Rhipicephalus

Kurzbeschreibung der Gattung

Bei den Tieren der Gattung Rhipicephalus sind die Augen an den Seiten des Schildes gut entwickelt. Das Schild ist außer bei einigen afrikanischen Arten einfarbig. Die Zervikalfurchen sind tief und verbreitern sich hinten. Am hinteren Körperende befinden sich 11 Festons.

Die Analfurche umgibt den Anus von hinten. Die Stigmenplatten sind kommaförmig, beim Männchen stark verlängert, beim Weibchen eher kurz.

Die Außenseiten der Basis Capituli sind stark zugespitzt. Die Pedipalpen sind kurz und breit. Bei einigen Arten endet das 3. Glied mit einer zurückgebogenen scharfen Spitze. Auf der Bauchseite des 1. Glieds befindet sich ein kleines Plättchen mit kräftigen Haaren. Auf dem Hypostom befinden sich je drei Längsreihen mit Zähnen.

Ebenso wie bei den Dermacentor-Arten sind die Coxa des 1. Beinpaares längs geteilt. Auf der Oberseite der Trochanter des 1. Beinpaares sitzt ein dreieckiger, nach hinten gerichteter Dorn.

Es sind 5 Untergattungen bekannt: Rhipicephalus s.str. Koch, Digneus Pomeranzew, Lamellicauda Pomeranzew, Hyperapsidon Pomeranzew und Pterygodes Neumann. Die Gattung ist weltweit verbreitet. In Mittel- und Südeuropa kommen nur die beiden Arten R.sanguineus und R.bursa vor. Die Tiere sind gewöhnlich dreiwirtig, es gibt aber auch eine Reihe zweiwirtiger darunter.

Einzelbeschreibung der Arten

Rhipicephalus bursa Canestrini & Fanzago

Synonyme: Rhipicephalus bilenus Pavesi.

Weibchen

Gnathosoma von R.bursa, Weibchen

Scutum von R.bursa, Weibchen

Das Scutum ist 1,8mm lang und in der Höhe der Augen ca. 1,9mm breit. Es ist rötlichbraun und tief, gleichmäßig und dicht punktiert. Die Augen an den Seiten des Scutums treten deutlich hervor. Die Lateralfurchen fehlen. Die Zervikalfurchen sind tief und scharf und gehen bis zum hinteren Schildrand.

Die Basis Capituli trägt zwei stumpfe dreieckige Hörner. Die Form ist eigentümlich (Bild). Die Frontalabschnitte erreichen nicht die Höhe des 1. Pedipalpengliedes. Die Areae porosae sind länglichoval, etwas in die Oberfläche eingesenkt und scharf begrenzt. Das 1. Pedipalpenglied ist breit und flach. Die Außenseite des 2. Glieds ist in der Mitte zugespitzt. Am 1. und am 2. Glied sitzen federartige Haare. Das Hypostom ist keulenförmig mit je 3 Längsreihen von Zähnen. Jede Reihe besteht aus 10 spitzen Zähnen.

Die Stigmenplatte ist oval mit einem Fortsatz. Die Geschlechtsöffnung ist U-förmig.

Die Coxa des 1. Beinpaares sind über die Mitte hinaus längs geteilt. Die Coxa der 2.-4. Beinpaare tragen einen stumpfen Außendorn. Auf der Unterseite der Tarsi der 2.-4. Beinpaare sitzen an Stelle der Dornen beim Männchen stumpfe Vorwölbungen.

Männchen

Gnathosoma von R.bursa, Männchen

Stigmenplatte von R.bursa, Männchen

Das Scutum ist breit. Seine Farbe schwankt zwischen hellrötlichbraun und schwarz. Es ist gleichmäßig von tiefen großen Punkten bedeckt. Die Zervikalfurchen hören in Höhe der Augen auf. Die Augen treten hervor.

Die Basis Capituli gleicht der des Weibchens, aber die Hörner sind besser entwickelt und die Pedipalpen sind gedrungener. Anstelle der Areae porosae findet man einige große Sensillen und Haare.

Die Geschlechtsöffnung ist gerade. Die Stigmenöffnung ist oval mit einem sehr langen Fortsatz.

Die Coxa des 1. Beinpaares gabelt sich ungefähr in der Mitte in Längsrichtung. Die der 2.-4. Beinpaare tragen flache dreieckige Dornen. Auf der Unterseiten der Tarsi der 2.-4. Beinpaare sitzen nebeneinander gekrümmte spitze Dornen.

R. bursa kommt in Europa, vor allem rundherum ums Mittelmeer, außerdem in Ostafrika, und im Südwesten der ehemaligen SSR vor. Die Art bevorzugt ein warmes, mildes Meerklima, weder zu trocken noch zu feucht.

Alle Entwicklungsstadien schmarotzen an großen Säugern, die Nymphen u.U. auch an kleinen. Die Art ist zweiwirtig: Die Larve greift ihren Wirt im Herbst an und bildet sich auf ihm zur Nymphe um. Die Nymphen erscheinen dann ab Oktober, aber noch bis tief in den Winter hinein. Am Boden der Weide wandelt sich die Nymphe dann in das adulte Tier um. Diese Adulten erscheinen je nach Temperaturverhältnissen von April bis Juli und bleiben den ganzen Sommer über aktiv.


Rhipicephalus sanguineus Latreille (Braune Hundezecke)

Synonyme: Ixodes sanguineus Letreille, Ixodes Dugesii Gervais, Ixodes rufus Koch, Rhipicephalus limbatus Koch, Rhipicephalus siculus Koch, Rhipicephalus rubicundus Frauenfeld, Rhipicephalus stigmaticus Gerstäcker, Rhipicephalus Beccarii Pavesi.

Weibchen

Gnathosoma und Hypostom von R.sanguineus, Weibchen

Scutum von R.sanguineus, Weibchen

Der Körper ist oval und meist ziemlich breit. Er kann 11mm lang und 7mm breit sein (nicht vollgesogen). Er ist rötlichbraun bis graugelb. Das Scutum ist ca. 1,5mm lang und in Höhe der Augen 1,3mm breit. An seinem hinteren Rand befindet sich ein kleiner Vorsprung. Die Scapulae sind stumpf. Es ist rötlichbraun mit großen, dunklen, spärlichen, sowie kleinen, dicht verteilten Punkten.

Die Basis Capituli ähnelt der von R.bursa, aber die Areae porosae sind kleiner und rund. Das Hypostom ist keulenförmig und in Höhe des 3. Seitenzahns am breitesten. Die Spitze ist flach und trägt je 3 Längsreihen von 10-12 Zähnen.

Die Stigmenplatte ist dreieckig. Die Macula ist auffallend länglichoval.

Die Coxa des 1. Beinpaares sind geteilt, die der 2.-4. Beinpaare tragen je einen stumpfen dreieckigen Außendorn. Auf der Unterseite der Tarsi der 2.-4. Beinpaare befinden sich stumpfe Krallen.

Männchen

Gnathosoma von R.sanguineus, Männchen

Stigmenplatte von R.sanguineus, Männchen

Das Scutum ist länglich, sein hinteres Ende halbkreisförmig. Es ist rötlich- bis dunkelbraun. Es ist mit großen, in Querreihen angeordneten Punkten, und gleichmäßig verteilten kleinen Punkten bedeckt.

Die Basis Capituli zeigt die für die Gattung typische Form. Auf dem Hypostom sitzen je 3 Längsreihen mit je 8 großen Zähnen.

Die Stigmenplatte ist schmal und kommaförmig. Die Macula ist relativ klein und rund.

Nymphe

Das hintere Körperende ist abgerundet. Der mittlere Feston ist ungefähr so groß wie die benachbarten Festons.

Die Pedipalpen sind trapezförmig mit abgerundeten oder schräg gestutzten Enden. Die Außenseite des 2. Gliedes wölbt sich spitz vor. Auf seiner Unterseite befindet sich ein Dorn. Die Spitzen an den Außenseiten der Basis Capituli sind stumpf.

Die Coxa des 1. Beinpaares sind geteilt. Die Teile sind ungefähr gleich dick.

Larve

Die Pedipalpen sind trapezförmig und vorne schräg gestutzt. Die Zuspitzung der Basis Capituli an den Seiten ist vernachlässigbar.

Rhipicephalus sanguineus ist auf allen Kontinenten verbreitet, in Europa hauptsächlich um das Mittelmeer und um das Schwarze Meer herum. In die Neue Welt ist die Art vermutlich zusammen mit Nutzvieh eingeschleppt worden. Aufgrund der unklaren Klassifizierung von R.sanguineus und nahe verwandten Arten lassen sich Wirtsangaben in der Literatur nur schlecht verifizieren. Sicher ist dagegen, daß der wichtigste Wirt der Hund ist. Angeblich greift diese Art auch oft den Menschen an.

Die Art ist dreiwirtig. Der Entwicklungszyklus kann aber auch in geschlossenen Räumen (z.B. Hundehütten) vollendet werden. Die Adulten schmarotzen von März bis September. Der gesamte Entwicklungszyklus beansprucht bei günstigem Klima nur 3 Monate. Alle drei Stadien können überwintern.

by Michael Becker, 10/1998.