neubaus, der hinter der "Alten Penne" errichtet wurde, beteiligte sich die Stadt Neuss, der Landschaftsverband Rheinland, die Kirchengemeinde und zahlreiche Spender und Schenker.

1983 wurde der neue Kindergarten offiziell eingeweiht, so daß nun alle Grefrather Kinder einen Kindergarten besuchen konnten.

Kreuze und Fußfälle in der Umgebung Grefraths

Wie vermutlich viele Gemeinden in der Gegend wurden in der Gegend um Grefrath Dutzende von Kreuzen aufgestellt. Statt einer vollständigen Auflistung dieser erkläre ich nur kurz die wichtigsten Kreuz-Typen. Die meisten dieser Kreuze sind aus verschiedenen Gründen, wie z.B. der Flurbereinigung, mehrmals umgesetzt worden.

Hagelkreuze sind vermutlich die ältesten Kreuze, die man heute noch auf den Feldern anfinden kann. Es sind typischerweise sehr hohe Kreuze, die an Feldrändern unter Linden stehen. Sie sollten die Felder segnen und vor Hagel und Feuer bewahren.

Abgesehen davon erfüllten sie auch noch eine soziale Funktion: Da das Gebet von armen Leuten als besonders wirksam angesehen wurde, legten Landbesitzer manchmal Korn und Brot für die Landstreicher unter die Kreuze. Zweimal im Jahr (am Markustag (25.4.) und 3 Tage vor Christi Himmelfahrt) gab es die sog. Hagelfeiern. An diesen Tagen gab es Prozessionen zu den Kreuzen. Dort wurde dann - streng geregelt, damit keiner zu kurz kam - Brot an die Armen ausgeteilt.

Das Hagelkreuz der Gemeinde Grefrath stammt mindestens aus dem Jahr 1664.

Fußfälle entstanden gegen 1700 am Niederrhein. Sie haben eine Grundfläche von ca. 1m^2 und tragen giebelförmige Decksteine. In der Gemeinde Grefrath sind sie aus Sandstein. In einer Nische auf halber Höhe befinden sich Steintafeln mit verschiedenen (in verschiedenen Gemeinden aber immer dieselben) Szenen des Leidensweges Jesu.

In der Regel wurden 7 solche Fußfälle im freien Feld rund um die Gemeinde aufgestellt und es gab Bußprozessionen zu ihnen. Wieviele solche Fußfälle es ursprünglich in der Gemeinde Grefrath gab, weiß man nicht. Heute gibt es noch 4 Fußfälle, ein fünfter wurde 1987 durch eine umfallende Linde zerstört und wird vermutlich auch nicht mehr erneuert werden können (teils wegen fehlenden finanziellen Mitteln, teils wegen verlorengegangenem handwerklichen Geschick). Ein sechster wurde 1936 durch einen unbekannten NS-Fanatiker zerstört.

Das Missionskreuz. Nach der Belebung des Volksmissionsgedankens Mitte des 19. Jh. wurden die Gemeinden regelmäßig - ca. alle 10 Jahre - missioniert. Zur ständigen Erinnerung an die durchgeführten Missionen wurde das sog. Missionskreuz aufgestellt. In Grefrath steht dieses unmittelbar neben der Kirche.

1983 war es so stark verwittert, daß eine Restaurierung unmöglich war und es durch ein neues Kreuz ersetzt werden mußte. Lediglich den Corpus konnte man restaurieren.

Andere Kreuze, die einfach nur so aufgestellt wurden, gibt es ziemlich viele. In den Dörfern Grefrath, Lüttenglehn und Röckrath und den umliegenden Feldern stehen abgesehen von den schon aufgeführten insgesamt noch 11 weitere Kreuze aus den Jahren 1500 bis 1800.

Eines der Kreuze war der Punkt, wo der Pfarrer von St. Stephanus die Begräbniszüge aus Lüttenglehn erwartete und den Toten segnete. Die meisten aber erfüllten keinen besonderen Zweck. Manche der Kreuze stammen von aufgelösten Friedhöfen.

Biographie von Vincenz Statz

Vincenz Statz wurde 1819 als Sohn eines in Frechen (heute bekannt durch den Braunkohletagebau) geborenen Schreiners in Köln geboren. Er machte Ausbildungen zum Schreiner, Zimmerer und Maurer. 1841 trat er als Schüler in die im gleichen Jahr wiedergegründete "Kölner Dombauhütte" ein. Schon nach vier Jahren übernahm er dort die leitende Funktion des "2. Dombaumeisters", in der er hauptsächlich die Planung von Kirchenneubauten und -restaurationen übernahm. Er übte dieses Amt bis 1854 aus.

Ab 1854 war er ein vielbeschäftigter Privatbaumeister. 1861 wurde er vom preußischen König zum "Privatbaumeister" ernannt, 1863 zum Diözesanbaumeister der Erzdiözese Köln, 1868 zum "königlichen Baurat". 1879 überließ er die Führung seines Betriebs seinem Sohn Franz, blieb aber weiterhin aktiv. 1898 starb er.

Er gehörte zum Freundeskreis des Weihbischofs Baudri, Eduard Steinles, Adolf Kolpings u.a., welcher sich um die Kirchenrestaurierung im Rheinland sehr verdient gemacht hat. Durch seinen Freundeskreis wurde er ein Verehrer der gotischen Kirchenbaukunst. Dieser Stil wurde zu der Zeit im Zuge der romantischen Rückbesinnung auf das Mittelalter als "deutscher Stil" verklärt und gefördert.

Typisch für Vincenz Statz waren einfache, schlichte Backsteingebäude, welche innen durch Blumenmotive reichlich ausgeschmückt wurden, und schlanke himmelstrebende Formen. Er plante seine Kirchen bis hin zu den Details wie Altären, Ausstattung, Kirchengerät usw..

Sein Lebenswerk ist beeindruckend. Nachgewiesen sind 136 Kirchen und Kapellen, 41 Restaurationen, 33 Profanbauten (darunter 15 Pfarrhäuser und 8 Krankenhäuser). Dazu kommen viele Kleinobjekte, Buchveröffentlichungen über gotische Kirchen und massenhaft Gutachten zu Fremdentwürfen. Als seine Hauptwerke gelten der Dom in Linz (Entwurf 1859, Ausführung 1862-1924) und die Mauritiuskirche in Köln. Er gilt heute als der bedeutendste Dombaumeister des Rheinlandes.

Der heilige Stephanus

Stephanus lebte im 1. Jh. nach Christus in Jerusalem. Seine Geschichte wird in der Apostelgeschichte 6-7 erzählt.

Die Gemeinde der Christen war zu dieser Zeit soweit angewachsen, daß erstmals die Einführung von Ämtern erforderlich war. Stephanus war einer dieser ersten sieben "Ur-Diakone", welche für die Glaubensverkündung und soziale Belange der Gemeine zuständig waren.

Er wurde wegen Gotteslästerung vor den Hohen Rat der Schriftgelehrten gebracht. Lukas schildert Stephanus in der Apostelgeschichte als begnadeten Redner, dessen Verteidigungsrede seine Ankläger in ohnmächtiger Wut mit den Zähnen knirschen läßt. Anschließend wurde er vor den Stadttoren gesteinigt. Im Sterben sagte er zu seinen Peinigern: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an." Stephanus wird deshalb auch als "Erzmärtyrer" bezeichnet. Amtlicher Zeuge der Hinrichtung war Saulus, der später bekehrt wurde.

Mit diesem Tag begann in Jerusalem die massive Verfolgung der Christen, welche dazu führte, daß die Gemeinde in Jerusalem zerbrach und sich die Christen "in alle Welt" aufmachten.

Im Gegensatz zu dem, was in der Bibel steht, berichtet eine Legende, daß der Leichnam von Stephanus danach lange Zeit an irgendeinem schmutzigen Ort lag. Erst gegen 415 wurde er in der Nähe Jerusalems aufgrund eines Traumes eines Priesters namens Lucian gefunden. Die Reliquien wurden dann unter großen Feierlichkeiten in eine Kirche übertragen.

Verwendete Literatur/Links

Die folgenden beiden Bücher wurden verwendet:

Außerdem wurde die Broschüre "Katholische Kirchen im Neusser Raum laden ein" der Stadt Neuss, und eine weitere Broschüre, vermutlich von der Gemeinde St. Stephanus verteilt, benutzt.

Für die Bereitstellung der Bücher und Broschüren danke ich M. Pastuszyk.

Aktuelle Veranstaltungen der Gemeinde findet man auf der Seite Rund um St. Stephanus Neuss von M.Sikora.

by Michael Becker, 4/1998. Letzte Änderung: 2/2002.