Lebensweise

Ernährung

Wirtsfindung

Die meisten Schildzecken sind relativ wirtsunspezifisch. Dies liegt vermutlich daran, daß sie im wesentlichen Haemoglobin, Albumin, Globulin und Cholesterin verdauen, Substanzen, die im Blut aller Wirbeltiere enthalten ist.

Während die Schildzecken in jedem ihrer Entwicklungsstadien nur an einem Wirt saugen, dafür aber mehrere Tage bis mehrere Monate, wechseln Lederzecken ihren Wirt mehrmals, saugen dafür aber nur wenige Minuten bis Stunden. (Bei vielen Schildzeckengattungen, z.B. Ixodes saugen die adulten Männchen allerdings nicht mehr.)

Lauer- und Ruhehaltung eines Schildzeckenweibchens

Lauer- und Ruhehaltung eines Schildzeckenweibchens

Um einen Wirt zu finden, klettern Schildzecken von der Erde bis zur Spitze eines Grashalms oder einer anderen Pflanze (vermutlich positive Gravitaxis), wandern dann ein paarmal hoch und runter und kommen schließlich an der Spitze zur Ruhe. Sie nehmen dort zwei verschiedene Arten von Haltungen ein: In der Ruhehaltung (rechts) sind die Vorderbeine eingefaltet und liegen nahe beim Körper. In der Lauerhaltung (links) sind die Vorderbeine nach oben gestreckt und werden ev. hin und hergeschwenkt. Dasselbe geschieht auch beim Laufen. Auf diese Weise kann die Zecke mit ihrem Hallerschen Organ Geruchsreize aufnehmen.

Schildzecken, die mehr oder weniger wirtsspezifisch sind, suchen sich Orte, die der Höhe ihres Wirtstieres am besten entsprechen.

Die Zecken nehmen normalerweise die Ruhestellung ein. Bei Vibration, Geruchsreizen, oder bei Änderung der Belichtungsstärke (besonders bei einem plötzlichen Fall der Beleuchtungsstärke) wechseln sie sofort in Lauerstellung. Sie hängen sich dann an alles, was den Grashalm o.ä., auf dem sie sitzen, streift.

Lederzecken dagegen halten sich sowieso in der Nähe von Orten auf, an denen ihre Wirte ruhen oder schlafen. Einen Wirt zu finden, ist für sie also kein Problem.

Der Saugvorgang bei Schildzecken

Hat eine Schildzecke einen Wirt gefunden und sich an ihm festgekrallt, so krabbelt sie über dessen Körper und sucht eine Stelle, die ihr für das Saugen geeignet erscheint. Wie sie den genauen Ort des Saugens bestimmt, weiß man nicht.

Haben Schildzecken jedenfalls eine passende Stelle gefunden, so strecken sie ihre Beine, so daß sich ihr Körper derart hebt, daß er einen Winkel von 45°-60° zur Hautoberfläche des Wirtes bildet. Die Zecke fängt nun an, durch seitliche Bewegungen der Cheliceren die Haut des Wirtes aufzuschneiden. Das Hypostom wird in die Wunde eingefügt. Die Pedipalpen spreizen sich dabei seitlich ab und schmiegen sich an die Haut des Wirtes. Ev. löst sich die Zecke nochmals und bohrt an einer benachbarten Stelle. Dieser Vorgang des Eindringens in die Haut des Wirts dauert 10min bis 1h (oder länger).

Derart in die Haut des Opfers gebohrt, sondern manche Zeckenarten zunächst eine dickliche weiße Flüssigkeit ab, welche schließlich ihre Mundwerkzeuge völlig umschließt. Diese verhindert eine Entzündung der Wunde und verhärtet schließlich zu einer Art Zement. Auf diese Weise sind die Mundwerkzeuge der Zecke derart fest im Wirt verankert, daß eher das Gnathosoma abreißt, als daß sie sich loslösen lassen.

Später wird diese Flüssigkeit auch direkt in die Wunde abgesondert, um die Festigkeit des Halts zu vergrößern und die Auswirkungen der Verletzung zu vermindern.

Einmal auf diese Weise fest in der Haut verankert, schneidet sich die Zecke durch ruckartige Bewegungen ihrer Cheliceren noch tiefer in die Haut. Nun wird eine klare Flüssigkeit abgesondert, welche die Gerinnung des Blutes verhindert und die Gewebe des Wirtes lysiert (auflöst). Die Wunde vergrößert sich dadurch rapide. Der Saugvorgang der Zecke besteht nun darin, daß sie abwechselnd Blut, Lymphflüssigkeit oder aufgelöste Gewebe in sich aufnimmt, und Speichel absondert. Der erste Vorgang dauert 2s-30s, der zweite 1-2s. Dazwischen liegen inaktive Phasen von einigen Sekunden bis Minuten Länge. Durch diese wird eine Vermischung der beiden Flüssigkeiten verhindert.

Der Saugvorgang bei Lederzecken

Aufgrund der Tatsache, daß das Gnathosoma bei den Lederzecken unter dem Körper verborgen liegt, und deshalb direkte Beobachtungen ziemlich schwierig sind, ist das Wissen um die Freßgewohnheiten dieser Tiere nicht so groß.

Das Einführen der Mundwerkzeuge dürfte ungefähr so verlaufen wie bei den Schildzecken: Die Cheliceren schneiden eine seitliche Wunde, in die das Hypostom durch Vor- und Zurückbewegen des Körpers eingeführt wird.

Lederzecken kleben sich nicht mit einer Art Zement an den Wirt. Sie haben nur eine Art von (halbtransparentem) Speichel, der in unregelmäßigen Abständen in die Wunde entlassen wird.

Nährstoffaufnahme

Das aufgenommene Blut wird sowohl bei den Schild- wie den Lederzecken angedickt (Die Konzentration der Blutinhaltstoffe kann dabei u.U. auf das zwanzigfache ansteigen.) Eine isotonische Salzlösung wird zu diesem Zweck dem gesaugten Blut entnommen und zusammen mit dem Speichel wieder in die Wunde abgegeben.

Bei den Schildzecken werden das Haemoglobin und die meisten Proteine fast sofort von den Zellen des Mitteldarms aufgenommen, welche dadurch ihre Größe vervielfachen. Bei den Lederzecken dienen die hinteren Caeca als Hauptspeicherorgane für das angedickte Blut. Dieses kann dort mehrere Monate verbleiben.

Auch die einzelnen Zelltypen, die nun an der eigentlichen Verdauung beteiligt sind, kennt man. Die Vorgänge hierbei sind jedoch derart kompliziert, daß ich sie hier nicht beschreibe.

Danach

Vollgesogene Zecken lassen sich von ihrem Wirt abfallen und verhalten sich sowie auch gerade gehäutete Zecken stark photonegativ, meiden insbesondere direkte Bestrahlung.

Fortpflanzung

Partnerfindung/Pheromone

(nach [Dol])

Die Partnerfindung bei den Zecken scheint zumindest zu einem guten Teil durch Geruchsstoffe (Pheromone) zu gehen. Man hat bei den Zecken bereits verschiedene Arten von Pheromonen gefunden.

Zunächst einmal gibt es Arten, bei denen die Tiere Versammlungs-Pheromone (assembly pheromone) absondern können. Dies sind wenig flüchtige Stoffe, die auf die Oberfläche abgegeben werden. Trifft ein Tier auf solch einen Stoff, hört es auf, sich zu bewegen. Auf diese Weise bilden sich Ansammlungen von Zecken, bei Lederzecken z.B. in bestimmten Spalten und Nestern. Man glaubt, daß dieses Verhalten die Tiere in günstigen Orten sammeln soll. Ein anderes geschlechtsunspezifisches Pheromon wird von einigen Schildzeckenmännchen nach einigen Tages des Blutsaugens abgegeben. Es wirkt anziehend auf Weibchen, Männchen und Nymphen und veranlaßt sie, sich in der Nähe festzusaugen. Dieses Pheromon (aggregation-attachment-pheromone) spielt nur bei Arten eine Rolle, bei der die Männchen saugen, insbesondere Arten der Gattung Amblyomma.

Geschlechtsspezifische Pheromone werden bei den Schildzecken ausschließlich von gerade saugenden Weibchen abgegeben und wirken ausschließlich auf saugende oder vollgesogene Männchen. Die Männchen lösen sich in diesem Fall von ihrem Wirt und machen sich auf den Weg zum Weibchen. Die Reichweite solcher Pheromone ist nicht groß (einige Zentimeter), aber auf einem Wirt herumwandernde Männchen (und Weibchen) bevorzugen Plätze auf ihrem Wirtstier, die nach solchen Pheromonen riechen, so daß sich an diesen Stellen Ansammlungen von saugenden und vollgesaugten geschlechtsreifen Tieren bilden. Bei den Lederzecken sind solche Attraktionspheromone bisher nicht beobachtet worden.

Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, so werden sowohl bei den Schildzecken wie den Lederzecken Kontakt-Pheromone abgegeben, die die eigentliche Begattung stimulieren: Zunächst testet das Männchen anhand von Pheromonen auf dem Rücken des Weibchen, ob dieses bereits lange genug Blut gesaugt hat, um fruchtbar zu sein. Ist dies der Fall, so wird die Paarung vollzogen.

Die Pheromone werden von den Schildzecken scheints mit dem Hallerschen Organ wahrgenommen, was man an den schwenkenden Bewegungen des Vorderbeinpaars erkennen kann. Bei den Lederzecken erfüllen chemorezeptive Härchen an den (Pedi?)Palpen diesen Zweck.

Die Begattung

Über das Verhalten der beiden Partner bei und vor der Begattung weiß ich nicht viel, vor allem weil ich die Beschreibung im [Woo] nicht verstehe.

Bei der Begattung besteigt das Männchen das Weibchen (um zu testen, ob es fruchtbar ist. s.o.), dreht sich dann dessen Bauch zu und führt eine Spermatophore, die es auf einer seiner Cheliceren festgemacht hat, direkt in den Genitaltrakt des Weibchens ein. Dieser direkte Samentransfer nennt sich auch Tacospermie, im Gegensatz zur Podospermie, bei der die Spermatophore auf den Boden gesetzt wird, und dann das Weibchen darüberkrabbelt und sie in sich aufnimmt. Podospermie ist die bei Milben (und anderen Arachniden) verbreitetere Möglichkeit.

Die Spermatophoren von Zecken sehen so aus wie andere Spermatophoren auch: Auf dem auf dem Untergrund sitzenden Schild steht ein Stiel. Auf diesem sitzen zwei Samenkapseln.

Die Befruchtung findet im Körper des Weibchen statt, nachdem dieses die Spermatophore aufgenommen hat.

by Michael Becker, 9/1998.