Dermacentor

Kurzbeschreibung der Gattung

Die Tiere, insbesondere die Männchen, der Gattung haben oft ein auffallend buntes und gemustertes Schild. Dieses ist nämlich mit einem hellen sog. Emailpigment bedeckt. Die Ansatzpunkte der Muskeln sind dagegen als dunklere Punkte sichtbar. Auch an den Pedipalpen und am Gnathosoma gibt es weiße Pigmentflecke. Neben dem Scutum befinden sich zwei gutentwickelte, flache oder etwas gewölbte Ocelli (Augen). Am Hinterende des Körpers befinden sich 11 gut erkennbare Festons. Auf der Bauchseite des Männchens befinden sich keine Chitinplatten.

Die Analfurche den Anus von hinten.

Die Basis Capituli ist kurz. Die Pedipalpen sind dick.

Die Coxa des 4. Beinpaares der Männchen sind sehr groß und nehmen fast das ganze hintere Drittel der Bauchfläche ein. Alle Coxa tragen einen Außendorn, und bei den meisten Arten auch einen Innendorn. Auf der Oberseite des Trochanters des 1. Beinpaares ragt ein kleiner Chitinfortsatz hervor. Auf der Unterseite von Trochanter, Femur, Tibis und Tarsus sitzen kleine dornartige Chitinfortsätze, deren Anzahl charakteristisch für die Arten ist.

Innerhalb der Gattung Dermacentor werden mehrere Untergattungen unterschieden. Deren Einteilung erfolgt nach der Bedornung von Bein und Pedipalpen-Segmenten, und nach der Ausbildung der Pigmentierung. Da in Mitteleuropa nur zwei Dermacentor-Arten vorkommen, wird nicht weiter darauf eingegangen.

Bestimmungsschlüssel für Weibchen und Männchen

  1. Auf der Oberseite des 2. Pedipalpengliedes befindet sich ein nach hinten gerichteter, spitzer Dorn.... D. pictus
  2. Kein Dorn am 2. Pedipalpenglied.... D. marginatus

Einzelbeschreibung der Arten

Dermacentor marginatus Schulzer

Weibchen

Gnathosoma und Hypostom von D.marginatus, Weibchen

Das Scutum ist rundlich, ca. 2mm lang und breit. Die Augen sitzen an der breitesten Stelle. Die Scapulae sind groß und spitz. Die Zervikalfurchen nähern sich bis zur Schildmitte an, danach laufen sie auseinander und erreichen fast den hinteren Schildrand. Das Schild ist weißlich, dunklere Stellen befinden sich vor allem in Nähe der Zervikalfurchen, der Augen, sowie an den Seiten und hinten.

Die Basis Capitulis ist viereckig. An den beiden hinteren Enden sitzen flache, stumpfe Hörner. Die Außenseiten gehen nach vorne leicht auseinander. Die Areae porosae sind groß und rund. Vor ihnen sitzen in einem Bogen 12 Haare. Das 2. Glied der Pedipalpen ist etwas länger als das 3. Die Nahtlinie zwischen ihnen ist deutlich sichtbar. Auf der inneren, unteren Seite der Pedipalpenglieder sitzen kräftige sichelförmige Haare. Das Hypostom ist im vorderen Drittel am breitesten. Die Hypostomspitze hat zwei etwas konkave Seiten. Die Zähne sind in je 3 Längsreihen angeordnet. Die beiden äußeren bestehen aus spitzen, die innere aus stumpfen Zähnen. Es sind ca. 9 gut entwickelte Zähne in jeder Reihe vorhanden. Nach unten werden sie allmählich kleiner. Unten in der Mitte liegt ein großer dreieckiger zahnfreier Bereich. Die Spitze des Hypostoms ist mit winzigen Zähnchen bedeckt.

Tarsus des 1. Beinpaares von D.marginatus, Weibchen

Die Stigmenplatte ist halbkreisförmig. Auf ihr sitzt eine längliche glatte Chitinplatte.

Die Coxa des 1. Beinpaares werden durch einen Längseinschnitt in zwei Teile geteilt. Der Einschnitt erreicht nicht ganz die Mitte des Coxa. Die Coxa des 2.-4. Beinpaares tragen einen gut entwickelten Außendorn. Die Beine sind dick. Auf der Unterseite der Beinglieder befinden sich je drei stumpfe zahnartige Erhebungen, auf der Oberseite der Tarsi des 1. Beinpaares ein nach hinten gerichteter krummer Dorn.

Männchen

Gnathosoma von Hypostom von D.marginatus, Männchen

Stigmenplatte von D.marginatus, Männchen

Das Schild ist eiförmig und hinten breit abgerundet. Die Scapulae sind spitz und liegen eng beieinander. Die Grundfärbung des Scutums ist silbrigweiß. Vor allem an den Furchen und zwischen den Festons befinden sich dunkelbraune Flecken. Auf den beiden Seiten befinden sich rundliche Porenfelder, die oft etwas asymmetrisch liegen.

Die Basis Capituli ist viereckig. Ihre Außenseiten sind parallel mit verstreuten Härchen. Hinten an der Seite sitzen gut entwickelte spitze Hörner. Am vorderen inneren Ende der Pedipalpen ragt eine stumpfe Spitze hervor. Ansonsten gleichen die Pedipalpen denen des Weibchens, sind aber breiter abgerundet. Das Hypostom ist im vordersten Viertel am breitesten. Zur Basis hin verjüngt es sich nach und nach, zur Spitze hin plötzlich. Die Zähne sind in je 3 Längsreihen angeordnet. Alle Zähne sind spitz. Es sind 9 Zähne vorhanden. Unter den untersten Seitenzähnen sitzen nochmal kleine Zähnchen.

Die Stigmenplatte ist länglichoval mit einem Vorsprung. Die Macula ist groß und länglich.

Coxa von D.marginatus, Männchen, links das vorderste

Die Coxa des 1. Beinpaares werden an der Körperseite durch einen tiefen Einschnitt längs in zwei Teile geteilt, so daß sie praktisch in zwei Stacheln enden. Die Coxa des 2.-4. Beinpaares tragen je einen Außendorn. Der hintere Teil der Coxa des 4. Beinpaares ist stark vergrößert. An einigen der anderen Beinglieder sitzen drei stumpfe Dornen. Am Ende der Tarsi des 1. Beinpaares befindet sich eine nach unten gerichtete spitze Kralle. Die Pulvilli sind groß und erreichen fast das Ende des Krallen.

Nymphe

Der Körper ist oval, 1,6mm lang und 0,9mm breit.

Die Seiten der Basis Capituli sind stark zugespitzt. Die Außenseiten der Pedipalpen sind gerade. Das Hypostom trägt je 2 Längsreihen von Zähnen.

Die Stigmenplatte ist rundlich. Die Stigmenöffnung liegt nicht ganz in der Mitte.

Larve

Der Körper ist 0,75mm lang und 0,5mm breit. Das Scutum bedeckt ungefähr die Hälfte des Körpers. Die Seiten der Basis Capituli sind zugespitzt. Die Coxa tragen keiner Dornen.

Dermacentor marginatus lebt auf buschigen Weiden und Steppen, kommt aber sekundär auch in Laubwäldern vor. In den wärmeren Gebieten Europas ist D.marginatus neben Ixodes ricinus die häufigste Zeckenart.

Die Adulten schmarotzen an großen und mittelgroßen Säugern, die Larven und Nymphen ausschließlich an kleinen Säugern, zumeist an diversen Nagetierarten oder am Maulwurf. Die Adulten sind vor allem im Frühjahr und im Herbst aktiv. Sie sind relativ kältetolerant und erscheinen bald nach der Schneeschmelze. Larven und Nymphen sind vor allem in den Sommermonaten anzutreffen.

Eine vollständige Entwicklung (Schlupfvorgang bis zum Tod) dauert bei dieser Art in der Natur in der Regel ein oder zwei Jahre, unter Laborbedingungen 4 bis 5 Monate.


Dermacentor pictus Herman

Weibchen

Gnathosoma von D.pictus, Weibchen

Das Scutum ist 1.7mm lang und 1,8mm breit. Die größte Breite wird in Höhe der Augen erreicht. Die Scapulae sind groß und stumpf.

Die Basis Capituli trägt gut entwickelte Hörner. Die Areae porosae sind groß und rund. Das 2. Glied der Pedipalpen ist breiter als das 3.. Die Nahtlinie zwischen den beiden ist markant. An der hinteren äußeren Seite des 2. Glieds sitzt ein nach hinten gerichteter kräftiger Dorn. Die Bezahnung des Hypostoms ist wie bei D.marginatus.

Auf der Stigmenöffnung liegt schräg die längliche Macula.

Die Coxa des 1. Beinpaares sind bis über die Hälfte längs eingeschnitten. Die Coxa der 2.-4. Beinpaare sind abgerundet. Die Außendornen sind groß und stumpf.

Männchen

Gnathosoma und Hypostom von D.pictus, Männchen

Der Körper ist oval. Die Oberfläche des Scutums ist gleichmäßig mit feinen Punkten besetzt. Die Zervikalfurchen sind halbmondförmig und kurz. Die Lateralfurchen sind flach.

Die Außenseiten der Basis Capituli sind parallel. Anstelle der Areae porosae sitzen auf der Oberseite mehrere große Sensillen. Die Basis trägt zwei große, nach hinten gerichtete, spitze Hörner. Die Pedipalpen sind kurz und gedrungen. Ihr 2. Glied sind breiter und länger als das 3.. An der hinteren Außenseite des 2. Glied befindet sich ein mächtiger nach hinten gerichteter spitzer Stachel. Das Hypostom ist keulenförmig und im vorderen Viertel am breitesten. Die Spitze hat zwei konkave Seiten. Es trägt je 3 Längsreihen von Zähnen.

Die Stigmenplatte ist länglich.

Die Coxa des 1.-3. Beinpaares ähneln denen des Weibchen, die Dornen sind aber länger und spitz. Die Coxa des 4. Beinpaares sind hinten stark vergrößert. An den anderen Beingliedern sitzen meist je 3 Dornen.

Nymphen und Larven?

Gnathosoma von D.pictus, Nymphe

Gnathosoma von D.pictus, Nymphe

Dermacentor pictus kommt in Laubwäldern vor, vor allem in den Überflutungszonen von Flüssen. In Mitteleuropa kommt er sehr häufig in der Nähe von Gebirgsflüssen vor. Sein Verbreitungsgebiet ist Europa bis nach Rußland.

Die Adulten schmarotzen an großen Säugern und sind von Ende April bis Juni aktiv, und später nocheinmal etwas weniger im Herbst. Die Larven und Nymphen schmarotzen ausschließlich an kleinen Säugern und sind im Sommer am aktivsten.

by Michael Becker, 10/1998.